Zumindest ein Gutes dürften Kritiker des oft zwischen Genie und Wahnsinn pendelnden US-Tech-Milliardärs Elon Musk sehen, nachdem sich der reichste Mann der Welt beim E-Autobauer Tesla die Aussicht auf einen Giga-Bonus von fast einer Billion US-Dollar gesichert hat. Für seine umstrittenen Ausflüge in die Politik dürfte der 54-jährige Fan von Rechtspopulisten in aller Welt künftig weniger Zeit haben und sich stattdessen seinem Managerjob widmen müssen. Denn die Ziele, die Musk erfüllen muss, um binnen zehn Jahren Tesla-Aktien im Wert von 878 Milliarden US-Dollar als Belohnung zu bekommen, sind auch für den einst gefeierten Revolutionär der E-Auto- und Raumfahrtbranche eine Giga-Herausforderung.
Musk müsste Tesla extrem erfolgreicher machen als heute
Allen voran muss Musk bis 2035 den Börsenwert – und damit den Aktienkurs – von Tesla fast versechsfachen: von heute 1,4 auf dann 8,5 Billionen Dollar. Wie schwierig das wird, zeigt, dass die Börsen den Deal kaum feiern: Aus der Börsenwoche dürfte die Tesla-Aktie mit einem deutlichen Verlust ins Wochenende gehen.
Noch härter, als die heutigen Tesla-Aktienbesitzer um den Faktor 5,6 reicher zu machen, wird für Musk das operative Geschäft: Der Plan sieht vor, dass das Tesla-Betriebsergebnis langfristig bei über 400 Milliarden Euro im Jahr liegen soll. Zum Vergleich: Analysten erwarten, dass Tesla dieses Jahr einen Vorsteuergewinn von unter 14 Milliarden Dollar einfährt.
Musk müsste damit also sein einstiges Image als Wunderknabe kräftig aufpolieren. „Zeit, eine Menge Hasen aus dem Hut zu zaubern”, schrieb er, als das Abstimmungsergebnis nach Ende der Hauptversammlung bekannt gegeben wurde.
Einmal mehr gibt Elon Musk den Ankündigungsweltmeister
Auf dem Aktionärstreffen im texanischen Austin wurde der Firmengründer mit „Elon, Elon“-Rufen gefeiert, obwohl dem Bonusversprechen ein hartes Ringen vorausging. Einige Investoren sprachen sogar von „Erpressung“. Musk hatte gedroht, seinen Chefposten bei Tesla hinzuwerfen, wenn die nötigen 75 Prozent Zustimmung für den Deal nicht zustande kämen.
In seiner Rede gab Musk einmal mehr den Ankündigungsweltmeister: Diesmal versprach er eine Armee von Robotern, die Tesla „Optimus“ nennt, um die Welt zu retten: „Die Leute sprechen oft davon, die Armut zu beseitigen und allen eine erstaunliche medizinische Versorgung zu bieten. Nun, es gibt eigentlich nur einen Weg, dies zu tun, und das ist mit dem Optimus-Roboter.“ Angeblich hat Tesla bereits bis zu tausend Prototypen des Optimus gebaut. Doch immer wieder stellte sich heraus, dass bei Vorführungen und Videos des tanzenden Androiden mitunter kräftig getrickst wurde.
E-Autos spielen für den Tesla-Chef keine sehr große Rolle mehr
Vor Jahren versprach Musk auch ein 25.000 Dollar günstiges Tesla-Einstiegsmodell, das den E-Autobauer beim Absatz in die Liga von Toyota und Volkswagen katapultieren sollte. Doch der kleine Tesla erblickte nie das Licht der Straße.
Nun lautet das Ziel, dass Tesla bis 2035 – wohlgemerkt insgesamt seit seiner Gründung und nicht jährlich – 20 Millionen E-Autos ausgeliefert haben soll. Auch ohne Billig-Tesla scheint dies noch eines der realistischsten Ziele des Musk- Zehnjahresplans zu sein. Denn seit 2008 hat Tesla immerhin schon über sieben Millionen Batterieautos in die Welt gesetzt. Allerdings schafft der Volkswagenkonzern die gleiche Menge in weniger als zehn Monaten. Es scheint ohnehin, als sei Musks Interesse an E-Autos der Liebe zu Robotern und Künstlicher Intelligenz gewichen.
Immerhin soll Musk den Bonus innerhalb von zwölf Stufen erhalten. Stand heute würde schon gut die Hälfte reichen, dass der derzeit reichste Mann der Welt mit einem geschätzten Vermögen von aktuell 500 Milliarden Dollar der erste Billionär der Weltgeschichte würde.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren