Bei jedem fünften Produkt, das von der EU als gefährlich eingestuft und deshalb aus dem Verkehr gezogen wurde, handelt es sich um Spielzeug. Obwohl sich die Gemeinschaft deshalb damit rühmt, im weltweiten Vergleich die sichersten Spielsachen zu haben, will Brüssel nun für noch mehr Schutz im Kinderzimmer sorgen.
Pünktlich zu Beginn des Weihnachtshandels besiegelte das EU-Parlament in Straßburg jetzt endgültig die Reform der 16 Jahre alten Richtlinie zur Spielzeugsicherheit. Die neue Verordnung untersagt künftig in den Waren unter anderem sogenannte Ewigkeitschemikalien, PFAS genannt, die in der Natur kaum abbaubar sind und auch als schädlich für den Menschen gelten. Zudem wird das Verbot von Stoffen in Teddybären, Puppen oder Rasseln, die krebserregend oder DNA-schädigend sind oder sich auf die Fruchtbarkeit auswirken können, verschärft.
EU verschärft Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Spielzeug
Spielzeuge dürfen künftig keinerlei Substanzen wie Biozidprodukte, etwa Insektengifte, oder sogenannte endokrine Disruptoren, die besonders in Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden vorkommen, mehr enthalten. Diese können das Hormon- und Immunsystem beeinflussen, zudem die Atemwege schädigen. Erlaubt bleiben elektronische Teile, die für Kinder unzugänglich sind, wie etwa Batterien, die im Inneren eines Plastikdinosauriers verbaut sind.
Mit der neuen Verordnung verbinde man „konsequenten Kinderschutz mit wirtschaftlicher Stärke“, sagte die christdemokratische EU-Abgeordnete Marion Walsmann. „Indem wir Risiken früher erkennen, gefährliche Stoffe begrenzen und Unternehmen verlässliche Leitplanken bieten, schaffen wir einen Markt, auf dem Qualität gewinnt.“ Die CDU-Politikerin sieht vorneweg die Einführung des neuen digitalen Produktpasses als Vorteil für hiesige Firmen, die unter dem Druck von , ächzen.
Spielzeug muss künftig QR-Code über Sicherheit enthalten
Der „Händler um die Ecke“ werde jetzt bessergestellt, weil „gleichgezogen wird“ zwischen ihm und dem Verkäufer im Internet, verspricht Walsmann. Künftig muss jedes Unternehmen seine Produkte mit einem QR-Code auszeichnen, über den Verbraucher und die nationalen Marktüberwachungsstellen detaillierte Sicherheitsinformationen auslesen können. Das gilt auch, wenn die Waren online verkauft und importiert werden. „Hersteller müssen verbindlich offenlegen, ob ihre Produkte den europäischen Vorgaben entsprechen“, sagte die SPD-Europaparlamentarierin Delara Burkhardt. So könnten Behörden gefährliche Produkte schneller aus dem Verkehr ziehen.
„Eltern können ihren Kindern mit gutem Gewissen neues Spielzeug unter den Weihnachtsbaum legen“, erklärte auch der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber. Allerdings gilt das letztlich erst zum Fest im Jahr 2030. Denn die EU gewährt den Unternehmen eine Übergangsfrist von viereinhalb Jahren. Die Industrie brauche einen „gewissen Zeitraum“, um die neuen Regeln umzusetzen und die erhöhten Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, verteidigte Walsmann die lange Übergangsfrist. Verbraucherzentralen empfehlen ohnehin, beim Kauf auf anerkannte Prüfzeichen zu achten wie etwa das CE-Siegel, das GS-Zeichen oder das Zertifikat des TÜV.
China-Puppe als chinesisches Abhör-Instrument
Um zu erklären, warum die Überarbeitung der Verordnung notwendig war, wird in Brüssel gerne die Geschichte einer sprechenden Puppe aus China erzählt. Cayla, die Spielzeugpuppe mit den großen blauen Augen und den blonden Haaren, sollte einst die neue Freundin von unzähligen Mädchen und Jungen werden. Doch Cayla wurde als Spionin enttarnt. Die Behörden zogen daraufhin das Modell des chinesischen Unternehmens Genesis Toys 2017 aus dem Handel, denn alles, was das Mikrofon des Spielzeugs erfasste, konnte auch weitergesendet werden. Daten wurden kabellos und via ungesicherter Bluetooth-Verbindung ans Smartphone oder Tablet übertragen. Dies hätte ohne Weiteres getarnte Abhöranlage genutzt werden können.
Obwohl Cayla nicht mehr in den Verkaufsregalen liegt, stellte sie keineswegs einen Einzelfall dar. Mittlerweile stecken in etlichen Smart Toys ausgefeilte Mikrochips und Technologien, die es Kindern ermöglichen, mit den Figuren zu sprechen, sie fernzusteuern oder mit Hilfe von Apps zu bedienen. Künftig müssen Hersteller deshalb sicherstellen, dass ihre Produkte „höchsten Anforderungen an IT-Sicherheit und Datenschutz genügen“, betonte SPD-Europaparlamentarierin Burkhardt. „Digitale Spielzeuge, die mit Kindern sprechen oder sie beobachten, dürfen kein Einfallstor für Ausspähung, Datenmissbrauch oder versteckte Manipulation sein.“
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