Als Angela Merkel und Emmanuel Macron 2017 öffentlich verkündeten, FCAS, einen eigenen deutsch-französischen Kampfjet an den Start zu bringen, standen sie unter dem frischen Eindruck von Donald Trumps erster Amtszeit. Es war auch das Jahr, in dem die Ex-Kanzlerin sagte, dass man sich auf andere nicht mehr völlig verlassen könne. Gemeint waren die Amerikaner. Inzwischen ist Trump schon wieder US-Präsident, Putin hat eine Invasion in die Ukraine befohlen, Europa rüstet massiv auf, will unabhängiger werden und das (F)uture (A)ir (C)ombat (S)ystem) sollte dabei ein deutsch-französisches Vorzeigeprojekt werden.
Ob es das noch wird, scheint immer fraglicher. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) war am Montag bei seiner neuen Amtskollegin Catherine Vautrin in Paris zu einem Arbeitsbesuch. Allerdings bleibt man im Bendlerblock in Sachen FCAS bei der Sprachregelung: Gespräche laufen. Ob und wie es weitergeht, soll bis Ende des Jahres entschieden werden. So sagte es Pistorius zuletzt am Rande des Treffens der sogenannten „Group of Five“. Das sind Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Deutschland – die Länder mit den größten Verteidigungsausgaben in Europa. Ob das Treffen von Macron und Bundeskanzler Merz am Dienstag beim Gipfel zur europäischen digitalen Souveränität im Berliner Gasometer Schub für den Superflieger gebracht hat, ist offen.
Dassault Aviation, Airbus und Indra sind dabei
FCAS ist ein viele Milliarden Euro schweres Vorhaben, bei dem nicht nur Deutschland und Frankreich, sondern auch Spanien zusammenarbeiten. Beteiligt sind Dassault Aviation, Airbus und das spanische Unternehmen Indra. Das geplante Kampfflugzeug, das von bemannten und unbemannten Drohnen begleitet würde, soll ab 2040 einsatzfähig sein. Es soll in Deutschland den in Manching endmontierten Eurofighter und in Frankreich das Kampfflugzeug Rafale ablösen.
Der Streit währt schon Jahre. Es gibt Differenzen um die Aufgabenverteilung. Besonderen Anstoß erregt regelmäßig Dassault-Chef Éric Trappier, der selbstbewusst auch öffentlich Führung bei dem Projekt einfordert. Airbus äußert sich nach wie vor nicht. Thomas Pretzl, Betriebsratsvorsitzender von Airbus Defence and Space wurde auf der jüngsten Betriebsversammlung in Manching schon deutlicher. Er sagte: „Wir wollen endlich wieder ein gutes Kampfflugzeug entwickeln und bauen.“ Am besten werde das ohne Dassault gelingen – und ohne dabei die deutsch-französischen Beziehungen zu beschädigen. Mit Blick auf den langanhaltenden Konflikt um Bauanteile zwischen Airbus und Dassault forderte er: „Wir brauchen klare Verhältnisse.“
Frankreich-Experte: Scheitern wäre schlechtes Zeichen für europäische Souveränität
Sollte es diese Ende des Jahres geben und würden sie das endgültige FCAS-Aus bedeuten, wäre das nach Meinung von Jacob Ross von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik allerdings „ein schlechtes Signal für die europäische Integration im Rüstungs- und Verteidigungsbereich.“ Scheitere es nun – trotz der Wiederwahl Trumps und vor dem Hintergrund des anhaltenden Kriegs in der Ukraine – würde es „die Fähigkeit der Europäischen Union, absehbar zu einem souveränen Faktor der internationalen Beziehungen zu werden, jedenfalls stark in Zweifel ziehen“, meint der Experte für deutsch-französische Beziehungen.
Immerhin: Für die konkrete Verteidigungsfähigkeit Europas hätte das Scheitern von FCAS, so sagt Ross weiter, „kurz- und mittelfristig keinerlei Auswirkungen“. Denn: „Stand heute sind Deutschland und die meisten europäischen Partnerländer ohnehin äußerst abhängig von US-Sicherheitsgarantien, Rüstungsgütern und der Kooperation bei der Gewinnung geheimdienstlicher Informationen.“
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