Von „irgendwas Kreativem“ bis zu einer konkreten Berufswahl ist es für viele junge Menschen ein weiter Weg. Ausbildung, weiterführende Schule, Studium – die Möglichkeiten sind schier endlos, die Entscheidung oft schwer. So erging es auch Kim Bauer aus Heißesheim bei Donauwörth. Nach dem Abbruch der FOS suchte sie in unterschiedlichen Bereichen nach einer Perspektive, bis sie im Floristenhandwerk schließlich ihren Platz fand. Denn hinter dem Beruf steckt mehr als bunte Sträuße – und genau das hat sie überzeugt.
Wenn Kim heute auf ihren Weg zurückblickt, ist der alles andere als geradlinig: Zunächst entschied sie sich für die Fachoberschule, absolvierte dort Praktika im Marketing und in der Buchhaltung, bevor sie die FOS schließlich abbrach. „Ich habe den falschen Zweig gewählt und das war einfach nicht der richtige Schritt damals für mich“, resümiert sie heute. Daraufhin sammelte sie Berufserfahrung in der Gastronomie, in der Eventbranche, sogar in einer Konditorei. Klick, habe es schließlich erst bei ihrem Praktikum in der Floristik bei Dehner in Rain gemacht: „Ich brauche die Kundenbindung, die Action, und bin gerne aktiv dabei und lebe mich kreativ aus.“ Nach nur drei Tagen Praktikum entschied sie sich für die Ausbildung.
Ausbildung zur Floristin: Der Beruf ist weit mehr als nur Blumen
Im Arbeitsalltag der angehenden Floristin dreht sich natürlich viel um Blumen: „An den Tagen, an denen wir frische Ware bekommen, ist das unsere Hauptaufgabe“, berichtet die 20-Jährige. Die Schnittblumen müssten versorgt, das untere Drittel der Blätter entfernt, die Stängel angeschnitten, die Preise ausgezeichnet und alle Pflanzen bewässert werden. Neben den Blumen lernt die 20-Jährige zudem, Kränze zu binden, Dekorationen zu entwerfen, und sie eignet sich ein breites Botanik-Wissen an. „Wir lernen, wie man sich um Pflanzen sorgt, welche Standorte sie brauchen und wie hoch der Wasserbedarf ist“, erklärt Bauer. Begleitet werde die praktische Ausbildung im Blumengeschäft von Fächern wie Warenwirtschaft, Pflanzenkunde und florales Gestalten an der Berufsschule.
Aber auch die Arbeit in der Binderei, im Gartenbedarf, im Lager und in der Topfpflanzen- und in der Freilandabteilung gehört zur Ausbildung der angehenden Floristin. „Unsere Azubis kommen alle zwei bis drei Monate in einen anderen Bereich“, erzählt Philipp Geyer. Er leitet die Binderei. Dort werden die Azubis beispielsweise in die Produktion für das Gartencenter eingewiesen. „Wir machen Pflanzschalen, Indoor-Schalen, Outdoor-Schalen, Türkränze, Longlife-Gestecke, Adventskränze, Allerheiligen-Gestecke“, erklärt Geyer.
Kundenkontakt und Kreativität: Azubis beraten und gestalten individuelle Gestecke
Als Floristin arbeitet Kim Bauer nicht nur mit Pflanzen, sie berät Kunden, hilft ihnen, den richtigen Strauß auszusuchen, und kreiert selbst Gestecke: „Gerade jetzt im zweiten Lehrjahr darf ich viele Kunden mitbedienen und beraten“, erzählt sie. Wichtig seien dabei Offenheit, Empathie und ein feines Gespür für unterschiedliche Situationen, zum Beispiel auch im Trauerfall, sagt Bauer. Gleichzeitig kann sie sich in dem Beruf kreativ ausleben: „Wir dürfen freie Verkaufsstücke wie Sträuße, Kränze, Deko oder Gestecke selbst gestalten.“ Besonders motivierend ist es für die 20-Jährige, wenn Kunden ihre Werkstücke loben und diese kaufen.
Sicher vor der KI und gute Einstiegschancen: Warum die Ausbildung so attraktiv ist
Wenn Kim nicht zwischen Blumen und Töpfen steht, engagiert sie sich für den Beruf. Bei Dehner ist sie Azubi-Botschafterin und erzählt auf Social Media von ihrer Ausbildung. Außerdem besucht sie im Rahmen der IHK-Initiative Ausbildungs-Scouts Schulen. Als jemand, der selbst lange orientierungslos war, möchte sie jungen Menschen eine Perspektive bieten. „Ich glaube, viele haben den Beruf gar nicht auf dem Schirm“, sagt sie.
Das bestätigt auch ihr Vorgesetzter Philipp Geyer. Die Anzahl der Bewerber für den Beruf sei in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Für potenzielle Azubis kann das ein Vorteil sein, denn die Einstiegschancen seien durch die geringe Konkurrenz natürlich recht gut, sagt Geyer. „Die Chance, nach der Ausbildung als Florist irgendwo unterzukommen, ist unglaublich hoch“, betont er. Teils seien andere Märkte schon „am Angeln“, sobald jemand ausgelernt hat, sagt er lachend. Zudem sei Floristik als Handwerk relativ resistent gegenüber Automatisierungen. In anderen kreativen Berufen ersetze künstliche Intelligenz immer mehr Menschen, in der Floristik sei das nicht so.
Der Beruf in Kürze
- Berufsbild: Floristen und Floristinnen gestalten Sträuße, Kränze und Dekorationen, dekorieren Verkaufsräume und beraten Kunden zu Pflanzen und deren Pflege. Außerdem planen sie den Warenbedarf, kümmern sich um Einkauf, Preisgestaltung und Verkauf und übernehmen oft auch Lieferung und Versand der Blumen.
- Voraussetzung: Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis haben etwa die Hälfte der Auszubildenden einen mittleren Schulabschluss, ein Viertel hat die Mittelschule abgeschlossen.
- Ausbildungsvergütung: Im ersten Ausbildungsjahr 725 Euro bis 900 Euro, im zweiten 850 Euro bis 1000 Euro, im dritten 980 Euro bis 1100 Euro.
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