Sich gesünder ernähren und bewusst einkaufen: Das sollen Kennzeichnungen wie der Nutri-Score ermöglichen. Der Score zeigt mit Buchstaben von „A“ bis „E“ und einem Farbverlauf an, wie gesund das Lebensmittel ist. Bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern sorgt der Nutri-Score allerdings für mehr Verunsicherung als Klarheit. Nach fünf Jahren zieht die Verbraucherorganisation Foodwatch Bilanz.
Deshalb verunsichert der Nutri-Score
Wieso wird eine Tüte Cashewnüsse schlechter bewertet als eine Pizza aus dem Kühlregal? Wieso bekommt ein Weißbrot ein grünes „B“, während das Olivenöl mit einem gelben „C“ ausgezeichnet wird? Solche Widersprüche erleben viele, die beim Wocheneinkauf auf den Nutri-Score achten. Seit 2020 findet sich die Skala aus Frankreich auch auf etlichen Lebensmitteln in deutschen Supermärkten. Gut, für die 77 Prozent, die laut einer Studie der Uni Göttingen und der Agentur Zühlsdorf & Partner beim Einkauf sofort erkennen wollen, ob etwas gesund ist. Doch genau hier beginnen die Probleme.
Während der Score fast allen Befragten bekannt war, konnte nur etwa jeder Zehnte sicher sagen, was er bedeutet. „Die Menschen wissen nicht, was sie miteinander vergleichen können“, sagte die Leiterin des Forschungsteams, Anke Zuehlsdorf. „Da spiegelt sich einfach wider, dass der Wunsch nach einer Vereinheitlichung da ist.“ Kein Wunder, denn die Berechnung des Scores und die Kategorisierung der Produkte sind kompliziert.
So funktioniert der Nutri-Score
Es gibt drei große Kategorien: Getränke, Fette/Öle/Schalenfrüchte/Samen und den „allgemeinen Fall“. Dabei schlüsselt sich die dritte Kategorie noch mal in weitere Gruppen auf. Es wird unterschieden zwischen Käse und Fleischerzeugnissen. Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Joghurt und Pizza werden der Kategorie „allgemeiner Fall“ direkt zugeordnet, ohne in eine der Untergruppierungen Käse oder Fleischerzeugnisse zu fallen. Während sich also Joghurt und Quark oder Brot mit Marmelade vergleichen lassen, fällt der Vergleich von Quark mit Käse aus. Übrigens: Milch zählt nicht als Getränk, sondern ebenfalls als „allgemeiner Fall“.
Ob ein Produkt dann mit der besten Bewertung „A“ oder mit einem schlechten „E“ gekennzeichnet wird, errechnet sich aus der Zusammensetzung bestimmter Nährwerte wie Eiweißgehalt, der Menge an Ballaststoffen und Zucker, sowie der Höhe an Kalorien. Auch Anteile von Obst und Gemüse fließen positiv in die Bewertung ein. Deswegen kann eine Pizza aus Vollkornteig, die mit Gemüse belegt ist, viel Eiweiß und wenig Salz hat, eine bessere Bewertung erhalten als Nüsse, die zwar gesündere Fette enthalten, aber keine Aufwertung durch Gemüse erfahren.
Verbindender Nutri-Score in Deutschland unwahrscheinlich
Der Nutri-Score ist also schwer zu durchschauen. Das zeigt auch die Verbraucherstudie: Nur jeder Dritte vertraut dem Nutri-Score. Mehr als zwei Drittel wünschen sich, dass die Kennzeichnung besser erklärt wird. Aber die Studie zeigt auch: Wer sich an dem Nutri-Score orientiert, kauft häufig gesünder ein. Auch deswegen fordern „sämtliche Experten schon seit vielen Jahren eine verpflichtende Kennzeichnung“, wie Achim Spiller von der Uni Göttingen sagt. „Wir sehen fünf Jahre nach der Einführung, dass die “, ergänzt Luise Molling von Foodwatch.
Weniger als die Hälfte aller Lebensmittel wird gekennzeichnet. Einige Hersteller wie Danone oder Haribo haben die Skala wieder von einigen ihrer Produkten entfernt. Doch auf nationaler Ebene ist eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung nach geltendem EU-Recht nicht möglich. Die EU-Mitgliedstaaten müssten sich gemeinsam auf ein Kennzeichen einigen. Doch Italien sträubt sich dagegen. Und so bleibt ein verpflichtender Nutri-Score auf allen Lebensmitteln vorerst unwahrscheinlich.
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