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Gleichberechtigung: Bei der Organisation des Alltags übernehmen Frauen den Löwenanteil

Gleichberechtigung

Bei der Organisation des Alltags übernehmen Frauen den Löwenanteil

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    Frauen übernehmen nicht nur mehr praktische Aufgaben im Haushalt, sondern leisten in Beziehungen oder Familien auch mehr Planungs- und Denkarbeit.
    Frauen übernehmen nicht nur mehr praktische Aufgaben im Haushalt, sondern leisten in Beziehungen oder Familien auch mehr Planungs- und Denkarbeit. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa

    Wann war noch mal Tantchens Geburtstag? Muss der Sohnemann mal wieder zum Zahnarzt? Bis wann muss die Steuererklärung eingereicht sein? Ach, und was gibt es heute Abend eigentlich zum Essen? All das und noch viel mehr gehört zur Alltagsorganisation, die neben der Erwerbsarbeit eine Menge Zeit und Nerven kosten kann. Bei der Frage, wer diese Planungsarbeit in Paarbeziehungen übernimmt, tut sich zwischen den Geschlechtern ein breiter Graben auf: Frauen wenden nicht nur mehr Zeit für die praktische Hausarbeit auf, sondern kümmern sich auch primär um die Organisation des Zusammenlebens. Selbst dann, wenn sie ebenfalls erwerbstätig sind. Das zeigt eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. 

    Die Forscherinnen Dr. Yvonne Lott und ihre Co-Autorin Paula Bünger haben rund 2200 erwerbstätige und arbeitssuchende Frauen und Männer danach befragt, wie sie Planungsaufgaben untereinander aufteilen. Wie Lott und Bünger in der Studie schreiben, geht es beim Zusammenleben um mehr als praktische Aufgaben wie Kochen, Aufräumen, Putzen sowie die Körperpflege von Kleinkindern oder alten Familienmitgliedern. Vielmehr braucht es auch eine Person, die voraus- und mitdenkt, den Überblick über Termine bewahrt und Wege findet, "das scheinbar Unvereinbare vereinbar zu machen". Lott und Bünger sprechen dabei von einer "unsichtbaren Denkarbeit" und einem "Mental Load", also einer mentalen Last. 

    Leben Kinder im Haushalt, übernehmen Frauen noch häufiger die Planung

    Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass diese zusätzliche, unbezahlte Arbeit meist auf den Schultern von Frauen lastet. So liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sich bei erwerbstätigen Paaren überwiegend die Frau darum kümmert, dass wichtige private Aufgaben erledigt und Termine eingehalten werden, bei 62 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass das vor allem der Mann übernimmt, beträgt lediglich 20 Prozent. Leben Kinder im Haushalt, ist die Diskrepanz noch spürbar größer. Dann übernehmen Frauen mit einer 74 Prozent hohen Wahrscheinlichkeit das Alltagsmanagement. 

    "Diese ungleiche Verteilung ist auf klassische Rollenbilder und soziale Erwartungen zurückzuführen und damit ein gesamtgesellschaftliches Problem, dem besonders auf der betrieblichen Ebene begegnet werden muss", sagt Yvonne Lott. So können Erwartungen der Vorgesetzten oder der Kollegenschaft an die berufliche Karriere Männer darin hemmen und ausbremsen, mehr Verantwortung im privaten Alltag zu übernehmen. "Wenn ein Mann Elternzeit beantragen möchte, bekommt er immer noch oft zu hören, dass diese Auszeit dem nächsten Karriereschritt im Weg stehen kann. Wenn eine werdende Mutter ankündigt, nach der Elternzeit wieder Vollzeit arbeiten zu wollen, dann wird dieser Wunsch nicht selten kleingeredet", gibt die Wissenschaftlerin einige Beispiele. Durch die zusätzliche, private Planungsarbeit würden sich einige Frauen auch gar nicht mehr zutrauen, eine volle Stelle anzunehmen. Eine weitere Erkenntnis der Studie: Selbst wenn Männer arbeitslos sind, bleibt die Planungsarbeit dennoch überwiegend am weiblichen Part hängen. 

    Viele Männer haben den Wunsch, mehr private Aufgaben zu übernehmen

    Allerdings ergaben die Befragungen auch, dass viele Männer durchaus den Wunsch haben, mehr Aufgaben im Zusammenleben zu übernehmen. "In den vergangenen Jahren hat sich das Verständnis von Männlichkeit und aktiver Vaterschaft zwar in vielen Fällen zum Positiven gewandelt, aber oftmals steht der berufliche Kontext oder das soziale Umfeld der Verwirklichung im Wege", bedauert Lott. Laut der Wissenschaftlerin war die Pandemie ein gutes "Gelegenheitsfenster", um die unbezahlte Planungs- und Sorgearbeit gleichmäßiger zwischen den Geschlechtern zu verteilen: "Durch die Corona-Maßnahmen haben Männer und Frauen beidermaßen mehr Zeit zu Hause verbracht. Dadurch haben Männer teilweise zumindest zu Beginn der Pandemie mehr Arbeiten übernommen." Lott bezweifelt aber, dass diese neuen Erfahrungen während der Pandemie nachhaltige Effekte erzielt haben.

    Die Forscherin warnt außerdem davor, dass sich die Mental Load negativ auf die Gesundheit der Betroffenen auswirken kann: "Frauen sind dadurch häufiger kognitiv und emotional belastet und können sich neben der Erwerbstätigkeit schlechter erholen." Lott spricht sich daher für flexiblere Arbeitsmodelle und einen Wandel in Betriebskulturen aus. "Häufig werden bei der Frage nach Teil- oder Elternzeit nur Frauen adressiert. Dabei sollten Betriebe bei dieser Planung auch aktiv Männer mit ins Boot holen", fordert die Wissenschaftlerin. Eine weitere Maßnahme können Führungskräfteschulungen sein, in denen die Verantwortlichen für das Thema sensibilisiert werden. 

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