Die Rekordjagd des Goldpreises ist vorerst beendet. Doch was hat den Einbruch ausgelöst? Und wie geht es weiter? Erst vergangene Woche hatte der Kurs des Edelmetalls noch die historische Rekordmarke von 5595 Dollar je Feinunze überschritten. Seit Freitag jedoch bröckelte die Notierung rapide, auch am Montag ging es im frühen Handel zeitweise sogar bis auf 4402 Dollar nach unten. Damit waren beinahe alle Zugewinne seit Jahresbeginn verloren. Allerdings stabilisierte sich der Kurs später wieder.
Ausgelöst hat die Marktkapriolen wohl nicht zuletzt Donald Trump. Der US-Präsident hat am Freitag seinen Favoriten für die Nachfolge von US-Zentralbankchef Jerome Powell bekannt gegeben: Kevin Warsh heißt der Mann, von dem Trump sich mehr Offenheit für seine Zinssenkungswünsche erwartet. Der amtierende Fed-Chef Powell lehnt so einen Schritt trotz immer heftigerer Angriffe des Präsidenten auf ihn und seine von der Politik unabhängige Institution entschieden ab. Powell schätzt das Inflationsrisiko als noch nicht überwunden ein.
Kevin Warsh dürfte als Fed-Chef nicht alle Wünsche von Donald Trump erfüllen
Doch warum sinkt der Goldpreis, wenn Trump doch nun Chancen hat, zeitnah einen Unterstützer auf dem Fed-Chefsessel zu installieren? DZ-Bank-Analyst Thomas Kulp erklärt die Reaktion der Märkte auf die Nominierung als ein kollektives „Nicht so schlimm wie gedacht“: „Warsh wird vom Markt als Befürworter tendenziell restriktiver Geldpolitiker eingestuft“, sagt Kulp. Das heißt, er gilt zwar derzeit als Unterstützer von Zinssenkungen, dürfte nach Einschätzung der Märkte aber nicht alle Wünsche Trumps erfüllen und so weiterhin für die Unabhängigkeit der Notenbank garantieren.
Gerechnet hatten Investoren aber damit, dass Trump Kevin Hassett für den Fed-Posten nominiert, der für noch stärkere Zinssenkungen gestanden hätte. Damit wäre die Unabhängigkeit der Fed weiter infrage gestanden. Eben diese Unsicherheit hat mit dazu beigetragen, den Goldpreis in den vergangenen Monaten von Rekord zu Rekord zu treiben. Noch 2024 kostete das Edelmetall im Jahresschnitt 2389 Dollar.
Hinzu kamen die instabile geopolitische Lage, die unvorhersehbare Zollpolitik der neuen US-Regierung sowie zuletzt Trumps Drohungen in Richtung Grönland und Iran. All diese Entwicklungen haben den Ruf des Dollars als globale Reservewährung und von US-Staatsanleihen als sicherer Hafen und damit Alternative zu Gold untergraben. Anleger und Notenbanken haben darum zuletzt deutlich mehr Gold gekauft. Der seit Beginn des Jahres laufende Gold-Trend war für den Analysten einer der „spektakulärsten Anstiege in der Geschichte des Goldpreises“.
Analysten sehen den weiteren Trend ungebrochen
Diese Kursrallye hat nun zumindest einen Dämpfer erfahren. Anlagestratege Christian Curac von der Fürst Fugger Privatbank spricht von einer „gesunden Korrektur, nachdem der Anstieg in den vergangenen Wochen teilweise stark spekulativ getrieben war.“ Am grundsätzlichen Trend habe sich aber nichts geändert: „Gold ist global gefragt und keine Forderung gegen einen einzelnen Staat. Das macht es als Diversifikationsbaustein attraktiv, auch wenn der Preis kurzfristig stark von US-Dollar und Realzinsen beeinflusst wird“, sagt Curac. Er hält einen Kurs von 5000 Dollar oder leicht darüber hinaus bis zum Jahresende für realistisch.
Auch die DZ-Bank sieht auf absehbare Zeit keine Abkehr vom Gold als „ultimativer sicherer Hafen“. Ein Spiegelbild dieser Blockbildung sind die Währungsreserven der Zentralbanken. Trotz des starken Preisanstiegs hätten viele Zentralbanken jüngst erklärt, den Anteil des Edelmetalls in ihren Reserven weiter erhöhen zu wollen. Auf Sicht von zwölf Monaten sieht auch Kulp Gold nachhaltig bei 5000 Dollar je Feinunze.
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