18 Euro für ein Kilo Espressobohnen, sechs Euro für ein Pfund gemahlenen Discounter-Kaffee: Das Lieblingsgetränk der Deutschen wird immer teurer. Im April haben sich die Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12,2 Prozent erhöht. Damit liegt die Preissteigerung deutlich über der Inflation von 2,1 Prozent. Vier Tassen Kaffee trinkt jeder hier im Schnitt, insgesamt 164 Liter pro Jahr. Doch eine repräsentative Umfrage zeigt, dass bereits ein Viertel der Deutschen wegen der hohen Preise weniger Kaffee trinkt.
„Deutlich steigende Rohkaffeepreise beobachten wir schon seit zwei Jahren“, sagt Karina Schneider, Sprecherin der Abteilung Kaffee bei Tchibo. Doch vergangenen Herbst habe diese Entwicklung noch einmal an Dynamik gewonnen. Denn damals stieg der Preis für Kaffee am Weltmarkt um 70 Prozent. Diese Steigerungen spüren Kundinnen und Kunden jetzt. Und die Rohpreise gehen weiter nach oben. „Selbst unsere Rohkaffeeeinkäufer mit jahrzehntelanger Erfahrung berichten von einer noch nie dagewesenen Situation“, sagt Schneider.
Schlechte Ernten verteuern den Kaffee
Als zentraler Grund für den Preisanstieg gelten die schlechten Ernten. Vor allem in Brasilien, dem wichtigsten Kaffee-Anbauland, haben extreme Wetterbedingungen wie Dürre und Waldbrände den Kaffeepflanzen zugesetzt. Und das nicht nur im letzten, sondern bereits in den vergangenen fünf Jahren, sagt Schneider. Die Ursache führt sie auf den Klimawandel zurück. Im sogenannten „Kaffeegürtel“ rund um den Äquator kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Extremwetterereignissen, die die Ernte erschweren.
Denn die Kaffeepflanze ist sehr sensibel. Die für Espresso-Röster beliebte Arabica-Bohne beispielsweise gedeiht am besten bei Temperaturen zwischen 18 und 22 Grad Celsius. Die Kaffeeart Robusta ist zwar, wie der Name nahelegt, robuster, allerdings gedeiht sie nur bei einem bestimmten Maß an Regen. Der Kaffee in Deutschland besteht zu 99 Prozent aus diesen beiden Arten. Eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften geht davon aus, dass sich aufgrund der steigenden Treibhausgasemissionen die geeigneten Anbauflächen für Arabica-Kaffee bis 2050 halbieren könnten.
Die Kaffeeindustrie forscht an neuen Anbauarten und Kaffeearten
Das ist nicht nur für die Kundinnen und Kunden ein Problem, die nicht auf den Wachmacher verzichten wollen. Weltweit hängen wirtschaftliche Existenzen an Anbau, Ernte und Verkauf von Kaffee. Deshalb werden bereits andere Anbaumethoden und resiliente Kaffeearten getestet.
So auch beim Start-up „HyCoffee“, das sich auf den Anbau und Handel mit alternativen Kaffees spezialisiert hat. „Wir schauen uns den Kaffeeanbau aus der Linse der Klimaresilienz an“, erklärt Co-Gründer Timothy Charlton. Auf die Idee kamen er und seine Geschäftspartnerin Sophie von Loeben vor einigen Jahren bei einem Vortrag über die vielen unbekannten Kaffeesorten im Archiv des Londoner Botanischen Gartens. Beide erkannten darin das Potenzial, durch den Anbau alter Kaffeesorten die Abhängigkeiten der Bauern von empfindlichen Arten wie dem Arabica-Kaffee zu verringern.
2021 gründeten die beiden Wissenschaftler gemeinsam mit Co-Gründerin Charlotte Schmidt ihr Kaffee-Start-up. In diesem Jahr wollen sie erstmals größere Mengen Kaffee nach Deutschland importieren und hier verkaufen. Dabei handelt es sich um die Art Cofea Liberica, die dürreresistenter ist als andere Arten und durch ihren anderen Erntezyklus für Kaffeebauern eine zusätzliche Einkommensquelle darstellt. „Mit unserem Unternehmen fokussieren wir uns darauf, alternative Kaffeearten marktfähig zu machen“, sagt Charlton. Dennoch betont er die Notwendigkeit für weitere Forschung im Kaffeesektor.
Der Klimawandel ist nicht der einzige Faktor, der den Kaffee teuer macht
Dafür wurde von der Kaffeeindustrie die Forschungsgruppe World Coffee Research gegründet, zu der unter anderem Tchibo gehört. Die Organisation forscht an Kaffeearten, die widerstandsfähiger sind gegen Trockenheit, Überwässerung, extreme Hitze oder Kälte. „Wir sind optimistisch, dass wir in den nächsten Jahren eine größere Anzahl an neuen Arten ausprobieren können“, sagt Tchibo-Sprecherin Schneider, auch wenn sie einschränkt, dass damit noch nicht die Massentauglichkeit der Produkte sichergestellt sei.
Die erschwerten Bedingungen durch den Klimawandel erklären den Preisanstieg in deutschen Supermärkten aber nur zum Teil. Denn der Kaffeekonsum und die Nachfrage steigen weltweit. Beispielsweise weil in Ländern wie China oder Indien, in denen traditionell Tee getrunken wurde, mittlerweile ebenfalls viel Kaffee getrunken wird. Außerdem, erklärt Tchibo-Sprecherin Schneider, seien die Kosten vor allem für Transport und Energie ebenfalls gestiegen.
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