„Jetzt bitte immer zwischen den gelben Linien bleiben und nicht zu nah an die Maschinen kommen“, sagt Manuel Fiore und deutet auf den Boden, als er die Produktionshalle der Firma Zenker betritt. Fiore ist seit rund zehn Jahren Geschäftsführer bei dem Backformenhersteller mit Sitz Aichach und führt an diesem Tag durch das Werk. Dort fertigt das Unternehmen alle seine Formen aus Metall. Jene, die es unter dem eigenen Markennamen verkauft und auch all jene, die es im Auftrag von Kunden, etwa großen Supermarktketten, herstellt. Wer schon mal Muffins, Blechkuchen, ein Osterlamm, Gugelhupf oder etwas anderes gebacken hat, hat es ziemlich wahrscheinlich mit einer Form aus diesen Hallen getan. „Wir sind Marktführer in Europa“, sagt Fiore.
Er bleibt vor einer Maschine stehen, die hinter Gittern steckt. Vieles hier läuft automatisch. Die Maschinen bewegen sich in Käfigen oder hinter Glas und sind mit Lichtschranken und Sensoren ausgestattet, damit die Mitarbeiter sicher sind. Manche Tätigkeiten übernehmen Roboter. Es wirkt moderner als der Anblick einer Gugelhupfform vermuten lassen würde.
30.000 Backformen am Tag: Zenker ist in den letzten Jahren immer weiter gewachsen
Vor genau 140 Jahren - im Jahr 1885 - wurde Zenker in Sachsen gegründet. Nach dem Krieg, im Jahr 1947, eröffnete das Backformen-Werk in Aichach wieder. Wer sich heute von Google zu der Firma leiten lässt, landet noch immer vor den alten Produktionsgebäuden. Sie liegen nur wenige Meter von den modernen Hallen entfernt und ihr Anblick lässt nicht vermuten, dass in Aichach mehr als 30.000 Backformen am Tag entstehen. Am alten Standort sind nur noch ein Lager und ein großer Werksverkauf.
Seit 2003 gehört Zenker zum Familienunternehmen Fackelmann mit Sitz im fränkischen Hersbruck. „Wir sind ein Firmenverbund“, sagt Fiore. „Alles, was Zenker betrifft, wird überwiegend hier in Aichach entschieden.“ Doch natürlich profitiert das Unternehmen vom globalen Netzwerk der Firma Fackelmann. Etwa wenn es um den Vertrieb in verschiedene Länder geht oder um das Beobachten von neuen Trends.
Zurück in die Produktionshalle: Alle zwei bis drei Sekunden fährt dort ein Werkzeug mit einem Rums herunter und schneidet ein rechteckiges Stück Metall von einer langen Metallrolle ab. Das Rechteck fährt über ein Fließband weiter. Wieder macht es Rums. Von oben und unten senken sich Formen auf das beschichtete Metall. Als sie sich öffnen, sieht es aus wie eine Kastenform. An drei weiteren Stationen wird erst der Überstand abgeschnitten, dann der Rand hochgebogen und dieser am Ende eingerollt, sodass sich niemand daran verletzen kann. Fertig ist die Kastenform. Zwei Roboter kleben noch Etiketten auf, dann werden die fertigen Formen auf eine Palette gepackt. Mehrere Tausend Kastenformen entstehen so pro Schicht. Und das an nur einer Maschine in der Halle.
Muffinbleche, Springformen und Kuchenbleche: Bei Zenker entsteht alles aus Metall
An einer weiteren Linie werden momentan Muffinbleche hergestellt, ein Stück dahinter fertigen Maschinen Universalbleche, die sich an jeder Backofengröße anpassen lassen. Dazwischen entstehen Springformenböden, Springformen, die aussehen wie Herzchen und Böden mit Loch in der Mitte. Der Ablauf ist immer der Gleiche: Erst wird das Metall – mal Weißblech, mal mit einer Antihaft-Beschichtung, mal ohne – von einer Rolle abgewickelt, dann geschnitten und in Form gebracht. Die meisten Schritte passieren automatisch. Zwischen den Maschinen stehen Menschen, verpacken die fertigen Formen, bedienen die Maschinen über Displays, tauschen Werkzeuge oder fahren verpackte Waren ins Lager. Nur manchen, sehr komplizierte Formen oder solche in kleiner Stückzahl werden noch händisch hergestellt.
Obwohl der Herstellungsprozess bei jeder Form ähnlich ist, ist er komplexer als es von außen aussieht. In jeder Backform stecken mindestens fünf Arbeitsschritte. Und jeder Arbeitsschritt und jede Form benötigen ihr eigenes Werkzeug. Und diese Werkzeuge werden am Standort entwickelt und maßangefertigt. Mitten zwischen den Backformmaschinen liegt deshalb eine eigene Werkzeugbau-Abteilung. „Neben Industriekaufleuten und Maschinen- und Anlagenführern bilden wir deshalb auch Werkzeugmechaniker aus“, sagt Fiore. Die Mitarbeitenden stellen dort nach Entwürfen aus der Produktentwicklung für jeden Arbeitsschritt eigene Werkzeuge her. Sie warten die alten und halten sie instand. In drei riesigen Regalen, die über das Werksgelände verteilt sind, werden jene Werkzeuge aufbewahrt, die gerade nicht verwendet werden.
Dass alles vom Werkzeug bis zur fertigen Metallbackform vor Ort in Aichach entsteht, ist etwas auf das Fiore besonders stolz ist. „Zenker steht wirklich für ,Made in Germany‘“, sagt er. Viele Kunden wüssten das zu schätzen. „Wir bieten ja wirklich Produkte für alle an, vom Lebensmitteleinzelhändler zum Fachhändler“, sagt er. Und sagt dennoch, dass Billigwaren, wie sie zuhauf aus Fernost verkauft würden, ein Problem darstellten. In Richtung der EU, sagt er deshalb: „Es wäre schön, wenn der heimische Markt vor solchen Dumping-Herstellern geschützt würde.“ Merkt aber kurz danach an: „Aber es bringt ja nichts, sich nur zu beschweren. Wir haben das erkannt und werden immer effizienter.“
Immer mehr läuft automatisch: Zenker setzt auch Roboter in der Fertigung ein
Über die Jahre ist Zenker stetig gewachsen. Erst im vergangenen Jahr hat Fiore das Gelände und die Gebäude einer ehemaligen Druckerei gekauft, um mehr Platz haben, um die Waren zu lagern und zu verpacken. Auch über eine Ausweitung des Werksverkaufs denken Fiore und seine Mitarbeiter nach. Inzwischen misst das Firmengelände etwa 40.000 Quadratmeter und bildet eine Art Zenker-Viertel im Nordwesten Aichachs. Dass sich die Firma so vergrößert hat, zeigt sich nicht nur am Werksgelände, auch die Zahl der Mitarbeiter ist angewachsen und liegt inzwischen bei rund 200. Genauso sei der Umsatz in den vergangenen zehn Jahren um 30 bis 40 Prozent gestiegen, sagt Fiore. Inzwischen liegt er bei etwa 50 Millionen Euro.
Während der Corona-Jahre hatte Zenker eine Hochphase, der Backformenhersteller hat am Absatz gespürt, dass die Menschen mehr zu Hause waren und mehr Zeit mit Backen und Kochen verbrachten. Doch auch etwas anderes hat dem Aichacher Unternehmen geholfen, sanft durch die Krise zu kommen: 2019 hat es ein neues Hochregallager eröffnet. Das vereinfacht seither nicht nur die gesamte Logistik. Die Dachfläche ist außerdem mit Photovoltaik-Anlagen ausgerüstet. „Wir produzieren ungefähr 25 Prozent des Stroms, den wir verbrauchen, selbst“, sagt Fiore. „Das hat uns geholfen, als die Energiepreise während der Corona-Hochzeit in die Höhe schossen. Und es hilft uns immer noch.“
Auch jetzt, wo die Wirtschaft schwächelt, laufen die Geschäfte für Zenker gut. „Es gibt Beobachtungen, dass es Menschen sich in wirtschaftlich schweren Zeiten mehr auf ihr eigenes Zuhause besinnen und zum Beispiel mehr backen“, sagt Fiore. Dennoch überlegt er immer mal wieder, ob sich Zenker nicht breiter aufstellen sollte. „Unser Werkzeugbau kann viel mehr als nur Backformen“, sagt er. Doch noch arbeitet er vor allem darann, die Firma weiter in die Zukunft zu führen. Bald soll etwa ein kollaborativer Roboter - also einer, der direkt mit Menschen zusammenarbeiten kann - beim Verpacken der Waren unterstützen.
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