Es war ein beispielloser Kraftakt, den das Management und die Belegschaft der Grob-Werke gleichermaßen gestemmt haben. Grob stand wie viele andere Maschinenbauunternehmen vor der Frage, wie es gelingen kann, den Wandel in der Antriebstechnik in der Autoindustrie weg vom Verbrennungsmotor hin zu Elektroantrieb und Batterietechnik aktiv voranzutreiben und so das Familienunternehmen mit 7100 Mitarbeitern weltweit zukunftsfest zu machen.
Das Mindelheimer Unternehmen setzte dabei konsequent auf neue Technologien und konnte sich in den vergangenen Jahren bei seinen wichtigsten Kunden als unverzichtbarer Partner in der Transformation positionieren. Die Kunden von Grob sind alles Schwergewichte in der Branche. Als Beispiele seien BMW, Volkswagen, Daimler oder amerikanische Hersteller genannt. Bei ihnen sind die Experten von Grob mit an vorderster Front dabei, wenn es gilt, neue Technologien zur Anwendung zu bringen.
Die Auftragsbücher bei Grob sind voll wie selten zuvor
In der Belegschaft war nicht nur Zuversicht zu spüren, ob das Kalkül am Ende auch aufgehen wird. Noch Anfang des Jahres befand sich ein Teil der Mitarbeiter in Kurzarbeit. „Es gab 2021 Höhen und Tiefen“, formuliert der Vorsitzende der Geschäftsleitung German Wankmiller im Gespräch mit unserer Redaktion. Umso größer ist nun die Erleichterung. „Wir sind stolz darauf, diese große Herausforderung angenommen zu haben“, so Wankmiller.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten ein Riesenpensum geleistet. Nun ernten die Grob-Werke in Mindelheim die Früchte ihrer Strategie. Die Auftragsbücher sind voll wie selten zuvor. Im laufenden Geschäftsjahr bis Dezember hatten die Aufträge einen Wert von 903 Millionen Euro erreicht. Das sind 23 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Der Umsatz, bei Grob spricht man hierbei traditionell von der Leistung der Gruppe, steigt um sieben Prozent auf 1,15 Milliarden Euro. Für den Standort Mindelheim rechnet die Geschäftsleitung um den Aufsichtsratsvorsitzenden Christian Grob und German Wankmiller heuer mit einer Leistung von rund 880 Millionen Euro, was einem Plus von drei Prozent entspricht. Das Geschäftsjahr 2021/22 endet bei Grob traditionell im März.
Umsatzsteigerung bei Grob wird erwartet
„Mit all unseren Aktivitäten, Maßnahmen und Weichenstellungen können wir heute mit Stolz behaupten, unser Unternehmen erfolgreich für die Zukunft aufgestellt zu haben.“ Dieser Satz steht im sechsseitigen Weihnachtsbrief der Geschäftsleitung, der in dieser Woche an die Mitarbeiter ging. Unterzeichnet haben ihn Christian Grob, German Wankmiller, Wolfram Weber und Christian Müller. Christian Grob sagt, früh seien die richtigen Weichen gestellt worden. Das Durchhaltevermögen habe sich gelohnt, jetzt könnten langfristig die Früchte geerntet werden.
Dank der „höchst anspruchsvollen Technik“ sei Grob ein sehr gefragter Partner auch für die Universitäten oder die Fraunhofer-Institute. Gerade auch für junge Leute böten sich hervorragende Perspektiven in dem Unternehmen. Aus der Autoindustrie kommen regelmäßig Manager nach Mindelheim, um zu sehen, was Grob hier auf die Beine stellt. Für das kommende Jahr erwartet die Geschäftsleitung eine weitere Steigerung des Umsatzes. Dieser werde um 15 Prozent steigen und dann 1,35 Milliarden betragen. Die Leistung am Stammsitz Mindelheim wird dabei auf über eine Milliarde Euro klettern.
Wankmiller: "Zweite Welle" der E-Mobilität
Befeuert wird das Plus vor allem durch neue Anlagen für Elektroantriebe und Batteriespeichertechnologien. Aber auch die Zerspanung erlebt dank neuer Maschinenkonzepte inklusive Automation für neue Bauteile in den Fahrzeugen eine Renaissance. Die Zahl der verkauften Universalmaschinen weltweit stieg um 30 Prozent. Der Auftragseingang des laufenden Jahres fällt mit 412 Millionen Euro auf Zerspanungssysteme, 248 Millionen auf E-Mobilität, 154 Millionen auf Universalmaschinen und 88 Millionen auf Dienstleistungen.
Bei der E-Mobilität spricht Wankmiller von der „zweiten Welle“. Hier punktet Grob bei Stator-Projekten, Rotor-Projekten und Anlagen zur Montage von Batteriesystemen. Grob ist mittlerweile in der Lage, für die Technologien Batteriemodul und Batteriepackanlagen für die Großserienproduktion der Autoindustrie zu liefern.
Investitionen in Höhe von 66 Millionen Euro geplant
Die Mitarbeiterzahl in der Grob-Gruppe liegt aktuell bei knapp 7100. Davon sind 4750 in Mindelheim beschäftigt. Und es sollen 300 weitere dazukommen. Entwickler, Softwarefachleute oder Inbetriebnehmer werden gebraucht. Bei den Auszubildenden gab es zuletzt aber einen Rückgang von 85 auf 65, weil nicht genügend geeignete junge Leute zu finden waren, so Christian Grob.
26 Prozent des Auftragseingangs kommen aus Amerika, 38 Prozent aus Asien sowie 18 Prozent aus Deutschland und 18 aus Resteuropa. Im neuen Geschäftsjahr sind Investitionen in Höhe von 66 Millionen Euro geplant, davon 40 Millionen in Mindelheim. Die größte Position ist der Neubau von Halle 14 mit 16.000 Quadratmetern. Baubeginn ist im Januar 2022 geplant. Investiert wird auch in Dalian in China. Dort entsteht eine 23.000 Quadratmeter große neue Halle. Fertigstellung ist für September geplant. Auch in Indien investiert Grob. In der Nähe von Bangalore entsteht eine 6000 Quadratmeter große Produktionshalle mit Büros. Fertigstellung ist im Dezember.