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Mit Wertlosem Werte schaffen

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    Käßmeyer
    Käßmeyer Foto: AZ

    Von unserem Redaktionsmitglied Klaus Köhler

    Erkheim

    Bei Erkheim, direkt neben der Autobahn/Bundesstraße von München nach Lindau, hat Peter Käßmeyer sein "Biomasse-Kompetenz-Zentrum" eingerichtet, in dem aus organischen Abfällen Kompost, Brennmaterial, Strom und Wärme entstehen. "Die Kreisläufe der Natur werden bei uns wieder geschlossen", sagt Peter Käßmeyer. Er verdient zwar sein Geld mit den Bio-Abfällen, aber er sieht sich durchaus auch als Gesinnungstäter, der aus Überzeugung dazu beiträgt, dass die Natur im Gleichgewicht gehalten wird. Hinter seinen Firmen stehe der Grundgedanke, "die natürlichen Lebenskreisläufe mit technischer Unterstützung zum Vorteil des Menschen zu optimieren".

    Auf die Idee, sich auf diesem Feld als Unternehmer zu betätigen, kam er Ende der 80er Jahre, als die Deponien überquollen. "Das war ein richtiger Müllnotstand in unserer Region." Käßmeyer, bis dahin als Angestellter für den Verkauf von Häckslern und Kompostierungsanlagen zuständig, erkannte das Potenzial, das in der Nutzung und Wiederverwertung der organischen Stoffe steckt. In einer "One-Man-Show" zog er "mit Lkw, Radlader und Häcksler" durch das Land, um Bürgermeister davon zu überzeugen, "dass man aus Abfällen etwas machen kann".

    Mit dem Landkreis Unterallgäu entwickelte der Agrar-Ingenieur ein Wertstoffhof-Konzept. Heute können Privatleute und gewerbliche sowie öffentliche Dienstleister Schnittabfälle aus dem Garten an über 14 kommunalen Kompostplätzen oder am Kompostplatz der Kompostierungs-Service Käßmeyer GmbH in Erkheim abgeben, wo sie erst zerkleinert und dann fachgerecht zu hochwertigem Kompost umgewandelt werden, der an professionelle Abnehmer, aber auch wieder an private Gartenbesitzer verkauft wird.

    Die Herstellung guten Komposts ist allerdings kein Geheimnis. Viele Firmen tummeln sich auf diesem Feld. Auch Kommunen und Zweckverbände sind hier mit ihren Entsorgungsbetrieben aktiv. Mehr Knowhow hingegen erfordert die Nutzung von Speiseresten oder von Produktionsabfällen der Lebensmittelindustrie, die seit 1998 in Erkheim vergoren werden. Für diesen Zweck hat Peter Käßmeyer gemeinsam mit einem Kollegen aus der Branche die Bio-Energie Schwaben GmbH gegründet. Die Vergärungsanlage des Unternehmens, die aus nassen Bioabfällen Methangas und daraus Strom und Wärme erzeugt, wurde 1998 vom Förderverein Kompetenzzentrum Umwelt Augsburg-Schwaben (Kumas) zu einem "Leitprojekt" gewählt. "Wir haben zwar Lehrgeld gezahlt, aber wir sind manchem großen Entsorger voraus", sagt der kaufmännische Leiter der Käßmeyer-Firmen, Michael Maier, der zusammen mit Peter Käßmeyer und dem technischen Leiter Gerhard Weiß das Führungsteam der Entsorgungsfirmen bildet. Bevor Maier nach Erkheim kam, war er für eine große Getränkemarkt-Kette tätig. Doch wenn er die Anlagen vorstellt und die Möglichkeiten schildert, die im Bio-Abfall stecken, steht er seinem Chef in Sachen Begeisterung für diese Art von Wertstoffen nicht nach. Ein gutes Betriebsklima - in vielen Firmen wichtiger Faktor für den Erfolg - wird auch hier geschätzt. "Unser Chef achtet auf Sauberkeit und Ordnung im Betrieb", sagt Michael Maier. Moderne Maschinen und Fahrzeuge sollen den Beschäftigten zusätzlich den Alltag erleichtern.

    "Viele Mitarbeiter bleiben gern, und mancher, der geht, kommt bald zurck", so Maier, der sich trotz der hohen Arbeitslosigkeit schwer tut, geeignetes Personal zu finden, nicht nur für die unmittelbare Arbeit mit den Abfällen. Dabei sind die Abläufe so organisiert, dass die Mitarbeiter in der Vergärungsanlage in keiner Phase in direkten Kontakt mit dem angelieferten Material kommen. Als drittes Standbein neben Kompostierung und Stromerzeugung wurde in diesem Jahr der Biomassehof Unterallgäu auf dem Gelände in Erkheim eingerichtet. Nachwachsende Energielieferanten wie Resthölzer werden hier aufbereitet, um sie in möglichst gleichbleibender Qualität Biomasseheizkraftwerken, aber auch Privathaushalten (Holzpellets) zur Verfügung zu stellen. "Damit sind derartige Bio-Brennstoffe ganzjährig für alle Einsatzbereiche verfügbar", sagt Michael Maier.

    Das Wissen, das bei der Verwertung organischer Abfälle angesammelt wurde und auch in Patenten gipfelt, wird über eine eigens gegründete Bio-Energie Consulting GmbH weitergegeben. "Das Interesse ist riesengroß", freut sich Maier. Kein Wunder angesichts der Perspektiven in der Verwertung von Abfällen, die sich auch durch die Vorgaben zur weltweiten Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes ergeben. In Erkheim gehen die Ideen auf diesem Feld nicht aus. "Wir arbeiten schon wieder an neuen Projekten", sagt Maier. Verraten will er aber noch nichts.

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