Zuletzt hat es Eterna erwischt. Der Hemden- und Blusenhersteller mit Sitz in Passau gab bekannt, den Geschäftsbetrieb bis Sommer 2026 komplett einzustellen. Für das insolvente Unternehmen fand sich kein Investor. Rund 400 Beschäftigte müssen sich wohl einen neuen Job suchen. Der Name Eterna wird immerhin noch weiterleben. Wie zuletzt bekannt wurde, sicherte sich der Wettbewerber Olymp Bezner KG aus Bietigheim-Bissingen die Markenrechte und erweiterte dadurch seine Produktpalette.
Die rosigen Zeiten der deutschen Modeindustrie sind lange vorbei. Gerry Weber, Hallhuber, Esprit oder jetzt Eterna: Die Pleitewelle rollt und es könnten noch weitere bekannte Namen fallen. Die Zahlen fallen entsprechend ernüchternd aus. Laut Justus Lebek, Präsident des deutschen Modeverbands German Fashion, setzte die Branche im vergangenen Jahr noch gut 6,5 Milliarden Euro um, 1,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor.
Umsatz wieder im Minus: Deutsches Modegewerbe muss 2025 Verluste hinnehmen
Besonders bei Pullovern, T-Shirts oder Hemden ist der Rückgang zu spüren. 2,2 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr sprechen eine deutliche Sprache. Zwar ist dieses Segment immer noch Antreiber der deutschen Modeindustrie, doch die Entwicklung macht mehr Sorgen als Hoffnung. Einen Lichtblick in Form kleiner Zuwächse liefern immerhin Strumpfwaren sowie das Segment Arbeits- und Berufsbekleidung. Doch mit Socken und Blaumännern wird die Branche wohl nicht gerettet.
Geht es nach Carl Tillessen, Chef des Deutschen Modeinstituts, müssen die deutschen Hersteller die Stärken ausspielen, die sie in der Wahrnehmung von außen haben. Präzision, Nüchternheit und klare Struktur zu vermitteln, kann laut Tillessen helfen, den Spieß wieder umzudrehen. Positive Beispiele dafür sind gut laufende Konzerne wie Adidas oder Hugo Boss.
Bürokratie, weltweite Krisen und Nachhaltigkeit belasten die Branche
Aber längst nicht alle Probleme der Branche sind hausgemacht: Weltweite Krisen, Lieferkettenprobleme und die nun schon lange anhaltende Konsumverdrossenheit der Deutschen schwächen das Bekleidungsgewerbe immens. Dazu kommen die allseits unbeliebte Bürokratie und hohe Investitionen im Bereich der Nachhaltigkeit. Nun wird auch der Krieg im Nahen Osten immer mehr zur Belastungsprobe. Die Verschiffung eines Containers kostet aktuell doppelt so viel wie noch vor dem Konflikt, und die Einkaufslaune der Menschen leidet unter den ständigen Hiobsbotschaften aus Kriegsgebieten.
Doch nicht nur im Inland gibt es große Absatzprobleme für deutsche Modehersteller. Auch im Export scheint die Ware nicht mehr die Anziehungskraft zu versprühen, wie es einst der Fall war. Die Zahlen gehen spürbar zurück. Ganze 14 Prozent weniger Umsatz wurde alleine bei Anzügen gemacht. Da die Zahlen jetzt schon seit mehreren Jahren rückläufig sind, können nicht nur neue Krisenherde wie die im Iran oder spontane Wintereinbrüche im Februar als Hauptindikatoren für die ständig mieser werdende Stimmung in Deutschlands Modelandschaft genannt werden.
Wenige große Firmen beherrschen den globalen Markt
Für Carl Tillessen nimmt die globale Konzentration der Modeunternehmen ebenfalls großen Einfluss auf die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit der deutschen, meist mittelständischen Vertreter. „Aktuell beherrschen 20 Konzerne 97 Prozent des Marktes weltweit. Gegen H&M oder Zara anzukommen, ist für kleine Unternehmen eine extrem schwierige Sache“, erklärt der Trendanalyst. Mit Blick auf 2026 sieht die Branche keine großen Veränderungen. Es bleibt also anspruchsvoll in der Textilwelt, und der Fokus wird auch 2026 auf konsequentem Kostenmanagement und Umstrukturierungen liegen.
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