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Nach FCAS-Aus: Spanien bietet Deutschland Kampfjet-Allianz an

Verteidigung

Spanien bietet Deutschland Kampfjet-Allianz an

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    Bundeskanzler Friedrich Merz (links) im Gespräch mit René Obermann, Aufsichtsratsvorsitzender von Airbus: Nach dem Aus des Kampfjet-Projekts FCAS positioniert sich die Rüstungsindustrie neu.
    Bundeskanzler Friedrich Merz (links) im Gespräch mit René Obermann, Aufsichtsratsvorsitzender von Airbus: Nach dem Aus des Kampfjet-Projekts FCAS positioniert sich die Rüstungsindustrie neu. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

    Nach dem Aus des großen europäischen Kampfjet-Projekts FCAS sortiert sich die Rüstungsindustrie in Europa neu. Und Spanien meldet sich auffallend schnell zu Wort: Sechs spanische Unternehmen bieten sich dem Verteidigungsministerium in Madrid und möglichen europäischen Partnern als Mitstreiter für ein neues Luftkampfsystem an. Damit bekommt die Debatte um Europas nächsten Kampfjet eine neue Wendung. Denn während sich in Berlin auf der Luft- und Raumfahrtausstellung ILA acht deutsche Rüstungs- und Luftfahrtunternehmen als „Team Gen 6“ formierten, stellt sich parallel in Spanien ein eigener Industrieblock auf. Die Botschaft ist klar: Wenn Deutschland nach dem Scheitern von FCAS einen neuen Anlauf nimmt, will Spanien nicht am Rand stehen.

    Unterzeichnet wurde die spanische Erklärung von Airbus Defence and Space, GMV, Grupo Oesía, Indra Group, ITP Aero und Sener – sechs wichtigen Unternehmen der spanischen Luftfahrt-, Rüstungs- und Sicherheitstechnik. In ihrer gemeinsamen Mitteilung heißt es, sie stellten Spanien und Europa ihre Fähigkeiten für eine mögliche Neuordnung des FCAS/NGWS-Programms zur Verfügung. NGWS steht dabei für „Next Generation Weapon System“, also für ein Waffensystem der nächsten Generation.

    Der Kampfjet der Zukunft soll Teil eines ganzen digitalen Verbunds sein

    Und hier geht es nicht nur um ein einzelnes Kampfflugzeug. Der Kampfjet der Zukunft soll Teil eines ganzen digitalen Verbunds sein: Ein bemannter Jet, Drohnen, Sensoren, Satellitendaten, Kommunikationssysteme und eine sogenannte Combat Cloud sollen miteinander vernetzt werden.

    „Der Sektor stellt dem Verteidigungsministerium seine Fähigkeiten und seinen Willen zur Verfügung, um an dieser Entwicklung weiterzuarbeiten“, heißt es in der Erklärung der spanischen Unternehmen. Die Kooperation solle mit jenen europäischen Ländern und Akteuren erfolgen, die das spanische Verteidigungsministerium bestimme. In Madrid wird das auch als Signal an Berlin gelesen. Denn die spanische Industrie verweist ausdrücklich darauf, dass sich in Deutschland zur gleichen Zeit acht Unternehmen in einer ähnlichen Initiative zusammengeschlossen haben: Airbus Defence and Space, MTU Aero Engines, Hensoldt, MBDA Deutschland, Autoflug, Diehl Defence, Liebherr sowie Rohde & Schwarz.

    In einem deutschen Positionspapier, das im Rahmen der ILA in Berlin veröffentlicht wurde, heißt es: „Wir dürfen keine Zeit verlieren, müssen von deutscher Seite Verantwortung übernehmen sowie Handlungsfähigkeit zeigen und den Weg zu einem luftgestützten vernetzten Waffensystem mit einem starken Führungsanspruch konsequent weiter beschreiten.“ Mit anderen Worten: Es soll verhindert werden, dass Europa bei der nächsten Generation von Kampfflugzeugen endgültig von den USA abhängig wird. Schon heute setzen zahlreiche europäische Staaten auf den amerikanischen Tarnkappenjet F-35. Doch irgendwann müssen die heutigen Kampfjets ersetzt werden: in Deutschland vor allem der Eurofighter, in Frankreich die Rafale des Herstellers Dassault. Für diese nächste Generation sucht Europa seit Jahren eine eigene Lösung.

    Airbus und Dassault stritten über Zuständigkeiten

    Die sollte eigentlich FCAS heißen: „Future Combat Air System“. Das Projekt war 2017 von Deutschland und Frankreich angeschoben worden, später kam Spanien hinzu. Die Kosten wurden auf rund 100 Milliarden Euro geschätzt. Der neue Kampfjet sollte etwa ab 2040 einsatzbereit sein. Doch vor allem Airbus und der französische Hersteller Dassault stritten über Zuständigkeiten, Führungsansprüche und industrielle Kontrolle. Am Ende erklärten Berlin und Paris das bisherige Modell für gescheitert. Damit steht Spanien vor der Frage, wie es seine eigenen Investitionen und technologischen Ambitionen rettet.

    Die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles kritisierte das FCAS-Scheitern scharf.
    Die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles kritisierte das FCAS-Scheitern scharf. Foto: Soeren Stache/dpa

    Die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles reagierte ungewöhnlich scharf auf das FCAS-Aus. Sie kritisierte, bei dem Projekt seien industrielle Interessen über die Sicherheits- und Verteidigungsinteressen Europas gestellt worden. Das sei „sehr besorgniserregend“. Spanien brauche weiter einen Kampfjet der „sechsten Generation” – also ein hochmodernes, digital vernetztes Luftkampfsystem – und werde alles tun, um eine gemeinsame europäische Lösung zu erreichen, sagte sie.

    Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius stellte nach dem FCAS-Scheitern schnelle Entscheidungen in Aussicht. „Es wird eine Brückenlösung und eine Lösung für danach geben müssen“, sagte der SPD-Politiker. Für Deutschland könnte Spanien dabei aus mehreren Gründen ein naheliegender Partner sein: Beide Länder nutzen den Eurofighter. Beide sind an Airbus beteiligt. Beide haben ein Interesse daran, bei der nächsten Kampfjetgeneration mehr europäische Eigenständigkeit zu erreichen. Und beide verfügen über Industrien, die bereits im bisherigen FCAS-Programm gearbeitet haben.

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