Die Ladenetzinfrastruktur in Deutschland wächst deutlich und gilt vor allem in Süddeutschland als attraktiv. Laut einer Auswertung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) von Daten der Bundesnetzagentur stieg die Zahl der Ladepunkte im Oktober binnen eines Jahres um 16 Prozent auf rund 180.000 öffentliche Ladepunkte. Ein Viertel davon sind Schnellladepunkte, die ab 50 Kilowattstunden in den Autobatterien pumpen können. Bayern hat trotz Zuwachs um 4300 Ladepunkte erstmals seinen Spitzenplatz an das bevölkerungsstärkere Nordrhein-Westfalen abgeben müssen.
Bayern führt beim Schnellladenetz in Deutschland
Demnach liegt NRW nun mit 35.300 um 300 Ladepunkte vorn. Der Freistaat führt allerdings weiter bei den Schnelladern mit 8623 Anschlüssen bundesweit. Auf dem dritten Rang liegt Baden-Württemberg mit 25.200 Ladepunkten und 5329 Schnelladern. Auch die am liegen allesamt im Süden: Laut VDA verfügen Ingolstadt, Stuttgart und Regensburg über das beste Ladenetz im Vergleich zu den dort zugelassenen E-Autos. Vermutlich kein Zufall: Alle drei Zentren gelten als Automobilstädte wegen der Hersteller Audi, Mercedes, Porsche und BMW.
Noch deutlicher als die Zahl der Ladesäulen hat sich die öffentlich verfügbare Ladeleistung erhöht – um knapp 30 Prozent auf mehr als 7,3 Millionen Kilowatt. Allerdings ist auch die Zahl der Elektrofahrzeuge gestiegen. So kamen zum 1. Juli dieses Jahres den Berechnungen des VDA zufolge bundesweit rund 16,7 Elektroautos auf einen Ladepunkt. Berücksichtigt wurden dabei sowohl reine Batteriefahrzeuge als auch Plug-in-Hybride. Im Vorjahr lag der Wert bei 17,3. Damit habe sich die Versorgung mit Blick auf die Zulassungszahlen laut dem Automobilverband nur sehr geringfügig verbessert.
Pro zugelassenem E-Auto gibt es im Osten mehr Ladesäulen
Geht es um das Verhältnis Ladesäule pro E-Auto, ist das Angebot in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen am besten. Hier müssen sich rechnerisch jeweils nur 11,7 Autos mit alternativen Antrieben einen öffentlichen Ladepunkt teilen. Im Saarland ist die Versorgung am geringsten: Auf einen Ladepunkt kommen dort 24,6 E-Fahrzeuge. Allerdings ist der E-Autobestand in den ostdeutschen Bundesländern vergleichsweise gering.
Mit Blick auf die Ladeleistung wächst die Zahl der öffentlich zugänglichen Lademöglichkeiten laut VDA in etwa so schnell wie der Bestand von Elektro- und Hybridfahrzeugen. Trotzdem geht der Ausbau aus Sicht des Verbands zu langsam voran. „Das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher, immer und überall einfach und schnell laden zu können, ist zentral für die Akzeptanz der Elektromobilität“, betonte VDA-Chefin Hildegard Müller. „Es braucht unbedingt wieder mehr Tempo, denn noch immer gibt es Nachholbedarf und zu viele weiße Ladeflecken auf der Deutschlandkarte.“
ADAC stellt Autobahnraststätten miserables Zeugnis für E-Auto-Fahrer aus
Um beim Ausbau der Ladeinfrastruktur die notwendigen Fortschritte erzielen zu können, seien schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren entscheidend, betonte Müller. „Insbesondere gilt es jetzt, die Stromnetze und Kapazitäten fit für die Zukunft zu machen, damit die entsprechenden Leistungen auch tatsächlich bereitgestellt werden können.“
Der ADAC, der auch selbst Ladesäulen betreibt, hat die Ladeinfrastruktur entlang von Autobahnen unter die Lupe genommen. Demnach ist mehr als die Hälfte von jeweils 25 untersuchten Rastanlagen und Autohäfen als mangelhaft oder sogar sehr mangelhaft bewertet worden. Lediglich ein Viertel der untersuchten Standorte habe mit mindestens zehn Ladepunkten ein zahlenmäßig ausreichendes Angebot gehabt. Bei einem Drittel der Anlagen sei mindestens ein Ladepunkt defekt gewesen. Zudem kritisiert der ADAC schlechte Beleuchtung. (mit dpa)
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