Playmobil kämpft um seine Zukunft. Für weitere 350 Beschäftigte heißt das nun, ihr Arbeitsplatz steht auf der Kippe. Die Horst-Brandstätter-Group, die Muttergesellschaft der Traditionsmarke Playmobil, plant, die Produktion der bekannten Plastikfiguren und Spielsets vom Standort Dietenhofen im Landkreis Ansbach zu verlagern. Ein Unternehmenssprecher bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion: „Die Produktion der Marke Playmobil wird von Deutschland auf unser internationales Produktionsnetzwerk, intern und extern, verlagert.“
Damit zieht das Unternehmen offensichtlich die Notbremse. Denn bereits 2023 hatte man im Hauptsitz in Zirndorf den Abbau von 700 Stellen beschlossen. Im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2022 meldete die Gruppe, die unter der Marke Lechuza auch Pflanzbehälter vertreibt, 726 Millionen Euro Umsatz. Zwei Jahre später waren davon nur noch 490 Millionen übrig. Seitdem hat der Spardruck nicht nachgelassen.
Playmobil produziert auch auf Malta
Playmobil gehört mit seiner Produktion in Deutschland und Europa eher zu den Ausnahmeerscheinungen im Spielzeugmarkt. Längst kommt ein Großteil der Produkte aus Fernost. Playmobil hat sich diesem Trend lange verweigert. Nun heißt es, der zunehmende Kostendruck in Deutschland mache die Verlagerung unausweichlich. Playmobil unterhält unter anderem ein großes Werk auf Malta, das in der Vergangenheit bereits stark ausgebaut wurde.
Die Gewerkschaft IGBCE reagierte empört auf die Ankündigung. „Die Verantwortung für jahrelanges Missmanagement soll nun erneut auf die Beschäftigten abgewälzt werden“, sagte Gewerkschaftssekretär Maximilian Krippner. „In der Zusammenarbeit mit der betrieblichen Mitbestimmung wurde erneut ein Tiefpunkt gesetzt und damit das letzte Vertrauen verspielt.“ Seit Jahren gab es in dem Unternehmen schon Zoff zwischen Arbeitnehmervertretern und Geschäftsführung.
Der Standort in Franken soll nicht komplett abgewickelt werden, die Pflanzgefäße der Marke Lechuza sollen weiterhin dort produziert werden. Bereits Ende Juni will man aber die Verlagerung der Spielzeugproduktion abgeschlossen haben. Ob und in welchem Umfang dabei an anderen Standorten neue Arbeitsplätze entstehen, ließ der Unternehmenssprecher auf Anfrage offen. Grundsätzlich gehe es aber darum, Aktivitäten zu bündeln, um Prozesse effizienter zu gestalten.
Lego ist der Konkurrenz längst enteilt
Die Krise des Spielzeugherstellers hat aber längst nicht nur der Kostendruck ausgelöst. Jahrzehntelang galt bei Playmobil die Devise des 2015 verstorbenen Firmengründers, aktuellen Trends nicht hinterherzulaufen. Doch dabei hat man grundsätzliche Verschiebungen im Markt verschlafen. Anders als der Rivale Lego etwa ist Playmobil erst sehr spät in das boomende Geschäft mit Lizenzen berühmter Filme oder Computerspiele eingestiegen.
Lego hat seine Klemmbausteine zum Zentrum eines eigenen Unterhaltungsuniversums gemacht, das sogar eigene Lizenzen verkaufen kann. Bücher, Filme und Serien aus dem Lego-Kosmos schaffen wieder neue Nachfrage nach den Spielwaren – ein höchst einträgliches Karussell. Auch die immer größer werdende Gruppe der „Kidults“, Erwachsene, die Spaß an Spielzeug haben, bedienen die Dänen viel erfolgreicher.
Auf der Nürnberger Spielwarenmesse, deren Ende man nun abgewartet hat, um die schlechte Nachricht zu verkünden, trommelte Playmobil für neue Audioelemente seiner Spielwelten. Geschichten, Sounds und Rätsel sollen die Kinder anregen, sich länger und intensiver mit dem Spielzeug zu beschäftigen. Zudem wird Fußball ein großes Thema: Rechtzeitig zur WM in den USA gibt es die Nationalspieler als Spielfiguren und ab September dann die Mannschaften aller Bundesligisten. Ob das für eine Wende reicht, muss sich zeigen.
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