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Porträt: EVG-Chef Martin Burkert ist der Mann, der Deutschland lahmlegen will

Porträt

EVG-Chef Martin Burkert ist der Mann, der Deutschland lahmlegen will

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    Martin Burkert ist seit Oktober Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).
    Martin Burkert ist seit Oktober Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Foto: Jörg Carstensen,dpa (Archivbild)

    Unter den vielen Juristen, Politologen und Ökonomen um ihn herum war Martin Burkert stets eine Ausnahme. Aufgewachsen in der Nürnberger Südstadt, einem alten Arbeiterbezirk, Hauptschulabschluss, danach eine Ausbildung bei der Bahn – ein Leben wie so viele in Deutschland, aber keines, das zwangsläufig in ein Parlament führt. "Ich bin der letzte Vertreter der Arbeiterklasse hier", frotzelte Burkert gerne, als er noch Abgeordneter der SPD war. Kein Abitur, kein Studium, aber trotzdem 15 Jahre im Bundestag, darunter drei als Vorsitzender des mächtigen Verkehrsausschusses: Solche Karrieren sind selten in der Politik, aber möglich.

    Die Leidenschaften von EVG-Chef Martin Burkert: Fußball, Eishockey und Schafkopf

    Inzwischen hat Martin Burkert seine Leidenschaft, die Bahn, wieder zum Beruf gemacht. Als Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG dürfte der 58-Jährige im Moment einer der meistgehassten Männer unter Deutschlands Bahnreisenden und Bahnpendlern sein. Der Mann, der mit seinen Streiks die Republik lahmlegt. Dabei ist Burkert alles andere als ein gewerkschaftlicher Ideologe: bodenständig, ein wenig hemdsärmelig, unprätentiös. Einer, von dem Markus Söder vermutlich sagen würde, er komme nicht aus der Schampus-, sondern aus der Leberkäs-Etage. Lieber besucht der begeisterte Schafkopfer Burkert, verheiratet und Vater von zwei Kindern, eine fränkische Kirchweih als ein Klavierkonzert, er geht gerne zum 1. FC Nürnberg oder zum Eishockey und ist damit genau das, was der frühere Parteichef Kurt Beck gerne so beschrieb: nah bei de Leut´.

    Dass dieser sonst eher mit gebremstem Temperament auftretende Mann trotzdem keinen Konflikt scheut, zeigt die aktuelle Tarifrunde, seine erste als Gewerkschaftschef. Mit einer bislang nicht gekannten Härte und Intensität attackiert die EVG die Bahn, deren Personalvorstand Martin Seiler nach der Ankündigung des neuerlichen Warnstreiks bereits in Richtung Burkert tobte: "Das ist quasi ein Vollstreik ohne Urabstimmung. Millionen Reisende kommen nicht dahin, wo sie hinwollen, zur Schule, zur Arbeit, zu ihren Lieben." Für Burkert und seinen Verhandlungsführer Kristian Loroch allerdings hat die Bahn bisher nur "Scheinangebote" vorgelegt, über die es sich nicht weiter zu verhandeln lohne. Unter anderem monieren sie, dass die Beschäftigten in den unteren Lohngruppen systematisch benachteiligt würden. 

    2022 wurde Burkert zum Chef der EVG, er ist ein bestens vernetzter Funktionär

    Burkert selbst hat sich mit öffentlichen Auftritten zuletzt zurückgehalten und die Bühne seiner Stellvertreterin Cosima Ingenschay und dem Chefunterhändler Loroch überlassen. Die Strategie hinter dem Arbeitskampf allerdings ist seine: In einer Branche, in der lange Zeit vor allem die streitbare Spartengewerkschaft der Lokführer den Takt vorzugeben schien, soll die ungleich größere EVG nicht wie ein Nebendarsteller wirken. Mit dem Platzhirsch Deutsche Bahn und Dutzenden privater Bahngesellschaften ist die Branche mit den Jahren unübersichtlicher geworden und auch für die Gewerkschaften schwerer zu bespielen. Auch deshalb, darf man annehmen, wurde Burkert im Oktober vergangenen Jahres vom stellvertretenden Vorsitzenden der EVG zu deren Chef befördert – ein tüchtiger, bestens vernetzter Funktionär, der schon früh Jugend- und Auszubildendenvertreter in der DB-Zentrale in Frankfurt war, dann Gewerkschaftssekretär in Nürnberg und auch als Bahn-Beauftragter der SPD-Fraktion seinem Lebensthema treu blieb, indem er ein "langfristiges Managementversagen" bei der Bahn kritisierte, die unnötig hohe Zahl an Führungskräften monierte und am Ende zu einem für einen Verkehrspolitiker ernüchternden Ergebnis kam: "Die Bahn ist überhaupt nicht steuerbar." 

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