Seit dem Atomausstieg werden die deutschen Kernkraftwerke Stück für Stück zurückgebaut. Das augenfälligste Zeichen dafür ist die Sprengung der Kühltürme. Nachdem die Türme in Grafenrheinfeld bereits in Schutt und Staub aufgingen, sollen an diesem Samstag die Türme in Gundremmingen fallen. Die radioaktiven Stoffe aus der Betriebszeit sind aber längst nicht aus der Welt. Ein Überblick, wie es mit Ihnen weitergeht.
Fallen bei der Sprengung von Kühltürmen radioaktiv belastete Materialien an?
Nach der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke in Deutschland befinden sich inzwischen alle 33 ehemals betriebenen Reaktoren in Stilllegung, berichtet das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE). Die Sprengung von Kühltürmen ist ein eindrucksvolles Erlebnis, es geht hier allerdings eher um die harmlosen Stoffe. „Eine radiologische Belastung der Kühltürme ist aus anlagentechnischen Aspekten auszuschließen“, berichtet das Bundesamt. Im Falle von Gundremmingen ergibt sich dies aus der Konstruktion: „Der zur erforderlichen Kondensation des Dampfes eingesetzte Kühlwasserkreislauf – zu dem auch die Kühltürme gehören – ist ein getrenntes System, das aufgrund seiner technischen Auslegung nicht mit radioaktiv beaufschlagten Medien in Kontakt kommt.“ Der Stahlbeton soll vor Ort zerkleinert und wiederverwertet werden.
Welche Mengen radioaktiver Materialien fallen beim Abriss eines Atomkraftwerks an?
Der Rückbau eines Kraftwerks führt zu großen Mengen Abbruchmaterial. Im Fall von Gundremmingen beziffert es das Bundesamt auf rund 830.000 Tonnen. Im Kraftwerk war ein Siedewasserreaktor im Einsatz. Bei solchen Reaktoren geht man davon aus, dass rund 55 Prozent der Masse auf den Kontrollbereich entfallen, also den Bereich, in dem es zu einer erhöhten Strahlung kommen kann. Diese Materialien werden radiologisch charakterisiert, gegebenenfalls dekontaminiert und bewertet, berichtet das Bundesamt. Der überwiegende Teil – rund 98 Prozent der Kontrollbereichsmasse – könne danach konventionell verwertet oder entsorgt werden. Es blieben aber rund zwei Prozent oder 4000 Tonnen radioaktive Abfälle, die erst zwischengelagert und anschließend in ein Endlager gebracht werden. Für schwach- und mittelradioaktive Stoffe entsteht derzeit das Endlager „Schacht Konrad“. Ein Endlager für hochradioaktive Abfälle wird gesucht.
Ist die Sicherheit im Umgang mit den radioaktiven Abbruchmaterialien aus dem restlichen Reaktorgebäude gewährleistet?
„Alle Arbeiten erfolgen unter behördlicher Aufsicht und unter Beteiligung beauftragter Sachverständiger, um einen sicheren Umgang mit den Materialien und den Schutz von Mensch und Umwelt vor radiologischen Gefährdungen zu gewährleisten“, verspricht das Bundesamt. Radioaktive Abfälle würden deklariert, verpackt und zwischengelagert, bis sie an ein Endlager abgegeben werden können. Denn: „Erst wenn alle radioaktiven Abfälle in Endlagern sicher abgeschirmt wurden, sind Mensch und Umwelt in Deutschland dauerhaft geschützt“, sagt BASE-Präsident Christian Kühn.
Es bleiben auch die Brennstäbe als hochradioaktives Material zurück. Über welche Mengen reden wir hier?
Die abgebrannten Brennstäbe stellen die gefährlichsten Hinterlassenschaften dar. Von ihnen geht über Jahrtausende hochradioaktive Strahlung aus. Die Brennstäbe werden in meterhohen Castor-Behältern abgeschirmt. Früheren Angaben des Bundesamtes zufolge werden es am Ende rund 1750 Castor-Behälter sein, für die ein Endlager gesucht werden muss. Derzeit befinden sich die Behälter bundesweit in 16 oberirdischen Zwischenlagern - im Regelfall in der Nähe der alten Kraftwerke. In Gundremmingen sind nach Angaben des Bundesamtes derzeit 152 Stellplätze mit Castoren belegt. In Grafenrheinfeld stehen 54 Castoren.
Wo sollen die hochradioaktiven Materialien eines Tages gelagert werden?
Die Suche nach einem Endlager läuft. Das Endlager soll die hochradioaktiven Stoffe dauerhaft von der Umwelt abschließen und deshalb tief im Untergrund liegen. Die Anforderung lautet, dass es Sicherheit für eine Million Jahre bieten muss. Mehrere Gesteine kommen als Lagerort infrage. Tongestein, das es vor allem in Norddeutschland und in der Gegend zwischen Ulm und Stuttgart gibt. Steinsalz, das sich vorwiegend in der Mitte Deutschlands findet. Und Granit, der hauptsächlich im Süden Deutschlands ist.
Wie ist der Stand der Dinge auf der Suche nach einem Endager?
Die Suche hat mit einer weißen Landkarte begonnen, inzwischen sind aber mehrere Gebiete ausgeschlossen worden. Am 3. November will die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) die Gebiete weiter eingrenzen. Ende 2027 sollen dann die Standortregionen vorgeschlagen werden, die übertägig erkundet werden. Trotzdem zeichnet sich ab, dass sich das Verfahren länger hinziehen wird: Hatte man ursprünglich das Ziel, bis 2031 einen Standort zu finden, hofft man inzwischen, dies bis 2046 zu schaffen. Mit Genehmigung, Bau und Einlagerung dürfte es bis ins nächste Jahrhundert dauern, bis der hoch radioaktive Atommüll unter der Erde ist.
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