Ob Handy, Windkraftanlage oder Elektroauto – ohne Industriemetalle und seltene Erden würde die moderne Welt kaum funktionieren. Diese unverzichtbaren Grundstoffe treiben die Elektrifizierung und Digitalisierung voran, doch sie werden immer teurer. Der gravierende Preisanstieg sowie die Abhängigkeiten von Zulieferstaaten schaffen neue Herausforderungen für viele ohnehin gebeutelte Unternehmen.
Als Reaktion auf die von US-Präsident Trump verhängten Zölle schränkte China seine Exporte seltener Erden ein. Das Problem: China verarbeitet etwa 90 Prozent der seltenen Erden und ist somit nahezu der einzige Lieferant. Gestiegene Preise und Engpässe auch in Europa sind die Folge. Darunter leidet besonders die Metall- und Elektroindustrie. Denn seltene Erden werden unter anderem für die Herstellung von Batterien, Halbleitern, Windturbinen, Digitaltechnologien, Robotik, Elektromotoren und Brennstoffzellen verwendet.
Rohstoffpreise fast verdoppelt: Industriemetalle und seltene Erden betroffen
Wie stark die Preise gestiegen sind, zeigt auch eine Auswertung der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw), die unserer Redaktion vorab vorlag. Demnach sind etwa die Preise der seltenen Erden Samarium, Praseodym und Neodym im Vergleich zum Vorjahr zwischen 23 und 25 Prozent gestiegen. Aber auch die Preise für Industriemetalle sind weiter im Aufwind. Laut vbw sind neben Kupfer, Aluminium und Lithium hauptsächlich Kobalt und Wolfram betroffen, sie kosten teils doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.
Besonders besorgniserregend für die Betriebe ist, dass der Trend nun schon über sechs Jahre anhält. Gegenüber dem Durchschnitt des Vor-Corona-Jahres 2019 liegt der Preisindex um fast die Hälfte (48,1 Prozent) höher. Kritisch betrachtet vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt die angedrohten Exportbeschränkungen Chinas: „Sie sorgen für eine große Unruhe und Unsicherheit am Markt und sind eine Bedrohung für unsere Betriebe.“ Die für Elektronik-, Auto- und Rüstungsproduktion wichtigen Metalle würden zudem oft mit Verspätung und in geringeren Mengen geliefert werden. Das wiederum habe steigende Einkaufspreise für Kundinnen und Kunden, weitere Verzögerungen oder sogar Produktionsstopps zur Folge, so Brossardt.
Preissteigerung stellt Unternehmen vor Herausforderungen
Die Teuerung betrifft besonders die Metall- und Elektroindustrie. Dazu zählen unter anderem Autohersteller, deren Zulieferer sowie Luftfahrt- und Elektrobetriebe, die tagtäglich mit diesen Rohstoffen arbeiten. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Rohstoffmärkte grundsätzlich volatiler geworden sind“, bestätigt eine Sprecherin von Audi unserer Redaktion. Die robuste Versorgung mit Rohstoffen und Vorprodukten sei für die deutsche Automobilindustrie aber von zentraler Bedeutung. Eine Herausforderung durch die Preissteigerungen sei es, Planungssicherheit zu gewinnen und den Rohstoffbedarf für die Produktion langfristig abzudecken.
Audi setze daher auf langfristige strategische Lösungen mit seinen Partnern und Zulieferern. „Um den Bedarf der Automobilindustrie nach diesen Rohstoffen zu decken und Unabhängigkeiten zu schaffen, ist der Ausbau von Recyclingkapazitäten essenziell für Deutschland und Europa“, erklärt die Sprecherin.
Wirtschaftsverbände schlagen Alarm: „Um Abhängigkeiten zu verhindern, müssen wir dringend neue Märkte erschließen“
Die Wirtschaftsverbände sehen die Politik in der Verantwortung. Angesichts der steigenden Preise sei es dringend notwendig, einen sicheren Bezug von Rohstoffen zu garantieren, so Brossardt: „Um einseitige Abhängigkeiten von einzelnen Lieferländern zu verhindern, müssen wir dringend neue Märkte mit gleichwertigen Wettbewerbsbedingungen erschließen.“
Ohne sichere Rohstoffversorgung droht Deutschland bei wichtigen Zukunftstechnologien seine Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren – dessen ist man sich auch in der Politik bewusst. Auf die erste Rohstoffstrategie der Bundesregierung im Jahr 2010 folgte 2020 die zweite. Mittels 17 Maßnahmen in den Bereichen heimische Rohstoffe, Importe sowie Recycling sollen Antworten auf die Herausforderungen gefunden werden. Dazu zählen neben der Förderung von Rohstoffen in Deutschland und Europa auch die Stärkung der Akzeptanz heimischer Rohstoffgewinnung sowie die Einrichtung eines „Runden Tisches“, um den Einsatz von mineralischen Sekundärrohstoffen aus dem Recycling zu erhöhen. Das mindere die Importabhängigkeit und könne einen essenziellen Beitrag zu einer ressourceneffizienten Industrie leisten, heißt es in der Strategie.
Nils Jansen vom verweist darauf, dass sich die Wettbewerbsbedingungen für energieintensive Unternehmen auch aus anderen Gründen verschlechtert haben. Nicht nur durch steigende Preise, sondern auch zu viel Bürokratie, Fachkräftemangel und schlechte Bedingungen für Unternehmensgründungen bremsen. Er rät, auch an diesen Punkten anzusetzen und so die Standortbedingungen für die betroffenen Branchen zu verbessern.
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