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Zwischen USA und Italien tobt ein Spaghetti-Krieg

Nudelpreise

Zwischen USA und Italien tobt ein Spaghetti-Krieg

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    Eine Schüssel Spaghetti wird in Rom serviert: Italiens Nudelmacher kämpfen gegen 107 Prozent Strafzoll in Amerika.
    Eine Schüssel Spaghetti wird in Rom serviert: Italiens Nudelmacher kämpfen gegen 107 Prozent Strafzoll in Amerika. Foto: Ruth Mata, dpa

    Ein US-Amerikaner verzehrt durchschnittlich neun Kilogramm Pasta im Jahr. Das entspricht zwar nur etwa einem Drittel des Pro-Kopf-Genusses im europäischen Heimatland der Nudel, Italien. Mit insgesamt 2,6 Milliarden Kilogramm in den USA jährlich verzehrten Nudeln handelt es sich dennoch um eine beachtliche auch wirtschaftliche Größe. 

    Mit der „National Pasta Association“ gibt es in den USA sogar einen einflussreichen Interessenverband und einen der ältesten Vereine im Land. Pasta ist nicht teuer, ziemlich schnell gekocht – ebenso schnell verkocht – und schmeckt. Bald könnte es aber ein Ende haben mit italienischer Pasta in den USA. Das Washingtoner Handelsministerium droht wegen angeblichen Preis-Dumpings mit Strafzöllen in Höhe von knapp 107 Prozent. Die Rede ist vom „Nudel-Boykott“.

    Schon vor Donald Trump geriet Italiens Nudelindustrie ins US-Visier

    Hintergrund ist nicht etwa die jüngste Volte des US-Präsidenten Donald Trump, der zwischen Verhandlungen mit Israel und Hamas, Diskussionen mit Wolodymyr Selenskyj und Wladimir Putin auch die Importe italienischer Nudeln im Blick hat. Nein, noch vor Amtsantritt Trumps im Januar 2025 leitete das US-Handelsministerium im August 2024 eine Untersuchung gegen italienische Pasta-Produzenten ein und erhob den Vorwurf des Dumpings.

    Die Hersteller hätten mit besonders niedrigen und unfairen Preisen die US-Konkurrenz ausgebremst.  Die in der „National Pasta Association“ vereinigten US-Hersteller initiierten die Untersuchung, die sich speziell gegen die Produzenten La Molisana und Garofalo richtet, aber Folgen für die meisten der 19 in den USA verkauften italienischen Pasta-Marken hat. 

    Barilla ist von US-Strafzöllen ausgenommen

    Das bekannte Unternehmen Barilla produziert als einziger Hersteller mit einem eigenen Werk in den USA und ist deshalb nicht von den Zöllen betroffen. Das US-Handelsministerium forderte die Firmen La Molisana und Garofalo ausdrücklich zu Stellungnahmen auf. Die Antwort der Hersteller wurde als „ungenügend“ eingeschätzt, ihre Einstellung sei „unkooperativ“. Beide Marken hätten Preisdumping in Höhe von 91,74 Prozent betrieben, um die US-Konkurrenz zu schädigen. Dieser Wert würde demnächst also als Ausgleichszoll auf Pasta-Importe aus Italien aufgeschlagen. 

    Addiert man die seit Juli geltenden US-Strafzölle auf EU-Importe (15 Prozent), könnte italienische Pasta ab Januar 2026 mit knapp 107 Prozent Einfuhrzoll belegt werden. Der Preis für eine Packung Nudeln würde sich damit etwa verdoppeln. Laut US-Handelsministerium könnten künftig alle in die USA importierenden italienischen Pasta-Importeure mit jenen Zöllen belegt werden, nicht nur Garofalo und La Molisana. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

    Italiens Landwirtschaftsverband spricht von Todesstoß für die Pasta

    „Unter dem Deckmantel von Antidumping-Maßnahmen geraten Unternehmen ins Visier, die nicht einmal gründlich kontrolliert wurden“, verteidigt Luigi Scordamaglia, Präsident der Exportvereinigung Filiera Italiana die italienischen Hersteller. „Dadurch wird ein erheblicher Teil der Nudelexporte Italiens in die USA gefährdet.“ Italienische Pasta-Produzenten wären in den USA nicht mehr konkurrenzfähig.

    Der Landwirtschaftsverband Coldiretti spricht gar vom „Todesstoß“ für die Pasta. Die USA importierten 2024 italienische Pasta im Wert von 671 Millionen Euro und sind der zweitgrößte Pasta-Importeur nach der EU. Laut Statistikamt Istat exportierte Italien letztes Jahr Nudeln im Wert von vier Milliarden Euro.

    Bereits seit September bemüht sich das Außenministerium in Rom und versucht zusammen mit der EU-Kommission Druck auf die US-Regierung auszuüben. „Wir müssen die Pasta-Lieferkette sowohl in den USA als auch in Italien verteidigen und fördern, um den Ausverkauf eines unserer wichtigsten Produkte zu verhindern“, mahnte Colidretti-Präsident Ettore Prandini. Die amerikanischen Dumpingvorwürfe seien „inakzeptabel und tragen maßgeblich zu Trumps Plan bei, die Produktion in die USA zu verlagern“.

    Italien will rechtliche Schritte gegen Strafzölle einlegen

    Die betroffenen Nudelproduzenten sind derzeit offenbar nicht bereit, Firmensitze in den USA zu eröffnen, sondern wollen gegen die drohenden Ausgleichszölle klagen. Giuseppe Ferro, Chefon La Molisana, kündigte an, keine Filiale in den USA zu eröffnen, sondern „den eingeschlagenen Rechtsweg fortzusetzen“. Zuvor hatte der Firmenchef gesagt: „Wenn wir nicht mehr exportieren können, werden wir vor Ort produzieren.“

    Für La Molisana machen die Verkäufe in den USA etwa elf Prozent ihres Umsatzes aus. Auch Cosimo Rummo vom Pastahersteller Rummo erklärte, rechtliche Schritte einleiten zu wollen. „Das ist Wahnsinn“, sagte der Firmenchef. Man könne nicht alle Firmen gleich behandeln. „Wir verkaufen 454 Gramm Pasta für 4,50 Euro“, sagte Rummo. „Wo ist hier bitteschön das Dumping?“

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