Startseite
Icon Pfeil nach unten
Geld & Leben
Icon Pfeil nach unten

Bertelsmann Studie: Kinder schlucken viel zu oft Antibiotika

Bertelsmann Studie

Kinder schlucken viel zu oft Antibiotika

  • |
  • |
  • |
    Jedem zweiten Kind zwischen drei und sechs Jahren wird mindestens ein Antibiotikum pro Jahr verschrieben - das ist deutlich mehr als bei Erwachsenen.
    Jedem zweiten Kind zwischen drei und sechs Jahren wird mindestens ein Antibiotikum pro Jahr verschrieben - das ist deutlich mehr als bei Erwachsenen. Foto: dpa

    Viele deutsche Kinder müssen offensichtlich unnötig Antibiotika schlucken. Ganz einfach deshalb, weil es in der Nähe keinen Kinderarzt gibt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die am Mittwoch in Gütersloh veröffentlicht wurde.

    Jedes zweite Kind bekommt einmal pro Jahr Antibiotika

    Bundesweit werde jedem zweiten Kind zwischen drei und sechs Jahren mindestens ein Antibiotikum pro Jahr verschrieben - deutlich mehr als Erwachsenen.

    Ob ein Antibiotikum an Kinder verschrieben wird, ist demnach auch vom Wohnort abhängig: Kinder im Nordosten erhielten doppelt so häufig Antibiotika wie Kinder in Süddeutschland. "Die Erklärung scheint zu sein, dass Antibiotika häufiger Kindern verordnet werden, wo weniger Kinderärzte niedergelassen sind", sagte Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands.

    Kinderärzte könne die Beschwerden besser einschätzen

    Hartmann sieht von der Studie bestätigt, dass Kinder weniger Antibiotika bekommen, wenn Kinder- und Jugendärzte für die Behandlung zuständig sind. "Sie wissen zum Beispiel, dass bei einer nicht eitrigen Mittelohrentzündung Antibiotika nur in Ausnahmefällen angezeigt sind", sagte Hartmann. "Zudem kennen sie ihre jungen Patienten oft von Geburt an und können Beschwerden besser einschätzen als andere Fachgruppen, zu denen die Kinder und Jugendlichen nur in Ausnahmefällen gehen, und die sie dann aufgrund des hohen Drucks, viele Patienten in kurzer Zeit zu behandeln, schnell mit einem Antibiotikum versorgen." Bei Mittelohrentzündung seien ein entzündungshemmendes Schmerzmittel und bewährte Hausmittel besser.

    "Bei nicht eitrigen Mittelohrentzündungen, bei denen Antibiotika laut Leitlinien nur in Ausnahmefällen angezeigt sind, verordneten 33 Prozent der Hausärzte Antibiotika, aber nur 17 Prozent der Kinderärzte und 9 Prozent der HNO-Ärzte", erläuterte Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte bei der Bertelsmann Stiftung. (daam, dpa)

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden