Startseite
Icon Pfeil nach unten
Geld & Leben
Icon Pfeil nach unten

Demenz: Forscher hoffen auf neue Therapie für Alzheimer

Demenz

Forscher hoffen auf neue Therapie für Alzheimer

  • |
  • |
  • |
    Professor Jens Pahnke hofft auf einen Durchbruch bei der Therapie von Alzheimer-Patienten.
    Professor Jens Pahnke hofft auf einen Durchbruch bei der Therapie von Alzheimer-Patienten. Foto: Uni Rostock

    Über 100 Millionen Menschen werden im Jahr 2050 an Alzheimer erkranken - für viele ein Schreckenszenario. Warum die Krankheit ausbricht, ist bis heute in den meisten Fällen ungeklärt.

    Leipziger Mediziner haben jetzt genau beobachtet, wie schädliche Eiweiße über Nervenfasern in den sogenannten Hippocampus gelangen. Diese Region spielt im Hirn eine zentrale Rolle für die Gedächtnis-Bildung. Die Entstehung der Alzheimer-Erkrankung könnte Rostocker Forschern zufolge stark mit einem fehlerhaften Abtransport des Alzheimer-Eiweißes zusammenhängen.

    Eine Studie mit genmanipulierten Mäusen zeige, dass ein Defekt beim sogenannten Transporter ABCC1 einen zwölffachen Anstieg der schädlichen Alzheimer-Peptide (Amyloide) im Gehirn zur Folge habe, berichten sie im US-Fachblatt "The Journal of Clinical Investigation" vom Donnerstag.

    Nach Angaben des Rostocker Forschungsleiters Jens Pahnke ließ sich zudem mit dem bereits seit Jahrzehnten bekannten Arzneistoff Thiethylperazin die Menge der Alzheimer-Eiweiße innerhalb von 25 Tagen um rund 70 Prozent senken. Es sei somit das erste Mal gelungen, die Funktion des ABCC1-Transporters für die Alzheimer-Demenz aufzudecken und auch medikamentös zu beeinflussen. Es gelte nun, dieses Medikament weiterzuentwickeln. Pahnke ging davon aus, dass bis zum Einsatz noch weitere fünf Jahre vergehen könnten.

    Bisher keine Behandlung gegen die Demenz bekannt

    "Bei jedem Menschen bilden sich im Gehirn als normaler Vorgang des Alterns die giftigen Stoffe, aus denen die Alzheimer-Plaques bestehen", sagte Pahnke. Bei gesunden Menschen klappt jedoch der Abtransport aus dem Gehirn. Das Resultat der Ablagerungen sei das Absterben der Nervenzellen und somit die Entwicklung einer Demenz. "Wie diese Kaskade bei 99 Prozent der Alzheimer-Patienten funktioniert, ist völlig unbekannt. Nur bei den wenigen familiären Alzheimer-Fällen kennen wir die Ursachen", sagte Pahnke. Bislang seien keine Behandlungsmöglichkeiten bekanntgewesen, die das Erkrankungsalter oder den Verlauf signifikant beeinflussen können.

    Derzeit suche das 20-köpfige Forscherteam deutschlandweit Patienten, um die Funktion des neuen Transporters besser bestimmen zu können. Es sei bekannt, dass dessen Funktion durch Lebensmittel, Medikamente oder andere Umwelteinflüsse zu beeinflussen sei. Dafür suchen die Rostocker insbesondere ältere Ehepaare, bei denen ein Partner unter Alzheimer leidet.

    "Wichtiger Schritt auf dem Weg zur Alzheimer-Therapie"

    Nach Worten von Wolfgang Härtig, Alzheimer-Experte von der Universitätsklinik Leipzig, ist die Arbeit Pahnkes ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Alzheimer-Therapie. Zwar seien in den vergangenen Jahren die Möglichkeiten der Diagnose enorm fortgeschritten, bei der Behandlung gebe es aber Stagnation. Die bisherigen Arzneimittel wirkten nicht bei allen Patienten und dann auch nicht länger als ein Jahr. "Jede neue Idee wie die von Pahnke ist da extrem willkommen", sagte Härtig.

    Das Team um Prof. Steffen Roßner von der Universität Leipzig stellte einen Weg vor, wie die bösartigen Proteine über Nervenfasern in den Hippocampus gelangen können. "Wir haben die Transportprozesse in Echtzeit beobachtet", erklärte Roßner nach einer Pressemitteilung der Universität Leipzig. Zudem spiele das Enzym Glutaminyl-Zyklase eine Rolle bei der Krankheitsentstehung. "Es ist das erste Mal, dass im Gehirn von Alzheimer-Patienten der Zusammenhang zwischen diesem Enzym und dem bösartigen Amyloid nachgewiesen wurde", sagte der Hirnforscher. Nun teste sein Team in Zusammenarbeit mit der Hallenser Firma Probiodrug Wirkstoffe, die das Enzym einmal hemmen sollen. dpa, AZ

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden