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Diagnose: Jedes dritte Kind hat eine Sprachstörung

Diagnose

Jedes dritte Kind hat eine Sprachstörung

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    Immer mehr Kinder leiden unter Sprachstörung.
    Immer mehr Kinder leiden unter Sprachstörung.

    Der Barmer-Report ist alarmierend. Demnach leidet jedes dritte Kind im Vorschulalter an einer Sprachstörung. Insgesamt sind in Deutschland 1,1 Millionen Kinder von Sprachstörungen betroffen. Wie aus dem "Arztreport 2012" der Barmer GEK hervorgeht, werden Sprachstörungen durchschnittlich bei jedem zehnten Kind unter 14 Jahren festgestellt. Bei Kindern im Vorschulalter ist sogar jedes dritte Kind von den Entwicklungsstörungen betroffen. Der Anteil der Jungen ist laut dem Report dabei am höchsten. So wurde die Diagnose bei rund 38 Prozent  der sechsjährigen Jungen und bei 30 Prozent der gleichaltrigen  Mädchen gestellt.

    Sprachstörungen bei Kindern

    Ein Grund für die "auffällig hohen Diagnoseraten"  sei die verstärkte Aufmerksamkeit und Sensibilität von Eltern,  Erziehern und Ärzte, erklärte der Vizechef der Barmer GEK,  Rolf-Ulrich Schlenker. Zudem handele es sich bei den Sprech- und  Sprachstörungen ähnlich wie beim Burnout um ein schwer  eingrenzbares Krankheitsbild. Unterschiede zeigen sich bei der Behandlung. Während  laut Studie 20 Prozent der fünfjährigen Jungen eine Therapie beim  Logopäden verordnet wird, sind dies bei den gleichaltrigen Mädchen  nur 14 Prozent.

    Auch Thomas Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie  und Gesundheitssystemforschung (ISEG), das die Studie erstellt hat,  sieht "Abgrenzungsprobleme". In der ärztlichen Praxis fehle es zum  Teil noch an geeigneten, einheitlichen Diagnosekriterien, betonte  er.

    "Neue" Kinderkrankheit auf dem Vormarsch

    Mit der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist  laut Arztreport eine weitere "neue" Kinderkrankheit auf dem  Vormarsch. Schätzungen zufolge sind rund 500.000 Kinder und Jugendliche in  Deutschland von ADHS betroffen, Jungen dabei drei- bis viermal so  häufig wie Mädchen. Viele bekommen Medikamente, die aber wegen der  Nebenwirkungen umstritten sind. Mittlerweile gehe jeder zehnte neunjährige Junge zum  Neurologen oder Psychiater, 60 Prozent davon mit der Diagnose ADHS.  Bei den neunjährigen Mädchen werden demnach sechs Prozent  behandelt, davon rund 40 Prozent mit ADHS-Diagnose. Hier stelle  sich die Frage, ob immer die richtigen Kinder eine individuelle  ADHS-Therapie und rechtzeitige Sprachförderung bekämen oder doch  "diejenigen, deren Eltern diese Versorgung einfordern", gab  Schlenker zu bedenken.

    Auffälliges Stadt-Land-Gefälle

    Insgesamt sieht die Studie bei der kinderärztlichen Versorgung  "keine gravierenden Lücken". Innerhalb der ersten sechs Lebensjahre  haben demnach jährlich 89 Prozent der Kinder ambulanten Kontakt zu  einem Kinderarzt. Es gebe gleichwohl ein auffälliges  Stadt-Land-Gefälle. Während etwa in Bremen drei Prozent der Kinder  keinen Kontakt zum Kinderarzt haben, sind dies in  Mecklenburg-Vorpommern fast 16 Prozent. Offenbar werde in dünner  besiedelten Regionen mit Kindern sehr viel häufiger der Hausarzt  aufgesucht als in den Städten.

    Für die Studie wertete das ISEG die Daten der Barmer GEK zu mehr  als acht Millionen Versicherten aus, darunter mehr als eine Million  Kinder. afp/AZ

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