Ihre Namen klingen ganz drollig: Gewehrkugelameise. Könnte die Erfindung eines Comiczeichners sein, der seinen Bösewicht mit diesen Insekten schießen lässt statt mit echten Kugeln, denkt man sich. Noch ein komischer Name: 24-Stunden-Ameise. Vielleicht, weil sie nur ungefähr einen Tag lang lebt, wie man es Eintagsfliegen nachsagt?
Stimmt leider alles nicht. Die Paraponera clavata, so die wissenschaftliche Bezeichnung, verdankt ihre diversen Namen vor allem den Schmerzen, die ihr Stich verursacht. Schmerzen, „als würde man bei lebendigem Leib verbrennen“, wie es Menschen beschreiben, die es mal erlebt haben. Schmerzen, als würde man von einer Gewehrkugel getroffen. Schmerzen, die erst nach 24 Stunden wieder abebben. Auf einer Schmerzskala von 1 bis 4+ des US-Forschers Justin O. Schmidt liegt der Stich bei 4+. Es ist der schmerzhafteste Insektenstich überhaupt.
Dass die Gewehrkugelameise bis zu 2,5 Zentimeter lang wird, nicht nur an Bäumen Nester baut, sondern auch deren Äste besiedelt und außerdem kreischen kann, macht sie nicht unbedingt weniger gruselig. Man stelle sich folgende Situation vor: Bei einem sonntäglichen Waldspaziergang hört man plötzlich ein Kreischen von oben, und ehe man sich versieht, fallen einem Riesenameisen in den Nacken, krabbeln unter die Kleidung, stechen zu und versauen einem nicht nur den Sonntag, sondern den Montag gleich mit.
Zum Glück hat die Ameise noch einen weiteren Namen, nämlich „tropische Riesenameise“. Und sie ist vor allem eines: in tropischen Regenwäldern Süd- und Mittelamerikas zu finden, also ganz weit weg. Während es für Heranwachsende in den meisten Ländern der Erde reicht, einfach 18 Jahre oder manchmal auch 21 zu werden, um als Mann zu gelten, herrscht in einem Stamm dort ein anderer Ritus: Junge Männer müssen ihre Hände in aus Blättern gefertigte Handschuhe voller aggressiver Gewehrkugelameisen stecken und sie zehn Minuten drin lassen, erst dann gelten sie als erwachsen. Das nachzumachen, wäre für Touristen eher eine schlechte Idee: Das Nervengift, das die Ameisen absondern, hinterlässt zwar keine bleibenden Schäden im Gewebe, kann aber wie viele Insektenstiche für Allergiker tödlich sein.
Und außerdem tut es höllisch weh.