Das norwegische Nobelpreis-Komitee sprach den renommierten Preis am Freitag der liberianischen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf, der liberianischen Aktivistin Leymah Gbowee und der jemenitischen Journalistin Tawakkul Karman zu. Die Drei erhalten den Preis "für ihren gewaltfreien Kampf für die Sicherheit von Frauen und für die Rechte von Frauen für volle Teilnahme an friedensbildender Arbeit".
Die Wirtschaftswissenschaftlerin Johnson Sirleaf wurde 2005 zur Präsidentin Liberias gewählt und war damit die erste demokratisch bestimmte Staatschefin Afrikas. Sie galt als Erneuerin und Friedensstifterin zum Zeitpunkt ihres Amtsantritts. Vor den in diesem Monat anstehenden Wahlen kamen jedoch Wahlfälschungsvorwürfen der Opposition auf. Johnson Sirleafs Lager wies die Anschuldigungen aber zurück.
Die Lage in Liberia gilt auch acht Jahre nach dem Bürgerkrieg als äußerst kritisch
In Liberia tobte bis 2003 ein blutiger Bürgerkrieg. Auch nach dem Ende der Kampfhandlungen gilt die Lage in dem westafrikanischen Land als äußerst angespannt und UN-Blauhelme überwachen noch immer den fragilen Frieden.
Die liberianische Friedensaktivistin Gbowee gründete eine Organisation christlicher und muslimischer Frauen, die sich gegen die Kriegsherren im Bürgerkrieg richtete. Für ihren Einsatz für Frauenrechte wurde sie bereits 2009 mit dem sogenannten Profile in Courage Award ausgezeichnet.
Ethnische und religiöse Grenzen überwunden
Die Preisträgerinnen habe Frauen "über ethnische und religiöse Grenzen hinweg zusammengebracht, um den langen Krieg in Liberia zu beenden und Frauen die Teilnahme an Wahlen zu ermöglichen", teilte das Nobelpreis-Komitee mit.
"Ich kenne Leymah als eine Kriegerin, die sich hervorwagt, wo andere sich nicht trauen würden", sagte Gbowees Assistentin Bertha Amanor. "So fair und geradeheraus - und ein sehr netter Mensch."
Die 32-jährige Jemenitin Karman ist Vorsitzende der Organisation Journalistinnen ohne Ketten. Sie gilt als führende Persönlichkeit der seit Januar andauernden Proteste gegen Präsident Ali Abdullah Saleh. "Ich bin sehr froh über diesen Preis", sagte die dreifache Mutter der Nachrichtenagentur AP am Freitag. "Ich widme diesen Preis der revolutionären Jugend im Jemen und dem jemenitischen Volk."
"Mutter der Revolution" bietet jemenitischem Präsident Saleh die Stirn
Beobachter werteten die Auszeichnung Karmans als Anerkennung der zahlreichen Aktivisten des sogenannten Arabischen Frühlings. Seit Anfang des Jahres hatte eine Protestwelle die Regime in Tunesien, Ägypten und Libyen gestürzt. Jedoch halten sich weiterhin die autoritären Regierungen in Jemen und Syrien an der Macht.
Im Jemen nennen die Demonstraten sie "Eiserne Frau" und "Geist der jemenitischen Revolution" Ihre Entschlossenheit hat die streitbare Journalistin immer wieder unter Beweis gestellt. "Wir werden für die Würde des Volkes eintreten und sein Recht, die Regierung zu stürzen", sagte Karman der AP während einer Demonstration im Februar.
Der Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees, Thorbjörn Jagland, hob hervor, dass sich Karman bereits lange vor Beginn des Arabischen Frühlings für Bürgerrechte engagiert hatte. "Viele Jahre vor Beginn der Revolution hat sie sich gegen eines der autoritärsten Regime der Welt erhoben", so Jagland.
Das Nobelpreis-Komitee betonte in seiner Begründung die tragende Rolle der Frauen in gesellschaftlichen Reformprozessen. "Wir können keine Demokratie und dauerhaften Frieden in der Welt erreichen, wenn Frauen nicht die gleichen Möglichkeiten wie Männer haben, um die Entwicklungen auf allen Ebenen der Gesellschaft zu beeinflussen", hieß es in einer Stellungnahme. dapd/AZ
Johnson Sirleaf ist "überwältigt" vom Friedensnobelpreis
Die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf hat den ihr zuerkannten Friedensnobelpreis als "riesige Überraschung" bezeichnet. In einem Telefon-Interview mit dem norwegischen Rundfunksender NRK sagte die 72-Jährige am Freitag: "Ach! Ich bin so überwältigt und aufgeregt, dass mir die Worte fehlen."
"Ich habe nie geglaubt, dass ich diesen Preis bekommen würde. Es gibt so viele Menschen, die ihn verdient haben", sagte Johnson-Sirleaf. "Für mich ist er die Anerkennung für sehr viele Jahre voller Kampf." Der Preis sei auch "wunderbarer Ausdruck für die Hoffnung auf ein neues Liberia."
Über Gbowee sagte die Präsidentin: "Viel von der Ehre dieses Preises gehört ihr und den anderen liberianischen Frauen, die die Diktatur herausgefordert haben." Die mitausgezeichnete Karman sagte dem Nachrichtensender Al-Arabija: "Diese Ehrung wird den Kampf für Gerechtigkeit und Reformen vorantreiben."
Der jemenitische Menschenrechtsanwalt Chalid al-Ansi, ein früherer Weggefährte der Journalistin, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir freuen uns sehr - Gott sei Dank. Denn Tawakul Karman ist eine Freundin, die wir sehr schätzen, und eine Kämpferin. Diese Auszeichnung ist wie eine Auszeichnung für alle Menschenrechtsverteidiger, denn sie war bei allen unseren Protestaktionen dabei." dapd/dpa/AZ