Immer mehr schwere Darminfektionen durch den als gefährlich eingestuften EHEC-Erreger werden in Norddeutschland festgestellt. Doch auch in Hessen wurde das gefährliche Darmbakterium jetzt nachgewiesen.
In Deutschland haben sich gut 80 Personen mit dem lebensgefährlichen Darmkeim EHEC angesteckt. Das Bakterium, das Durchfalll auslöst, breitet sich rasant aus und ruft schwere Krankheiten mit Nierenleiden hervor. Viele Erkrankte müssen deshalb auf die Intensivstation liegen. Experten suchen unter hohem Zeitdruck nach der Quelle. "Wir haben eindeutig eine ungewöhnliche Situation", erklärte der Epidemiologe Gérard Krause vom Robert Koch-Institut.
Suche nach der Quelle des EHEC-Erregers
In Niedersachsen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 25 Betroffene registriert. Hamburg hat 13 Erkrankte gemeldet, das Kieler Gesundheitsministerium geht für Schleswig-Holstein von etwa 20 Fällen aus. Auch Kliniken in Bremen registrierten eine Häufung von EHEC-Infektionen. Allein in Bremerhaven würden derzeit etwa 20 Fälle behandelt, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums.
Auch im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern gibt es jetzt vier Verdachtsfälle auf Infektionen mit dem lebensgefährlichen Darm-Bakterium EHEC. Das teilte die Sprecherin des Landesamt für Gesundheit und Soziales, Anja Neutzling, am Sonntagabend in Rostock mit. Drei der vier Patienten würden in der Uniklinik Rostock behandelt. Auch in anderen Bundesländern gibt es Dutzende Verdachtsfälle. Das Durchfall-Bakterium breitet sich schnell aus und ruft außergewöhnlich schwere Krankheitsfälle mit Nierenleiden hervor.
Drei Fälle von EHEC in Hessen
Auch in im Süden, in Hessen, könnten sich mehr als ein Dutzend Menschen mit dem lebensgefährlichen Darmkeim EHEC infiziert haben. Es gebe in Frankfurt und Darmstadt je acht bestätigte Verdachtsfälle, sagte am Sonntag eine Sprecherin des hessischen Gesundheitsministeriums auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Das Durchfall-Bakterium ruft außergewöhnlich schwere Krankheitsfälle mit Nierenleiden hervor. Die 16 Menschen werden in Krankenhäusern behandelt. Der Erreger sei aber nicht hochansteckend, betonte die Sprecherin. "Die Ursache ist noch unklar. Aber es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung."
Die EHEC-Keime (Enterohämorrhagische Escherichia coli) hatten sich vor allem im Norden Deutschlands ausgebreitet. In Niedersachsen und Bremen sind inzwischen fast 25 Verdachtsfälle gemeldet, in Schleswig-Holstein und Hamburg jeweils rund 20. Nach Angaben des Robert Koch-Institut (RKI/Berlin) könnte der Erreger von rohem Gemüse übertragen worden sein und nicht wie oftmals von rohem Fleisch oder Rohmilch. Die Symptome der Patienten seien ungewöhnlich schwer.
Wer ist durch EHEC-Erkrankungen besonders gefährdet?
Einer Studie des Robert Koch-Instituts zufolge birgt bei Kindern unter drei Jahren der direkte Kontakt zu einem Wiederkäuer (Rind, Schaf oder Ziege) das höchste Erkrankungsrisiko. Weitere Risikofaktoren sind der Studie zufolge der Konsum von Rohmilch und das Vorkommen von Durchfall bei Familienmitgliedern. Bei Kindern über neun Jahren und Erwachsenen hingegen handle es sich wahrscheinlich in erster Linie um eine lebensmittelbedingte Erkrankung. Größtes Risiko sei hier wohl der Verzehr von Lammfleisch oder streichfähigen Rohwürsten wie Zwiebelmettwurst, Streichmettwurst oder Teewurst. dpa/AZ/dapd
Alle Fragen und Antworten zum Thema finden Sie hier.