Auch bei der Reaktion auf Grippe-Impfungen gibt es den kleinen Unterschied: Das Immunsystem von Frauen reagiert stärker als das von Männern. Der Grund dafür sind einer neuen Studie zufolge Gene, deren Aktivität wahrscheinlich durch das männliche Geschlechtshormon Testosteron beeinflusst wird.
Das Team um Mark Davis von der Stanford-Universität in Kalifornien untersuchte die Reaktionen von 53 Frauen und 34 Männern unterschiedlichen Alters auf die üblichen Grippe-Impfungen. Über die Ergebnisse berichten die Forscher in den "Proceedings" der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").
Impfungen: Mehr Nebenwirkungen beim Männern
Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Wirksamkeit und auch die Nebenwirkungen von Impfungen bei Frauen und Männern unterschiedlich ausfallen können. Dabei waren zum Beispiel Vakzine gegen Grippe, Gelbfieber, Masern und Mumps untersucht worden.
Das müssen Sie über Grippe wissen
Grippe oder Influenza ist mehr als eine ganz normale Erkältung.
Eine normale Erkältung - oder eben grippaler Infekt - äußert sich durch Husten, Schnupfen, Müdigkeit, Kopfschmerzen und leichtem Fieber.
Gewöhnlich ist eine Erkältung nach etwa einer Woche wieder verschwunden.
Von einer echten Grippe spricht man dann, wenn die Erkrankung durch das Influenza-Virus ausgelöst wurde.
Übertragen wird das Grippevirus von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion.
Typisch für eine Influenza ist - im Vergleich zu einer gewöhnlichen Erkältung zum Beispiel - der plötzliche Beginn mit schwerem Krankheitsgefühl und hohem Fieber.
Grippewellen kursieren in der Regel acht bis zehn Wochen lang.
In Deutschland sterben jährlich mehrere Tausend Menschen an Influenza.
Im Winter sind Grippeviren noch aggressiver als sonst: "Influenzaviren sind besonders stabil, wenn es kalt und trocken ist", sagt Glasmacher.
Gegen die echte Influenza kann man sich impfen lassen. Weil sich die Viren ändern, muss man den Impfschutz aber jedes Jahr erneuern
Antibiotika helfen übrigens nicht gegen eine Grippe. Denn sie können nur Bakterien bekämpfen, nicht aber Viren.
Der neuen Studie zufolge produzierten die Frauen als Reaktion auf die Grippe-Impfung mehr Antikörper und auch mehr Zytokine. Das sind Eiweiße, die ebenfalls eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen. Am deutlichsten waren die Unterschiede beim Impfstoff gegen den aggressiven Grippe-Erreger H3N2.
Testosteron hat Einfluss auf Immunsystem
Die Wissenschaftler konnten die unterschiedliche Reaktion auf eine Gruppe von Genen zurückzuführen, die mit Fett-Stoffwechsel zu tun hat, aber auch bekannt dafür ist, an einer verminderten Immunantwort beteiligt zu sein. Diese Gene reagieren verstärkt auf das männliche Sexualhormon Testosteron, wie die Autoren schreiben. Dazu passe, dass in den Versuchen Männern mit erhöhtem Testosteronspiegel eine schwächere Immunantwort auf die Grippe-Impfungen zeigten.
Frauen hätten allgemein eine stärkere Reaktion als Männer, aber die Ursache sei bisher unklar gewesen, schreiben die Forscher. Testosteron als Immundämpfer bei Männern könnte in der Entwicklungsgeschichte eventuell Vorteile geboten haben, spekuliert Davis: Es könnte das Immunsystem der häufig von Verletzungen und Infektionen bedrohten Männer vor Überreaktionen bewahrt haben.
Robert-Koch-Institut: Grippewelle hat noch nicht begonnen
In Deutschland hat nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) die Grippewelle noch nicht begonnen. "Die Impfung lohnt sich noch", sagte RKI-Pressesprecherin Susanne Glasmacher. "Es dauert etwa zwei Wochen, bis der Schutz aufgebaut ist." Die Ständige Impfkommission am RKI empfiehlt die Impfung grundsätzlich allen Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Kranken sowie Bewohnern von Alters- oder Pflegeheimen. Auch medizinisches Personal sollte sich impfen lassen. dpa/AZ