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Laktose-Intoleranz und Kreislaufprobleme: Ötzi litt an modernen Zivilisationskrankheiten

Laktose-Intoleranz und Kreislaufprobleme

Ötzi litt an modernen Zivilisationskrankheiten

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    Ötzi litt an Laktose-Intoleranz und hatte Verwandte auf Sardinien. Eine Rekonstruktion des Gletschermannes.
    Ötzi litt an Laktose-Intoleranz und hatte Verwandte auf Sardinien. Eine Rekonstruktion des Gletschermannes. Foto: Samadelli Marcodpa dpa

    Forscher haben erstmals das gesamte Erbgut der Eiszeit-Mumie Ötzi gelesen und zum Teil auch entschlüsselt. Dabei stießen sie auf Belege für Krankheiten, die heute aktueller sind denn je: Unter anderem litt Ötzi an Laktose-Intoleranz und an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, die viele Experten bislang für eine moderne Zivilisationskrankheit hielten.

    Das Team um den Bozener Forscher Albert Zink betonte, um generelle Rückschlüsse auf die genetischen Ursachen solcher Krankheiten zu ziehen, reiche die Untersuchung von Ötzi allerdings noch nicht aus. Die Ergebnisse sind im Journal "Nature Communications" öffentlich gemacht.

    Ötzi hatte braune Augen und braune Haare

    Breits im Herbst 2011 hatten die Wissenschaftler erste Details ihrer DNS-Analyse veröffentlicht. Bereits dabei zeigte sich, dass Ötzi braune Augen und braune Haare hatte. Bei den weiteren Analysen überrascht nun vor allem der Blick in die "Krankenakte".

    Unter anderem sei jetzt die Ursache für eine bereits bekannte Arterienverkalkung geklärt, unter der Ötzi gelitten hatte, schreiben die Forscher in "Nature Communications". Diese Krankheit wird heute vor allem auf fetthaltiges Essen, Rauchen und Bewegungsmangel zurückgeführt - Auslöser, die bei dem Mann aus der Jungsteinzeit ausgeschlossen werden können. Bei Ötzi seien allerdings genetische Ursachen für die Erkrankung gefunden worden. "Es zeigt, dass Herz-Kreislauferkrankungen keineswegs moderne Zivilisationskrankheiten sind", betonte Zink.

    Der Gletscher-Mann vertrug keinen Milchzucker

    Außerdem litt der Gletscher-Mann an einer Milchzucker-Unverträglichkeit. "Auf dem Weg zur Sesshaftwerdung mit Ackerbau und Viehzucht wird es für ihn schon schwierig gewesen sein, dass er keine Milch vertragen konnte", sagte Carsten Pusch, der die genetischen Untersuchungen an der Universität Tübingen geleitet hat, der Nachrichtenagentur dpa. "Aber welche Konsequenzen das für seine Lebensführung hatte, müssen wir dahingestellt lassen."

    Generelle Rückschlüsse auf die genetischen Ursprünge von Krankheiten ließen sich durch die Untersuchung der Ötzi-DNS aber noch nicht ziehen, sagte Pusch. Dafür reiche es nicht, nur einen einzigen 5300 Jahre alten Menschen zu untersuchen.

    Auch bei der Suche nach Ötzis genetischen Verwandten wurde das insgesamt mehr als 40-köpfige Forscherteam fündig - und zwar ausgerechnet auf Sardinien und Korsika, obwohl Ötzi die Alpenregion früheren Untersuchungen zufolge nie verlassen hat. "Vermutlich haben diese Inselbewohner und Ötzi die gleichen Vorfahren", sagte Pusch. Doch welche Wanderungsbewegungen hinter diesem Verwandtschaftsverhältnis stehen, sei noch unklar. "Man hat ein paar Fragen beantwortet - und schon hat man 100 neue aufgeworfen."

    Forscher wollen an Ötzi ein neues Verfahren ausprobieren

    Die Entschlüsselung von Ötzis DNS sei ein Glücksfall gewesen, erzählte Pusch. An einem kleinen Stück aus Ötzis linkem Beckenknochen wollten die Tübinger Forscher ein neues Verfahren ausprobieren. "Wir wollten abschätzen, wie viel Knochenmaterial wir bräuchten, um Ötzis Erbgut komplett zu entschlüsseln." Nach mehreren Monaten Arbeit wurde dann klar, dass das ein Zentimeter lange und einen Millimeter dicke Knochenstück schon ausgereicht hatte, um zum ersten Mal das komplette Erbgut der Mumie zu entziffern. "Das hätte ich selbst vorher nicht geglaubt", sagte der Humangenetiker.

    Eines scheint jedenfalls sicher: Ötzi wird die Wissenschaft noch lange mit neuen Erkenntnissen erfreuen. Noch haben die Forscher der Eiszeit-Mumie nicht alle Geheimnisse entlockt. dpa/AZ

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