Biobank: Blutproben für die Forschung
In einer Biobank werden mit Zustimmung des Spenders oder Patienten Proben von Blut, Urin, Speichel und Gewebe gelagert.
Sie werden bei Temperaturen bis zu minus 60 Grad Celsius aufbewahrt. So können sie auch nach 25 Jahren noch ausgewertet werden.
Mit Hilfe dieser Proben können Wissenschaftler Merkmale erforschen, die bei einer Krankheit auftreten.
Normalerweise wird dafür das Blut von kranken Patienten mit dem Blut von gesunden Menschen verglichen.
In der Biobank des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) lagern rund drei Millionen Plasmaproben.
Jeder dritte bayerische Blutspender erklärt sich BRK-Angaben zufolge damit einverstanden, dass ein kleiner Teil seines Blutes für mehr als fünf Jahre eingefroren und aufbewahrt wird.
Die Biodatenbank des Roten Kreuzes in Bayern steht im unterfränkischen Wiesentheid (Landkreis Kitzingen). In dem voll automatisierten Probenlager gibt es Platz für bis zu zehn Millionen Blutproben.
Die Blutspender-Biobank in Bayern besitzt nach eigenen Angaben eine der weltweit größten Probensammlungen.
Die deutsche Medizin ist bei der Krebsforschung um eine Organisation reicher. Seit Freitag werden in Würzburg verschiedene organische Proben wie Blut, Urin und Speichel von Patienten der Unikonik und anderen Probanden gespeichert, um damit Untersuchungen durchzuführen. Diese Untersuchungen können den Medizinern der Uniklinik helfen, Erkenntnisse über schwere Krankheiten wie Krebs zu gewinnen.
Fünf Biobanken in verschiedenen Bundesländern
Die Einrichtung in Würzburg ist eine von fünf Nationalen Biomaterialbanken. Die vier anderen befinden sich in Aachen, Berlin, Heidelberg und Kiel. "Diese fünf Biobanken sollen Standards für Deutschland setzen", sagte der Leiter der Würzburger Einrichtung, Roland Jahns, der Nachrichtenagentur dpa. Im Tiefkühllager des neu errichteten Baus sei Platz für 1,2 Millionen Proben. Das Bundesforschungsministerium fördert die Einrichtung mit 7,5 Millionen Euro.
Biobank in Würzburg sammelt Blut-, Urin- und Speichelproben
Die häufigsten Krebsarten in Deutschland
Prostatakrebs: Er ist mit rund 65.000 Neuerkrankungen jährlich der häufigste bösartige Tumor bei Männern. Über 12.000 Männer sterben pro Jahr daran. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt zwischen 83 und 94 Prozent. Risikofaktoren: Männliche Geschlechtshormone sind mit dafür verantwortlich; genetische Vorbelastung.
Darmkrebs nennt man alle Krebserkrankungen, die den Dickdarm, den Mastdarm oder den After betreffen. Mit 16 Prozent ist er die zweithäufigste Krebsart und mit zwölf bis 14 Prozent die zweithäufigste Krebstodesursache. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt zwischen 53 und 63 Prozent. Risikofaktoren sind Übergewicht, Bewegungsmangel, ballaststoffarme und fettige Kost, Alkohol, Tabak, erbliche Vorbelastung. Vorsorge ist ab dem 50. Lebensjahr kostenlos.
Lungenkrebs ist in Deutschland sowohl für Männer als auch für Frauen die dritthäufigste Krebserkrankung. 32.500 Männer und 14.600 Frauen erkranken jährlich daran. Die Prognose für diesen Krebs ist nicht gut: 26 Prozent der erkrankten Männer und zwölf Prozent der Frauen sterben daran. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt zwischen 13 und 17 Prozent bei Männern, zwischen 13 und 19 Prozent bei Frauen. Risikofaktoren sind Rauchen, Asbest- oder Radonbelastung. Obst und Gemüse wirken sich schützend aus.
Brustkrebs (bei Frauen) Über 60.000 Frauen erkranken daran. Im Schnitt sind sie dann 64 Jahre alt. Seit 1990 geht die Zahl der Erkrankten zurück. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt zwischen 83 und 87 Prozent. Risikofaktoren sind Kinderlosigkeit, ein höheres Alter bei der ersten Geburt, der späte Eintritt in die Wechseljahre, Einnahme der Pille, Alkohol, Rauchen, Bewegungsmangel.
Die Einrichtung solle die medizinische Versorgung verbessern, sagte der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg, Matthias Frosch. Die Hochschule und das Universitätsklinikum führen die Biomaterialbank gemeinsam. Die Proben sollen dort zum einen systematisch gesammelt und zum anderen für die Forschung bereitgestellt werden.
Patienten können sich freiwillig in die Biodatenbank aufnehmen lassen
Speichel, Blut, Urin und Gewebe sollen von Patienten und Probanden des Klinikums freiwillig gespendet und dann bei minus 80 Grad eingelagert werden. Medizinische und persönliche Daten werden anonymisiert gespeichert. Diese können dann für biomedizinische Forschungsprojekte genutzt werden. Die Analyse der Proben könnte den Angaben zufolge neue Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten von Krankheiten wie Krebs aufzeigen. dpa/AZ