Startseite
Icon Pfeil nach unten
Geld & Leben
Icon Pfeil nach unten

Psychische Erkrankung: Depression ist heilbar

Psychische Erkrankung

Depression ist heilbar

  • |
  • |
  • |
    Die Depression ist eine sehr verbreitete psychische Krankheit.
    Die Depression ist eine sehr verbreitete psychische Krankheit. Foto: Julian Stratenschulte (dpa)

    Irgendwie hat man den Eindruck, dass immer mehr Menschen depressiv werden. Stimmt das?

    Schmauß: Das trifft nicht zu. Die Depression ist eine sehr verbreitete psychische Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation hat in verschiedenen Untersuchungen festgestellt, dass sie zu den fünf häufigsten Erkrankungen weltweit gehört. Durch die Tatsache, dass in den Medien häufiger über Depression berichtet wird, entsteht der Eindruck, dass Depressionen häufiger geworden sind. Das stimmt aber nicht, da Depressionen früher seltener diagnostiziert und auch wesentlich seltener behandelt worden sind. Zudem waren psychische Erkrankungen mit einem Stigma belegt. Das heißt, Betroffene haben nicht erzählt, dass sie unter einer Depression leiden. Heute ist das Stigma wesentlich geringer ausgeprägt. Berühmte Menschen haben sich geoutet, unter einer Depression zu leiden. Und dadurch kommt das eher ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

    Wie erkennt man eine Depression?

    Schmauß: Eine Depression ist vielschichtig und durch eine Reihe von Symptomen gekennzeichnet. Die wichtigsten sind die drei sogenannten Grundsymptome: Erstens ein Mangel an Antrieb und Schwung, zweitens ein Verlust an Lebensfreude und Interesse und drittens eine traurige und depressive Stimmung. Dazu kommen eine Reihe von anderen Symptomen, zum Beispiel Schuldgefühle oder Unzulänglichkeitsgefühle. Außerdem sind Schlafstörungen, insbesondere Durchschlafstörungen und das sogenannte Früherwachen, Appetitmangel, ein völlig fehlendes Interesse an Sexualität, ein Gefühl der Mattigkeit und Abgeschlagenheit und diffuse Ängste zu nennen. Ein wichtiger Aspekt im Rahmen der Depression ist Suizidalität, da Patienten im Rahmen ihrer Depression häufig das Gefühl haben, „das macht alles keinen Sinn mehr, so kann ich nicht weitermachen“. Von einer depressiven Erkrankung wird erst dann gesprochen, wenn diese Symptome mindestens zwei Wochen lang anhalten. Eine depressive Verstimmung an einem oder zwei Tagen wird nicht als Depression klassifiziert.

    Das klingt so, als ob das Menschen in schwierigen Lebenssituationen wären? Wie werden Depressionen ausgelöst?

    Schmauß: Bei der Entstehung einer Depression sind im Wesentlichen drei Faktoren in Betracht zu ziehen, zum einen die genetische Veranlagung, im Weiteren die Persönlichkeit des Betroffenen und zum Dritten die entsprechenden Lebensumstände. Daraus lässt sich ableiten, dass die eine Person unter einer besonderen Stresssituation depressiv erkrankt, eine andere Person unter einer vergleichbaren Stresssituation jedoch nicht erkrankt, da sich die genetische Veranlagung und die Persönlichkeitsstruktur unterscheiden. Personen, die „alles sehr genau nehmen“ oder eine gewisse „melancholische Grundstruktur“ zeigen, werden wahrscheinlich häufiger eine Depression erleiden als andere. Es gibt auch depressive Erkrankungen, die ohne äußere Belastungsfaktoren auftreten können. Bei diesen Patienten ist die genetische Veranlagung für die Entwicklung einer Depression dann besonders ausgeprägt.

    Wer ist besonders gefährdet?

    Schmauß: Das Risiko, eine Depression zu erleiden, ist bei Menschen, die schon einmal an einer Depression erkrankt waren, größer. Das Risiko ist außerdem größer, wenn ein Familienmitglied schon einmal depressiv erkrankt war. Frauen erkranken zudem häufiger an Depressionen als Männer, das Verhältnis beträgt etwa 2:1. Die Gründe dafür sind nicht eindeutig geklärt, wahrscheinlich ist jedoch, dass die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren bei Frauen das Auftreten depressiver Erkrankungen begünstigt.

    Man spricht ja immer von Herbstdepressionen. Spielen die Jahreszeiten eine Rolle?

    Schmauß: Die Jahreszeiten spielen eine Rolle. Depressionen treten häufiger im Frühjahr und Herbst auf als im Sommer oder Winter. Der Grund dafür ist wohl, dass Depressionen etwas mit dem Biorhythmus unseres Körpers zu tun haben. Die Ausschüttung verschiedener Hormone ist etwa von den Tageszeiten abhängig, auch die Körpertemperatur verändert sich im Lauf des Tages.

    Kann man eine Depression behandeln?

    Schmauß: Die beiden Hauptbehandlungsstrategien sind zum einen eine medikamentöse Behandlung mit sogenannten Antidepressiva und zum anderen die psychotherapeutische Behandlung. Antidepressiva beeinflussen den Stoffwechsel der Neurotransmitter, also der Botenstoffe im Gehirn. Auch die Psychotherapie stellt eine essenzielle Behandlungsform der Depression dar. Idealerweise ergänzen sich medikamentöse Behandlung und Psychotherapie. In den letzten Jahren gibt es eine Reihe von Untersuchungen, die zeigen, dass auch Psychotherapie zu biologischen Veränderungen im Gehirn führt. Eine weitere wichtige Behandlungsmethode bei depressiven Erkrankungen ist körperliche beziehungsweise sportliche Aktivität. In der klinischen Behandlung greift man auch immer wieder zur Methode der sogenannten Wachtherapie beziehungsweise des Schlafentzugs.

    Depressionen sind gut behandlbar

    Sind Depressionen heilbar?

    Schmauß: Eine Depression ist gut behandelbar. Ziel der Behandlung ist eine völlige Gesundung des Patienten. Aber die Veranlagung, irgendwann wieder eine Depression zu entwickeln, ist nicht heilbar. Insgesamt lässt sich nicht voraussagen, ob ein Patient, der eine Depression vollständig überwunden hat, in drei, fünf oder zehn Jahren wieder eine Depression erleidet.

    Gibt es Tricks für Patienten, den Alltag zu gestalten?

    Schmauß: Ja, diese Tricks gibt es. Depression beinhaltet ja, dass der Patient meist zu wenig Antrieb hat, interessenlos ist und nur im Bett liegen bleiben möchte. Wenn er diesem Impuls nachgibt, wird sich sein Befinden jedoch nicht bessern, sondern wird immer schlechter. Deshalb ist es für einen Patienten wichtig, eine entsprechende Tagesstruktur aufzubauen und rechtzeitig morgens aufzustehen. Depressive Patienten sollten also immer frühzeitig aufstehen, dann unter die Dusche gehen, frühstücken, spazieren gehen und körperliche Aktivitäten entwickeln. In der Klinik müssen depressive Patienten vor dem Frühstück einen 30-minütigen Morgenspaziergang machen. Bewegung ist insgesamt ein wichtiger Bestandteil der antidepressiven Therapie. Wir haben im Bezirkskrankenhaus Augsburg Sportanlagen, Schwimmbad und Turnhalle und versuchen in diesem Rahmen unseren Patienten möglichst viel Bewegung und körperliche Aktivität anzubieten.

    Und wie können Angehörige mit der Krankheit umgehen?

    Schmauß: Angehörige sollten wissen, dass die Depression eine psychische Erkrankung ist. Der Hinweis „reiß dich doch endlich zusammen“ nützt dem Patienten überhaupt nichts und macht ihm eher ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle. Auch der Plan „wir fahren jetzt in Urlaub und dann wird alles schon wieder besser“ führt zu keiner Besserung der Depression. Angehörige sollen wissen und verstehen, dass Depression eine behandelbare Erkrankung ist und nicht nur ein merkwürdiges Verhalten eines Patienten. Wichtig ist, dass Angehörige den Patienten fördern und unterstützen, ohne ihn zu überfordern. Sie sollten den depressiven Patienten also nicht den ganzen Tag auf dem Sofa liegen lassen, sondern ihn zur Bewegung und Aktivität animieren und ihn beispielsweise zum Einkaufen, zum Spazierengehen oder zum Fahrradfahren mitnehmen.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden