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Sexualhormon
06.04.2017

Studie: Verändert Progesteron die sexuelle Orientierung?

Der Einfluss verschiedener Hormone in der Schwangerschaft auf das ungeborene Kind ist nicht zu unterschätzen.
Foto: Symbolbild: Fredrik von Erichsen (dpa)

Es gibt viele Hormone, die für den Prozess der Schwangerschaft eine Rolle spielen. Progesteron könnte die spätere sexuelle Orientierung dabei stärker beeinflussen als vermutet.

Forscher aus Dänemark und den USA haben untersucht, welche Auswirkungen das Sexualhormon Progesteron auf das sexuelle Verhalten und die sexuelle Orientierung ungeborener Kinder haben kann. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachmagazin "Archives of Sexual Behavior".

Das Hormon Progesteron wird vor allem mit Frauen in Verbindung gebracht, wo es hauptsächlich vom Gelbkörper und in der Schwangerschaft auch in der Plazenta produziert wird. Bei Männern wird es in der Nebennierenrinde und in den Hoden produziert. Unter anderem ist Progesteron wichtig für eine gute Beweglichkeit der Spermien.

Das bewirkt Progesteron in der Schwangerschaft

Die wichtigste Funktion von Progesteron ist bei der Frau der Erhalt der Schwangerschaft in den ersten Schwangerschaftswochen. Von Sexualhormonen ist allgemein bekannt, dass sie bei ungeborenen Tieren und Menschen die Entwicklung bestimmter physischer und Verhaltenseigenschaften beeinflussen. Es besteht schon länger der Verdacht, dass sich das Sexualhormon Progesteron auch auf die sexuelle Orientierung bei Menschen auswirken könnte, an Beweisen dafür fehlt es allerdings noch.

In ihrer Studie betrachteten die Forscher 17 Männer und 17 Frauen, die vor der Geburt Progesteron ausgesetzt worden waren. Die Kontrollgruppe bestand aus Personen, die mit den Probanden in 14 physischen, medizinischen und gesellschaftlichen Variablen übereinstimmten. In einem Gespräch mit einem Psychologen und in Fragebögen zum selbst ausfüllen wurden beide Gruppen bezüglich sexueller Orientierung, Selbst-Identifizierung, Attraktivität des anderen und des eigenen Geschlechts sowie sexuellen Verhaltens und Umgang mit beiden Geschlechtern befragt.

Progesteron könnte Tendez zu Bisexualität auslösen

Im Vergleich zur Kontrollgruppe definierten sich weniger Männer und Frauen, die vor der Geburt mit Progesteron in Kontakt gekommen waren, als heterosexuell. Sie berichteten außerdem von mehr gleichgeschlechtlicher sexueller Erfahrung und höherer Anziehung zum gleichen Geschlecht oder beiden Geschlechtern. Interessant ist dabei, dass sich diejenigen, die mit Progesteron in Kontakt gekommen waren, auch insgesamt stärker zu Männern hingezogen fühlten. Die Werte für Heterosexualität und die Anziehung zu Frauen entsprachen denen der Kontrollgruppe.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass Frauen und Männer, die vor der Geburt Progesteron ausgesetzt waren, häufiger bisexuell sind. Es wäre denkbar, dass pränatales Progesteron einen größeren Einfluss auf die sexuelle und psychosexuelle Entwicklung hat, als bisher angenommen. sh

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