Der Osten ist kränker als der Westen, in Baden-Württemberg und im Allgäu leben besonders gesunde Menschen und die deutschen Küstenbewohner sind dem Alkohol sehr zugeneigt – grob vereinfacht sind das die Ergebnisse einer neuen Statistik der Krankenkasse Barmer GEK.
Anhand der Daten von 8,4 Millionen Versicherten hat das Unternehmen einen Krankheitsatlas Deutschlands erstellt, aufgeteilt in 78 Regionen. Die Karte zeigt, dass die Menschen in den neuen Bundesländern deutlich häufiger unter Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Menschen im Süden sind davon durchschnittlich seltener betroffen. Doch der Osten führt die Statistik nicht bei allen Krankheiten an. Am häufigsten unter Depressionen leiden die Bayern und die Bewohner der Stadtstaaten.
Allerdings sind dort überdurchschnittlich viele Psychotherapeuten niedergelassen. Barmer-Sprecher Kai Behrens nennt als mögliche Erklärung dafür eine „angebotsinduzierte Nachfrage“. Will heißen: Wo viele Psychotherapeuten sind, werden psychische Krankheiten auch häufig erkannt.
Diese Schlussfolgerung zieht auch Dr. Jakob Berger, Vorsitzender des Hausärzteverbands Schwaben, aus der Statistik. Einen wissenschaftlichen Grund für eine erhöhte Zahl an Depressionen im Freistaat gebe es nicht. Insgesamt lassen solche Studien laut Berger nur „vage Rückschlüsse auf die Ursache von Krankheitshäufigkeiten“ zu. Hinter der erhöhten Rate von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Ostdeutschland vermutet der Mediziner „althergebrachte Ernährungsweisen und einen schlechteren Zugang zu Informationen“.
Die Krankenkasse verspricht sich Behrens zufolge von der neuen Erhebung „ein verlässliches und transparentes Bild über den Versorgungsbedarf zu erhalten“. Auch wenn eine hohe Krankheitsrate nicht automatisch bedeute, dass ein Ort zu wenig Ärzte habe.
Die Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, Kirsten Warweg, warnt davor, die Krankheitslast als alleiniges Kriterium für Geldzuweisungen aus dem Gesundheitsfonds anzuwenden. Die ambulante Versorgung sei in Bayern besonders ausgeprägt und eine mögliche Erklärung, dass die Menschen hier gesünder seien als anderorts.
Die Grenzen der Bundesländer sind laut Statistik jedenfalls nicht ausschlaggebend für die Häufigkeit von Krankheiten. So zeigt die Karte der Abhängigkeitserkrankungen einen besonders hohen Wert in Hamburg und Schleswig-Holstein (bis zu einem Drittel über dem Erwartungswert), aber auch die Regionen um Nürnberg, München und Rosenheim liegen über dem Durchschnitt. Gleiches gilt für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes: In ostdeutschen Ländern kommen diese Krankheiten besonders häufig vor, innerhalb Bayerns trifft es eher die Nürnberger als die Kemptner und Münchner.