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Überlebenschancen: Bei Herzstillstand zählt jede Sekunde - neue Methode

Überlebenschancen

Bei Herzstillstand zählt jede Sekunde - neue Methode

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    Eine Krankenschwester kontrolliert an der Charite einen Patienten während einer Kältetherapie nach einem Herzstillstand.
    Eine Krankenschwester kontrolliert an der Charite einen Patienten während einer Kältetherapie nach einem Herzstillstand. Foto: Daniel Bockwoldt dpa

    Bei einem Herzstillstand kommt es auf jede Sekunde an. Denn nach einem Herzstillstand wird das Gehirn mit Sauerstoff unterversorgt. Auch wenn der Patient wieder schnell reanimiert wird, drohen irreparable Hirnschäden. Dieses Risiko sinkt jedoch, wenn die Körpertemperatur des Patienten rasch gesenkt wird.

    Das bundesweit erste Exzellenzcenter für Herzstillstand an der Berliner Charité will die Standards für eine erfolgreiche Therapie weiterentwickeln und auch für kleine Kliniken umsetzbar machen.

    Den Patienten bei Herzstillstand herunterkühlen

    Koma, Wachkoma, Hirntod

    KOMA - Das Koma (griechisch für «tiefer, fester Schlaf») ist der schwerste Grad einer Bewusstseinsstörung und Ausdruck einer schweren Hirnfunktionsstörung. Der Patient lässt sich durch äußere Reize wie Ansprechen oder Rütteln nicht wecken. Selbst auf Schmerz reagiert er nicht. Mit verschiedenen Koma-Skalen wird die Stärke abgeschätzt. Aus einem Koma kann ein Patient wieder erwachen.

    WACHKOMA - Patienten im Wachkoma (apallisches Syndrom) haben zwar die Augen geöffnet, ihr Blick geht jedoch ins Leere. Normalerweise haben die Patienten nach Auskunft von Ärzten kein Bewusstsein und können weder emotionalen Kontakt aufnehmen noch Aufforderungen befolgen. Das Stammhirn ist aber noch aktiv, Blutdruck, Atmung und viele Reflexe werden weiter geregelt. Eine Rückkehr des Bewusstseins nach mehr als drei Monaten gilt als unwahrscheinlich. Die meisten Patienten sterben nach zwei bis fünf Jahren an Komplikationen.

    HIRNTOD - Bei Hirntoten sind die Gesamtfunktionen des Großhirns, Kleinhirns und Stammhirns unwiederbringlich erloschen. Ursachen sind beispielsweise Schädel-Hirn-Verletzungen, Hirnblutungen oder Herz- Kreislauf-Stillstand. Der Mensch atmet nicht mehr. Durch künstliche Beatmung kann der Blutkreislauf aber erhalten werden. Dies geschieht etwa, um ihm zu einem späteren Zeitpunkt Spenderorgane zu entnehmen.

    "Ein Herzstück der Behandlung ist das zügige Absenken der Körpertemperatur der Patienten und die vorsichtige Wiedererwärmung nach einigen Tagen", erläuterte Christian Storm, Leiter des interdisziplinären Cardiac Arrest Centers auf dem Charité-Campus Virchow. Auf 32 bis 34 Grad Celsius wird der Patient dabei heruntergekühlt, so dass sich seine Stoffwechselprozesse für 24 Stunden verlangsamen. "Danach wird er sehr langsam wieder erwärmt, mit 0,5 Grad pro Stunde", sagt Storm. "Die Zahl der Patienten, die im Koma blieben, kann durch dieses Verfahren um die Hälfte gesenkt werden." Etwa 150 Patienten pro Jahr werden in der Intensivambulanz behandelt, die nun Exzellenzcenter ist.

    Therapiemöglichkeiten bei Herzpatienten

    Über weitere Therapiemöglichkeiten wird dann im engen Zusammenspiel von Neurologen und Kardiologen entschieden. "Viele dieser standardisierten Verfahren sind auch in kleineren Krankenhäusern umzusetzen. Das wollen wir erreichen", sagt Storm. Eine Umfrage an 1000 Intensivstationen deutscher Kliniken habe ergeben, dass vielerorts jedoch noch mittels Eisbeuteln gekühlt werde. "Das kann effektiver über eine Wasser durchspülte Klebedecke geschehen oder einen mit kalten Wasser gefüllten Plastikkatheter in der Leiste."

    Reanimation bei Herzstillstand

    Im Akutfall sei es jedoch immer besser, im Zweifel das nähergelegene Kreiskrankenhaus anzusteuern, als die Spezialambulanz in 100 Kilometer Entfernung, betont der Experte. 75 000 Menschen werden in Deutschland jährlich nach einem Herzstillstand reanimiert - derzeit überleben aber nur 5000 von ihnen.

    Im Frühjahr hatte unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin und der Deutsche Rat für Wiederbelebung auf einer Tagung den Bedarf nach solchen speziellen Stationen (Cardiac Arrest Center) formuliert. dpa/AZ

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