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Pille gegen Covid
13.03.2022

Infos zu Paxlovid: Das sollten Sie zum Corona-Medikament wissen

Paxlovid lindert die Folgen einer Corona-Erkrankung. Die Bundesregierung hat eine Million Packungen gekauft.
Foto: Pfizer, dpa

In der EU zugelassen, von Deutschland bestellt: Die Pille von Pfizer gibt Hoffnung im Kampf gegen Corona. Wie wirkt Paxlovid? Gibt es Nebenwirkungen? Ein Überblick.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie liegt eine Hoffnung in Medikamenten, die bei der Behandlung von Covid-Erkrankungen helfen. Am Freitag hat die Europäische Kommission nun die Zulassung für eine Pille gegen Corona für die gesamte EU erteilt: Paxlovid. Darüber informierte die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) auf ihrer Website, nachdem sie grünes Licht gegeben hatte. Paxlovid von US-Hersteller Pfizer sei zur Behandlung von Corona-Infektionen zu empfehlen, so die Behörde.

Doch wie wirksam ist Paxlovir? Gibt es Nebenwirkungen? Für wen ist die Pille gedacht? Und in welchem Umfang ist sie in Deutschland verfügbar? Ein Überblick.

Corona-Pille: Welchen Vorteil hat Paxlovid?

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides zufolge könne Paxlovid könne „einen wirklichen Beitrag zur Linderung der Folgen von Covid“ leisten. Experten sehen bei der Pille neben der hohen Wirksamkeit auch einen großen Vorteil in der Art der Verabreichung: Bisher konnten Frühinfizierte mit Omikron nur mit monoklonalen Antikörpern behandelt werden. Diese Antikörper muss man jedoch spritzen. Die meisten Patienten können sie sich also nicht selbst verabreichen – im Gegensatz zum Schlucken einer Tablette. Paxlovid können die Erkrankten einfach zu Hause oral einnehmen.

Corona-Pille: Wer darf Paxlovid einnehmen?

Paxlovid soll an positiv getestete Corona-Patienten verabreicht werden, die milde bis mittlere Symptome haben. In der Mitteilung der EMA heißt es, dass das zuständige Komitee den Einsatz für erwachsene Covid-19-Patienten empfiehlt, die keinen zusätzlich Sauerstoff brauchen und ein erhöhtes Risiko für einen schweren weiteren Krankheitsverlauf haben.

Patienten nehmen dann nach Angaben des Herstellers über fünf Tage zweimal täglich jeweils drei Tabletten ein.

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Wirkstoff von Paxlovid: Wie wirkt das Corona-Medikament?

Paxlovid enthält unter anderem den Wirkstoff Nirmatrelvir, der die Vermehrung des Virus im Körper stoppt. Dazu blockiert der Stoff einen bestimmten Baustein des Virus: ein Enzym, das dabei hilft, die Eiweißmoleküle des Erregers richtig anzuordnen. Das Enzym ist eine sogenannte Protease. Der Paxlovid-Wirkstoff wird daher auch Protease-Hemmer genannt.

Hilft Paxlovid auch bei der Omikron-Variante?

Doch wie sieht es bei der Omikron-Variante aus, die viele Mutationen hat? Paxlovid dürfte auch dagegen hochwirksam sein. Die EMA-Experten stellten fest: „Auf der Grundlage von Laborstudien wird erwartet, dass es auch gegen Omikron und andere Varianten wirkt.“

Wie gut wirkt Paxlovid? Gibt es Nebenwirkungen?

Pfizer zufolge senkt das Medikament das Risiko von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen bei Patienten mit dem Coronavirus um 89 Prozent. Nach Angaben des Unternehmens vom November verhindert die Corona-Pille sehr erfolgreich schwere Krankheitsverläufe. Gerade bei Risikopatienten gilt Paxlovid als äußerst effektiv. Hans-Georg Kräusslich, der Leiter der Virologie am Universitätsklinikum Heidelberg, hält Paxlovid für ein Medikament, „das bei Risikopatienten, also älteren Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen, wenn früh gegeben, einen erheblichen Vorteil bewirken kann.“

Zu den möglichen Nebenwirkungen des Medikaments gehören eine Beeinträchtigung des Geschmackssinns, Durchfall, Bluthochdruck sowie Muskelschmerzen. Im Allgemeinen seien die Nebenwirkungen milde, so die EMA. Das Mittel könnte aber die Wirkung anderer Medikamente beeinträchtigen.

Gibt es Nachteile und Probleme mit Paxlovid?

Die Vorfreude auf Paxlovid als „Game Changer“ in der Pandemiebekämpfung wird jedoch auch in ein paar Punkten gedämpft. Das Medikament muss zunächst rechtzeitig genommen werden, also möglichst kurz nach der Infektion mit Sars-Cov-2. Häufig wissen Patienten aber erst nach einigen Tagen, ob sie infiziert sind. In vielen Fällen könnte es also zu spät für die volle Wirkung von Paxlovid sein. Weitere Nachteile sehen Experten in der bereits genannten Nebenwirkung, dass die Corona-Pille die Wirksamkeit anderer Medikament beeinträchtigen könnte. Risikopatienten und Menschen mit Vorerkrankungen sind jedoch häufig auf die Einnahme von anderen Medikamenten abhängig.

Ab wann ist Paxlovid bei uns erhältlich?

Die Zulassung von Paxlovid ging deshalb so schnell, weil die EMA bereits Mitte November mit der Untersuchung des neuen Covid-19-Medikaments begonnen hat – im beschleunigten Rolling-Review-Verfahren. Dabei werden die Ergebnisse der klinischen Studien laufend an die Behörde weitergegeben, sobald sie erhoben wurden. Sonst bekommt die EMA die Daten meist erst am Ende aller Untersuchungen als Komplettpaket.

Video: dpa Exklusiv

Die EU-Kommission muss der Zulassung allerdings noch zustimmen. Das aber gilt als Formsache. Und die Behörde hatte auch bereits den EU-Mitgliedstaaten grünes Licht für eine nationale Notfallzulassung gegeben. Die hatte der deutsche Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bereits im Vorhinein angefordert.

Paxlovid kaufen: gibt es die Corona-Pille bald in der Apotheke?

Wie genau die Patientinnen und Patienten an das Medikament kommen werden, ist noch unklar. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Lauterbach wurden bereits eine Million Packungen Paxlovid bestellt. „Das Mittel eignet sich insbesondere für die Behandlung ungeimpfter Risikopatienten“, sagte Lauterbach.

Corona-Pille: Wie wird Paxlovid hergestellt?

Der US-Konzern Pfizer stellt sein Medikament hauptsächlich in Freiburg her. Nach Erhalt und Genehmigung des Wirkstoffs startet der Prozess zum Mischen, Granulieren, Pressen und Beschichten der Tabletten, sagt eine Sprecherin. „Ein Team von Qualitätsexperten stellt sicher, dass die höchsten Standards eingehalten werden.“ Zudem werde in Freiburg, wo 1700 Menschen für Pfizer arbeiten, mit der Verpackung begonnen. So sollen laut Unternehmensmitteilung in diesem Jahr weltweit mindestens 120 Millionen Einheiten fertiggestellt werden - davon rund 30 Millionen in der ersten Jahreshälfte. „Wir sind dabei, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen und die Produktion weiter hochzufahren“, kündigte Pfizer an.

Gibt es auch andere Corona-Medikamente?

Auch der US-Pharmakonzern Merck Sharp & Dohme hat ein Medikament gegen das Coronavirus entwickelt: Molnupiravir. In Großbritannien ist es bereits zugelassen, auch wenn die Wirksamkeit laut dem Unternehmen lediglich bei 30 Prozent liegt.

In Deutschland wird ebenfalls an einer Corona-Pille gearbetet: Das Biotech-Unternehmen "CORAT Therapeutics" in Braunschweig forscht an einem Medikament, das mittels genveränderten, neutralisierenden Antikörpern die Coronaviruslast im Körper senkt. Es ist speziell für geschwächte Patienten auf Intensivstationen gedacht. Dessen Zulassung soll allerdings erst im nächsten Sommer beantragt werden.

Mit der Corona-Pille Paxlovid sind dann insgesamt sieben Medikamente zur Behandlung von Covid-19-Patienten in der EU zugelassen.

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