Mittwoch, 17. Januar 2018

26. Dezember 2010 19:00 Uhr

Aichach

Auch hinter Gittern ist die Kirche voll

Besuche sind an Heiligabend in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aichach nicht erlaubt. Nur beim Weihnachtsgottesdienst in der Kirche der JVA sind jedes Jahr einige Gäste dabei. Auch in diesem Jahr. Von Gerlinde Drexler

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Besuche sind an Heiligabend in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aichach nicht erlaubt. Nur beim Weihnachtsgottesdienst in der Kirche der JVA sind jedes Jahr einige Gäste dabei. Heuer kam Weihbischof Anton Losinger für die weihnachtliche Andacht in die Haftanstalt und der neu gegründete Jugendchor hatte für die Feier Lieder einstudiert.

Einer der ersten Gäste, der sich an der Pforte der JVA meldet, ist Organist Gerold Sedlatschek aus Paar bei Kühbach. Seit Jahren schon spielt er an Heiligabend beim Weihnachtsgottesdienst. Den Weg in die Kirche kennt er zwar, alleine hingehen darf er aber trotzdem nicht. Diakon Wolfgang Rupprecht, der erst seit diesem Jahr in der Aichacher JVA arbeitet, begleitet ihn in die Kirche und weist ihn gleich auf ein paar Eigenheiten der Orgel hin. "Ab und zu bleibt ein Ton hängen. Das liegt an dieser Koppel", zeigt er ihm.

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Die drei Ministranten, Insassinnen der JVA, sind schon im Altarraum und bereiten alles für den Gottesdienst vor. Seit acht Jahren sei sie schon als Ministrantin jeden Sonntag dabei, erzählt eine, während sie die Kerzen anzündet.

Jeden Sonntag treten seit einigen Wochen auch die Sängerinnen des neuen Jugendchores auf. Ein Chor, den Rupprecht ins Leben gerufen hat. Sie würden auch privat viel singen und selber Lieder schreiben, erzählen die Sängerinnen. Eine plane sogar ein Konzert, bevor sie die JVA verlasse. An diesem Abend werden die Sängerinnen besonders viel Publikum haben, weil sie beim katholischen und später auch noch beim evangelischen Gottesdienst auftreten werden. "Weihnachten ist es in der Kirche immer knallvoll", freuen sie sich schon. Die ersten Gäste treffen ein. Es sind ehrenamtliche Helfer darunter, Familienangehörige von Mitarbeitern der JVA und ehemalige Mitarbeiter, wie zum Beispiel Martha Pelikan aus Schrobenhausen. 31 Jahre lang hätte sie jeden Heiligabend Dienst gehabt und deshalb mit ihrer Familie den Weihnachtsgottesdienst in der JVA besucht, erzählt sie. Ein Ritual, auf das sie auch nach ihrer Pensionierung nicht verzichten möchte. Gabriele LaFlash, eine der Aufseherinnen in der JVA, hat heute ihren freien Tag. Zusammen mit ihrer Familie ist sie trotzdem zum Gottesdienst gekommen. Weil sie viele der Insassinnen kenne und die sich darüber freuen würden, sagt sie.

Ehemalige Mitarbeiter kommen

Am Heiligen Abend sind die Zellen von 13 bis 19.30 Uhr geöffnet. Die Frauen hätten schon zusammen gekocht und gefeiert, erzählt LaFlash. Für die Jugendlichen in der Haftanstalt gab es an diesem Tag als besonderes Highlight Weißwürste mit Brezen. Die Teilnahme am Weihnachtsgottesdienst ist jedem freigestellt. Dieses Jahr sind es sehr viele Jugendliche, die begleitet von den Aufsehern in die Kirche kommen. Das liege am neuen Diakon, weil der sehr viel mit den Jugendlichen arbeite, sagt LaFlash.

Für Weihbischof Anton Losinger ist es ein Gottesdienst "unter anderen Umständen als normal". Für seine Predigt hat er das Thema Freiheit gewählt. Ein Wort, das er in diesem Jahr besonders mit dem Grubenunglück in Chile verbinde. "Wenn ich den Begriff erklären müsste, dann kommt mir das Bild in den Sinn, als zwei Milliarden Menschen am 13. Oktober nach Chile blickten", sagt Losinger. Wobei er persönlich sogar den Tag, als über einen Bohrschacht zum ersten Mal Kontakt mit den Eingeschlossenen möglich war, als noch beeindruckender empfand. Es sei wichtig zu erkennen, dass Gott in jeder Lebenssituation einen Raum haben will, gibt er den Besuchern des Gottesdienstes mit auf den Weg.

Freudig überrascht sind die Mitglieder des Chores, als ihnen der Weihbischof für ihren musikalischen Beitrag zum Gottesdienst dankt. Sie hatten zwei Lieder eingeübt und singen gemeinsam mit den Gottesdienstbesuchern zum Ausklang der Feier "Stille Nacht". Dann ist die Andacht zu Ende und die Gäste gehen zurück zur Pforte. Weihnachtsglückwünsche werden ausgetauscht, dann geht es zurück zur Familie. Die Gefangenen werden noch etwas zusammensitzen, bevor sich hinter ihnen wieder die Zellentüren schließen.
 

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