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Schulprojekt: Auf den Spuren der alten Germanen

Schulprojekt

Auf den Spuren der alten Germanen

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    Am Anfang war der Lehm. Aus 400 Litern Material entstand ein Rennofen.
    Am Anfang war der Lehm. Aus 400 Litern Material entstand ein Rennofen.

    Aichach Eine kleine Traube von Schülern und Besuchern hat sich um den Lehmofen gebildet. Seit mehr als zehn Stunden warten sie auf diesen Moment. Schon am Dienstag haben die 29 Schüler der 8a der Wittelsbacher Realschule mit dem Bau eines altertümlichen Schmelzofens, einen sogenannten Rennofen, aus der Zeit der Germanen begonnen. Schon in aller Frühe haben sie ihn dann am Mittwoch mit Erz und Kohle befüllt. Der Anstich dieses Ofens, der im besten Fall Eisen liefern soll, ist am späten Mittwochnachmittag das Ende und zugleich der Höhepunkt der dreitägigen Klassenexkursion ins Grubet.

    Der Stadtarchivar der Stadt Aichach, Christoph Lang, freut sich über das innovative Projekt der Realschule: „Das ist moderne Heimatkunde im Jahre 2012.“ Für ihn ist es ein toller Erfolg, ein so großes Vorhaben mit einer Schule bewältigt zu haben. In nur einem Tage habe man einen Brotofen und den Schmelzofen bauen können. Dafür nutzten die Schüler und Lehrer nur viel Lehm und Äste. „Alle haben super mitgearbeitet, ohne die viele freiwillige Arbeit hätte es nicht geklappt“, lobt der Archivar die beteiligten Handwerker, Lehrer und Archäologen.

    Auch für die Schüler ist es eine gelungene Abwechslung vom Schulalltag. Immerhin bleiben sie ja ganze drei Tage im Grubet. In Zelten und im Haus der Grubetfreunde haben sie ihr Lager aufgeschlagen. Für Schüler und Pfadfinder Dominik Patsch ist das Schlafen im Zelt sowieso kein Problem. „Ich find’s toll und konnte auch schon eigenes Brot backen. Das schmeckt sogar ganz gut.“ Doch freuen sich viele seiner Klassenkameraden nach den drei Tagen wieder auf ihre heimischen Betten. Doch besser als Schule sei es allemal gewesen, hört man aus den Reihen der Schüler. Da kann auch Dominik nur nicken. „Man sieht ihnen die kurze Nacht schon an“, schmunzelt Ekkehard Seidel, der Klassenleiter der 8a, mit einem Blick auf seine Schüler. Jedoch habe sich seine Klasse generell sehr vorbildlich verhalten. „Da gibt es keinen Grund zur Klage.“

    Während der Rennofen, der auf einer einfachen Kamintechnik basiert, noch fleißig am rauchen ist, steht Andreas Kaiser in der Schmiede, die das Museum und der städtische Bauhof bereitgestellt hat. Er ist Fachlehrer für Metalltechnik an der Berufsschule in Aichach und will den Kindern die Schritte der Eisenverarbeitung nach dem Verhütten nahe bringen. Ständig rotiert er um die Schüler an Esse und Amboss und leitet sie an, damit am Ende jeder ein selbst geschmiedetes Brotzeitmesser in den Händen halten kann. Immer wieder bremst er seine Schützlinge, die wild auf ihren Metallplatten herumhämmern, und erklärt ihnen die richtige Technik.

    Währenddessen wacht der Hauptverantwortliche für den Rennofen, Martin Straßburger, über den Schmelzprozess. Immer wieder kontrolliert er die Fortschritte. Normalerweise ist er Archäologe und leitete auch die Ausgrabungen im Grubet im vergangenem Jahr. „Da erlebt man erst, warum Eisen damals so viel wert war“, erklärt er. Ungefähr zehn Kilo Erz und mehr als 30 Kilo Kohle seien nötig, um ungefähr 500 bis 600 Gramm Eisen zu gewinnen. Selber danach gegraben haben die Verantwortlichen jedoch nicht. „Das haben wir eingekauft“, lacht der Archäologe über die Frage. „Das erklärt aber auch die 3000 Trichter hier im Grubet“, erklärt er. Allein der Rennofen habe 400 Liter Lehm verbraucht. Für eine Rüstung hätten damals nur die Reichen überhaupt das nötige Kapital gehabt, weiß der Archäologe zu berichten.

    „Für die Klassengemeinschaft ist das Projekt auf jeden Fall ein Gewinn“, erzählt Lehrer Josef Reitberger, während er frisch gebackenes Brot aus dem etwas abseits stehenden Brotofen holt und es den wartenden Schülern überreicht. Er arbeitet neben seiner Tätigkeit als Kunsterzieher an der Wittelsbacher Realschule auch im Stadtmuseum. An den Abenden würde man zusammen am Lagerfeuer sitzen und grillen, erklärt er weiter. In einer zunehmend digitalen Welt sei es für ihn unerlässlich, den Kindern auch Werte jenseits des Computers zu vermitteln. Am heutigen Freitag werden die Schüler jedoch wieder vom Ernst des Alltags eingeholt. Sie schreiben eine Arbeit in Chemie. Und das es am Ende nicht ganz klappen wollte mit dem Eisen, ist für die Schüler auch nicht so schlimm. Sie sind auch mit den glühenden Schlackeklumpen aus dem Ofen zufrieden und bejubeln jeden Brocken der aus dem Ofen kullert.

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