Sielenbach Gebannt staunen die Schüler, als von allen Seiten Rettungswagen heranpreschen. Kies spritzt, als die großen Fahrzeuge der Feuerwehr scharf abbremsen. Einsatzkräfte eilen zu einem Auto, das scheinbar einen Baum gerammt hat. In ihm sitzen zwei junge Menschen und warten auf Hilfe. Was in diesem Fall eine Übung ist, wird zu oft Realität. Aus diesem Grund haben die Schulen aus Sielenbach, Dasing und Hollenbach an der Aktion „Discofieber“ teilgenommen. Sie bildet den Abschluss des mehrmonatigen Suchtpräventionsprojekts „Klar im Kopf“ („KliK“). Feuerwehren, Rettungskräfte und Polizei wollen die jungen Leute aufzurütteln und für die Gefahren von Alkohol am Steuer sensibilisieren.
Sie halten in der Halle des Sielenbacher Burschenvereins bildgewaltige Vorträge und zeigen eine große Einsatzübung. In mehreren Filmen werden Verkehrsunfälle sehr plastisch nachgestellt. Man merkt den Schülern die Betroffenheit an. Damit geht der Plan von Helmut Beck von der Polizei auf: „Wir wollen die Schüler nachhaltig emotional treffen.“ Die Bilder sollen sich einbrennen, so Beck. „Man muss früh sensibilisieren.“
Für den Feuerwehrmann ist es jedes Mal ein Stich ins Herz
Eindrucksvoll ist der Vortrag von Albert Kreutmayr von der Feuerwehr in Dasing. Er habe schon selbst Freunde bergen und ihnen beim Sterben zusehen müssen. „Jeder Verstorbene hat eine Familie, Freunde, Menschen, die ihn lieben“, sagt er. Für ihn sei es jedes Mal ein Stich ins Herz.
Mario Pettinger vom Roten Kreuz erklärt die „Golden Hour of Trauma“. Sie bezeichnet die Zeit, in der ein Verunglückter die besten Überlebenschancen hat. Sie beträgt nach dem Unfall gerade mal eine Stunde. „Daher ist die Ausbildung so wichtig“, sagt Pettinger. Ohne perfekte Koordination sei es kaum möglich, den Verletzten optimal zu helfen. „Das geht nur mit Übung“, betont der Rotkreuz-Ausbilder.
Sehr emotional ist der Vortrag von Christine Leicht vom Kriseninterventionsdienst. Sie erzählt, wie es ist, Eltern die Nachricht vom Tod ihrer jungen Tochter zu überbringen. Immer wieder macht sie Pausen, überlegt und schluckt, bevor sie weiterspricht. Jeder kann spüren, wie persönlich dieser Bericht ist. In der Halle wird es sehr still. Viele der jungen Menschen wirken dabei sehr nachdenklich. „Alle leiden unter so einer Katastrophe. Jeder für sich“, sagt Leicht. Am Ende müsse jeder für sich selbst einen Weg finden, damit fertig zu werden.
„Das Leben hat keinen Resetknopf“, sagt Helmut Beck am Schluss. Doch sollten die Jugendlichen sich nicht vor den Gefahren des Lebens verstecken, sondern sie verstehen. Christine Leicht bringt es auf den Punkt: „Habt Spaß. Geht raus und macht, was euch gefällt. Aber macht es so, dass ihr auch morgen noch Spaß haben könnt.“