Pöttmes Der Alarm kam im Fünfminuten-Takt: Geiselnahme am Unteren Tor, schwerer Verkehrsunfall an der Augsburger Greppe, Busbrand in der Neuburger Straße, Arbeitsunfall an der Baustelle neben dem Rathaus, Suizidandrohung, und als krönender Abschluss, „Brand im Bordell“ (Altes Rathaus) mit aufgebrachten Damen und einem Fenstersturz. Der Samstagnachmittag war für die Pöttmeser Feuerwehr eine Art „Großkampftag“ mit insgesamt 19 (Übungs)Einsätzen innerhalb von knapp sieben Stunden.
Auch sieben Rot-Kreuz-Sanitäter waren im Einsatz
Im Rahmen der Brandschutzwoche findet einmal im Jahr eine derart groß angelegte Übung statt, bei der auch sieben Rot-Kreuz-Sanitäter mit zwei Rettungswagen aus Aichach und Pöttmes im Einsatz waren.
Für den Ernstfall gerüstet sein, den Einsatz und die Hilfsmaßnahmen vor Ort koordinieren, die Zusammenarbeit innerhalb der Truppe sicherstellen, das erlernte Wissen effektiv in die Praxis umsetzen: Der Aktionstag war für die 45 Männer und Frauen der Pöttmeser Feuerwehr samt Helfern die Herausforderung schlechthin, ihr Können sicher und schnell unter Beweis zu stellen. Fünf Feuerwehrautos und ein Einsatzleiterrettungswagen wurden jeweils per Funk zu den einzelnen Einsatzorten geleitet.
Noch im Fahrzeug legten Elmar Eisenhofer und Pascal Loquai ihr Atemschutzgerät an, das direkt hinter den Fahrersitzen in einer speziellen Halterung steckt. Die beiden 23 beziehungsweise 25 Jahre alten Feuerwehrmänner sind seit ihrem zwölften Lebensjahr bei der Wehr. Als ausgebildete Atemschutzträger waren sie die Ersten, die aus dem völlig verrauchten Bus drei Passagiere ins Freie trugen.
Zuvor halfen sie, einen eingeklemmten Fahrer aus seinem demolierten Auto zu befreien, um dann beim schweren Arbeitsunfall am neuen Rathaus mit ihren Kameraden zum Einsatz zu kommen. Hier hielt die 17-jährige Melanie Schlosser in voller Montur bereits die Infusionsflasche in der Hand, während der schwer verletzte Arbeiter vorsichtig aus der Baugrube nach oben gehievt wurde. „Absolut realitätsnah“ bezeichneten die jungen Feuerwehrler den Aktionstag, den sie als wichtigen Lerneffekt einstuften. Denn außer relativ häufig vorkommenden Einsätzen, wie zum Beispiel die Erstversorgung bei Verkehrsunfällen, sind beim Aktionstag auch eher außergewöhnliche Herausforderungen verlangt. Bei der „Pfählungsverletzung“ etwa hatte sich ein Arbeiter beim Sturz vom Baugerüst an zwei Stahlträgern ganz erheblich verletzt. Die mussten erst abgesägt werden, bevor das Opfer dann auf der Trage über das Gerüst herunter gelassen wurde. Auch die Geiselnahme samt Schießerei am Unteren Tor rief ein Großangebot an Einsatzkräften auf den Marktplatz, da der Geiselnehmer sein Opfer aus dem Fenster warf und dann Feuer legte.
Zweiter Kommandant Richard Hammerl war an diesem Tag gleichzeitig der Einsatzleiter. Koordiniert und vorbereitet hatten die Übung Kommandant Klaus Hartwig und Gruppenführer Hans Steiger. Als „sehr zufrieden“ zeigte sich Hammerl mit den Leistungen der Truppe. Die Situationen am jeweiligen Einsatzort seien schnell erfasst und gut gemeistert worden. „Die Übung ist ja auch dazu da, die Leistungen zu optimieren“, sagte er. „Einwandfrei“ verlief der Einsatz ebenfalls für Konrad Kormann, Einsatzleiter vom Rettungsdienst. Für ihn fördert das persönliche Kennenlernen bei derartigen Übungen langfristig eine effiziente überregionale Zusammenarbeit im Ernstfall.