Der Cantona Liveclub in Schrobenhausen lockt mit Geheimtipps, die eigentlich gar keine sind. Manager Baierl wünscht sich die Sportis Von Evelin Grauer



Schrobenhausen Eric Cantona war nicht nur ein begnadeter Fußballer, er war und ist auch ein genialer Krawallmacher. Einer, der sich von niemandem was sagen lässt. Einer, der richtig wütend wird, wenn ihm danach ist. Er gilt als durchgeknallt – und das entspricht auch völlig seinem Lebensmotto: „Die Verrückten haben der Welt mehr gebracht als die Vernünftigen.“ Genau nach dieser Reizfigur ist der Cantona Liveclub in Schrobenhausen benannt.
Auch der will frech und unangepasst sein. Und dabei Musiker und Kabarettisten auf die Bühne bringen, die vor allem eines nicht sind: Mainstream, das heißt allgemeingültiges Sumsum von sich geben. Wie Eric Cantona, der auch im Logo des Clubs verewigt ist, sollen die Künstler echt sein. Dabei ist es egal, welche Musikrichtung oder welche Meinung sie vertreten, wichtig ist nur, dass sie überhaupt für etwas stehen. 250 Besucher haben im Cantona Platz. Ein „kleiner Schuppen“ eben, der von seiner intimen, gemütlichen Atmosphäre lebt.
Das sagt Andreas Baierl. Er ist, einfach ausgedrückt, der Manager des Cantona Liveclubs, der im Oktober sein zweijähriges Bestehen feiert. Der Club befindet sich in Lothar’s alter Nähfabrik im Gaisbergweg, einer Art Vergnügungsfabrikhalle, die auch ein Wirtshaus, eine Bar mit Terrassengarten, ein Billard-Center und eine Leinwand zum Fußballschauen beherbergt. Baierl stellt auch das Programm für den Liveclub zusammen und bucht die Künstler. Der 30-Jährige ist hauptberuflich selbstständiger Radio-Promoter und macht unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit für diverse Bands. Er hat daher Kontakt zu vielen Agenturen, was hilfreich ist, Künstler für das Cantona zu finden.
Das macht laut Baierl aber auch schon Werbung für sich selbst: „Der Club spricht sich immer mehr rum.“ Mittlerweile fragen auch schon Musiker und Kabarettisten selbst an, ob sie dort auftreten können. 40 bis 50 Veranstaltungen stehen in diesem Jahr an. Neben großen Namen wie Ottfried Fischer, der kürzlich zu Gast war, ist das Programm vor allem gespickt mit „Geheimtipps“, die natürlich für die Kenner der jeweiligen Szene längst keine mehr sind. So präsentieren sich demnächst etwa der Singer-Songwriter Rocky Votolato (5. August) und am 1. Juni die Kölner New Wave Band Genepool.
Eine Reihe weiterer Bands haben schon für Höhepunkte im Cantona gesorgt. So hat die in ihrem Heimatland bekannte französische Band Syd Matters in Deutschland drei Konzerte gegeben: in Berlin, in Köln und in Schrobenhausen. Auch die norwegische Band Heroes & Zeros, die in ihrem Heimatland den Grammy gewonnen hat, und die verrückten Puta Madre Brothers schauten vorbei. „Ein absolutes Highlight: Drei Australier, die auf Mexikaner machen“, erzählt Baierl. Wenn der Schrobenhausener die freie Wahl hätte, würde er gerne mal die amerikanische Band „The Gaslight Anthem“, die im Punk, Indie und Alternative-Rock zu Hause ist, ins Cantona locken. „Der Sänger klingt wie Bruce Springsteen und der ist auch einer der größten Fans der Gruppe“, sagt Baierl. Die Chancen auf ein Gastspiel sind jedoch sehr gering, die Band spielt in der Regel vor Tausenden Fans.
Auch Campino war schon da
Ähnlich sieht es mit den Sportfreunden Stiller aus, aber hier schätzt Baierl die Chancen etwas besser ein. Immerhin ist eines der Bandmitglieder aus Schrobenhausen und die Sportis veranstalten hin und wieder Clubtouren. Auch bekannte Zuhörer wie Tote-Hosen-Sänger Campino statteten dem Cantona bereits einen Besuch ab.
Die Zuhörer kommen laut Baierl ohnehin oft von weiter her, etwa bis aus Wien, aber auch aus dem Großraum Augsburg oder Ingolstadt. „Manchmal kommen wohl mehr Leute von auswärts als aus Schrobenhausen“, sagt er. Dabei soll der Club auch eine Plattform für die heimischen Bands bieten, die oft als Vorbands auftreten. Dass es in der 16000-Einwohner-Stadt Schrobenhausen 28 Bands gibt, sei gewaltig, so Baierl, der selbst als Songwriter Junuh auftritt und früher mit der Band Carrie Anne unterwegs war.
Einst habe Schrobenhausen eine größere Musikerdichte gehabt als Eric Cantonas Manchester (siehe Info). Das Cantona biete alle Voraussetzungen dafür, dass die Musik der Lokalhelden auch gehört wird.
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