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Anonyme Alkoholiker: Erst am Tiefpunkt zog er die Notbremse

Anonyme Alkoholiker

Erst am Tiefpunkt zog er die Notbremse

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    Erst am Tiefpunkt zog er die Notbremse
    Erst am Tiefpunkt zog er die Notbremse

    Es hat ihn große Überwindung gekostet, vor 16 Jahren zu seinem ersten Treffen mit den Anonymen Alkoholikern (AA) zu gehen. „Es war ein großer Schritt“, sagt der 59-jährige Aichacher. Vor allem, weil er damit zugab, Alkoholiker zu sein. Bis dahin hatte er sich immer vorgemacht, nie ein Problem mit dem Alkohol zu haben. Obwohl ihm durchaus bewusst war, dass er deutlich mehr trank als andere. Seit 16 Jahren ist der Aichacher nun trockener Alkoholiker, engagiert sich ehrenamtlich bei der örtlichen Gruppe der AA. Am Mittwoch haben Interessierte beim Tag der offenen Kontaktstelle Gelegenheit, sich bei einem öffentlichen Gruppentreffen in der Martinstraße 9 in Aichach, der einzigen Selbsthilfegruppe der AA im Landkreis, über deren Programm zu informieren.

    Einmal wöchentlich findet das Treffen der AA statt. Immer mittwochs von 20 bis 22 Uhr. Um die 15 Teilnehmer würden durchschnittlich daran teilnehmen, erzählt der 59-Jährige. Zwischen 30 und 70 Jahre sind sie in der Regel alt. „Jüngere kommen manchmal, um sich zu informieren.“ In dieser Altersgruppe würde aber der Gedanke, dass sie zwar viel trinken, aber kein Problem mit dem Alkohol haben und ja jederzeit aufhören könnten, vorherrschen, weiß der Aichacher aus eigener Erfahrung.

    Auch er begann schon früh mit dem Trinken. „Im Grunde genommen habe ich mit 15 Jahren schon gewusst, dass ich mehr trinke als andere.“ Um den Genuss sei es ihm dabei nie gegangen, weiß er rückblickend. „Es ging immer schon um das Wegdröhnen.“ Warum er damit angefangen hat? Er zuckt mit den Schultern. Darüber mache er sich heute keine Gedanken mehr, sagt er. „Wichtig ist, dass ich heute nicht mehr trinke.“ Aus Erfahrung weiß er aber, dass es die verschiedensten Faktoren sind, die Männer und auch Frauen in die Alkoholabhängigkeit rutschen lassen können. „Jeder hat seine eigene Geschichte.“

    Körperlich und seelisch war er am Ende

    Genau wie der 59-Jährige. Er zog vor gut 16 Jahren die Notbremse. Körperlich und seelisch sei er da an einem absoluten Tiefpunkt gewesen. „Ich war kurz davor, alles zu verlieren. Familie, Freunde und Arbeitsplatz.“ Das war für ihn der Hauptauslöser, um eine Therapie zu machen. Dazu kam die Warnung seines Hausarztes, dass er nicht mehr lange zu leben habe, wenn er so weitermache. Vier Monate lang war der Aichacher in Therapie, hatte keinen Kontakt zur Außenwelt. „Dann reifte in mir langsam die Erkenntnis, dass ich ein Problem mit dem Alkohol habe.“

    Nach der Therapie ging er zu einem Treffen der AA. „Die blanke Angst saß mir im Nacken, als ich mir vorstellte, in ein Meeting zu gehen“, erinnert er sich. Eine Hemmschwelle, die fast alle Betroffenen erst überwinden müssen. Der 59-Jährige hat es nicht bereut, den Schritt getan zu haben. „Ich erkannte mich in vielen Aussagen von Betroffenen wieder.“

    Das Grundprinzip der AA, die Anonymität, sei das Wichtigste, sagt er. Alter, Konfession, Beruf oder Herkunft spielen keine Rolle. „Die einzige Voraussetzung ist der Wunsch, mit dem Trinken aufhören zu wollen.“ Den Teilnehmern der Treffen steht es auch frei, ob sie nur zuhören oder auch selbst etwas sagen wollen. „Wir kommentieren nicht die Aussagen der anderen und wir bewerten sie nicht“, beschreibt der Aichacher das Prinzip der AA. „Für mich ist das nicht einfach eine Selbsthilfegruppe, sondern eine Gemeinschaft.“ Heute kann sich der 59-Jährige nicht mehr vorstellen, was ihm ein Bier oder ein Schnaps bringen könnte. Trotzdem passiert es ihm auch nach 16 Jahren immer wieder mal, dass es kurze Momente gibt, wo er überlegt, ob er die kleinen Fläschchen, die so einladend in den Geschäften an den Kassen stehen, kaufen soll. „Ich habe keine Angst, dass ich hinlange. Aber die Situationen sind wichtig, damit ich daran denke, dass Alkohol für mich immer ein Thema bleibt.“ Seine frühere Stammkneipe meidet er seit 16 Jahren komplett. Auch sein Freundeskreis hat sich verändert. „Geblieben sind nur die echten Freunde“, sagt er. Sie hatten ihn über all die Jahre genauso unterstützt wie seine Familie. „Das ist nicht die Regel“, weiß er.

    Kontaktstelle Am Mittwoch, 23. November, ist in der örtlichen Kontaktstelle der AA in der Martinstraße 9 in Aichach (ehemalige Mädchenschule) von 20 bis 22 Uhr der „Tag der offenen Kontaktstelle“. Eingang über den Seiteneingang am grünen Parkplatz.

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