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11. Juni 2010 05:30 Uhr

Kühbach-Unterbernbach

Heggenstaller entschuldigt sich

Normal lässt das Heizwerk der Firma Heggenstaller Dampf ab. Bei einer Infoveranstaltung taten das nun die Unterbernbacher. Von Carmen Jung

Kühbach-Unterbernbach. Normal lässt das Heizwerk der Firma Heggenstaller Dampf ab. Am Mittwochabend taten das Unterbernbacher bei einer Informationsversammlung zur Bebauungsplanänderung. Sie machten ihrem Ärger über geschaffene Tatsachen, Lärm- und Staubbelästigung Luft. Die Vertreter des Unternehmens waren bemüht, das Feuer nicht weiter anzuschüren. Sie zeigten sich weitgehend einsichtig und sogar reumütig. "Es tut mir leid, wir versuchen's zu verbessern", sagte Roger Fränkel.

Wie berichtet, sollen mit einer Bebauungsplanänderung teilweise von der Firma bereits geschaffene Tatsachen legalisiert werden. Bürgermeister Hans Lotterschmid, der um Sachlichkeit bemüht war, gab zu: "Wir gehen nicht mit Hurrageschrei in das Verfahren, weil wir nicht nur die Firma sehen, sondern auch die Bürger von Unterbernbach." Gut 30 der 700 Einwohner des Kühbacher Ortsteils ließen sich im Pfarrstadel aus erster Hand informieren. Hans Brugger stellte die Planung vor, Reiner Tröps vom Ingenieurbüro Andreas Kottermair ging auf Lärmschutzbelange ein. Gegenstand der Diskussion war nicht nur die Planung, sondern auch der Ist-Zustand, den einige als unbefriedigend empfinden.

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Einer der Wortführer war der aus dem Ort stammende Dr. Winfried Maier. Er bezeichnete es als Skandal, dass die Gemeinde nichts anderes wisse, "als alles abzusegnen", und sprach von einer "Handlangerplanung". Ein Beispiel für seine Kritik: Die zu hohen Silos, die als Ausnahme im neuen Bebauungsplan eingehen sollen, seien bereits zuvor von den festgesetzten Höhen befreit worden. "Da verwechselt jemand die Ausnahme mit der Regel", so Maier, dessen Eltern in Unterbernbach wohnen. Wie Maier meldete sich auch Josef Schmaus als geborener Unterbernbacher zu Wort: "Die Betroffenen haben Angst, dass der jetzige Zustand zementiert wird."

Persönlichen Leidensdruck machten die Familien Kaiser und Schuh geltend. Jutta Kaiser erzählte davon, dass ihr Sohn nachts schon mal nicht schlafen könne wegen des Lärms. Mitarbeiter aus der Firma berichteten, sie hätten heute leise sein müssen, weil Lärm gemessen worden sei. Heribert Schuh forderte eine Langzeit-Messung, und seine Frau erklärte: "Wir sehen nix mehr außer Heggenstaller, wir wollen auch ein bisserl leben."

Hans Buchard von der Werkleitung räumte Störfälle ein. Dass gerade das Ablassen von Luft aus dem Heizwerk so stark als Beeinträchtigung empfunden werde, sei ihm nicht bewusst gewesen. Um Abblasvorgänge außerhalb des Turnus zu vermeiden, habe man die Leistung schon um ein Megawatt reduziert, wobei Heggenstaller "einen Haufen Geld" verliere. Zur Erklärung: Das Heizkraftwerk erzeugt Strom, der ins Netz eingespeist wird. 170 Millionen Euro werden daraus jährlich erlöst, wie es im Jahr 2007 hieß. Das Geldargument ließ Lotterschmid nicht gelten. "Das muss die Firma in den Griff kriegen, egal was es kostet. Sie muss den Lärm in der Nacht abstellen", forderte er. Der Bürgermeister erklärte sich auch bereit, im Landratsamt Druck zu machen, sollten Unregelmäßigkeiten vorkommen. Er und Brugger ("Da liegt schon einiges im Argen") rieten den Bürgern, ihre Einwände schriftlich geltend zu machen und beispielsweise weitere Lärmschutzmaßnahmen zu fordern. Damit müsse sich der Gemeinderat befassen. Unter dem Strich war Lotterschmid aber überzeugt, dass sich der Ist-Zustand durch den Bebauungsplan "auf keinen Fall verschlechtern" werde. Buchard bekräftigte, dass das Werk in Unterbernbach "so für die nächsten Jahrzehnte" bleiben solle. "Vorgesehen sind nur Ergänzungen im Rahmen des Substanzerhalts", so Roger Fränkel, zuständig für strategische Geschäftsentwicklung. Er gab zu, dass die Firma "den ein oder anderen Fehler gemacht" habe und manches besser hätte kommunizieren sollen. Fränkel zeigte sich zuversichtlich, dass man bei den Kritikpunkten "sicher einen Weg miteinander findet". Aus dem Publikum war da eher Skepsis herauszuhören. Auch wenn die Betroffenen Dampf abgelassen haben: Die Luft aus dem Konflikt ist noch nicht raus. Von Carmen Jung

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