Beim dritten Anlauf schaffte es das Junge Theater Affing endlich, „Außer Kontrolle“ auf die Bühne der Mehrzweckhalle zu bringen. Wie berichtet, hatte die Premiere im vergangenen Jahr abgesagt werden müssen, weil die Mehrzweckhalle als einsturzgefährdet galt.
Der Humor im Stück ist mitunter dunkelschwarz und stets „very british“. „Out of Order“ heißt die Farce im Original von Ray Cooney. Wer Politiker als Dilettanten sieht, muss seine Meinung zumindest insofern korrigieren: Im Lügen und im Improvisieren müssen sie dem Stück zufolge gut sein.
Richard Willey (Markus Gropper) ist Staatsminister und als solcher auf dem Weg zu einer Liebesnacht mit der Sekretärin der Opposition, Jane Worthington (Bettina Draxler). In ihrem Hotelzimmer finden sie eine Leiche. Polizei? „Auf keinen Fall. Das darf nicht herauskommen“, lauten die prägnanten Sätze des Ministers. Sofort verstricken sich er, sein Sekretär George Pidgen (Sebastian Pischel) und immer mehr Personen in ein unentwirrbares Lügennetz
Die Hektik steigt, wobei es den jungen Mimen stets gelingt, die pulsierende Unruhe glaubhaft bis ins Publikum pochen zu lassen. Immer wieder wird die Leiche vom Fenster in den Schrank, aufs Sofa, zurück in den Schrank und sogar in einen Rollstuhl verfrachtet und umgekleidet, bis sie plötzlich verschwunden ist. Das Ensemble verheddert sich keineswegs in den immer neuen Namen und frisch erfundenen verwandtschaftlichen Beziehungen. Obwohl die Handlung brodelt, spielen die Schauspieler ihre Parts genüsslich cool, zelebrieren die ständigen Applaus-Unterbrechungen und warten wie Profis die richtigen Zeitpunkte ab, um gezielt die Wortwitze ins Publikum zu entlassen.
Ein beinahe gehörnter Ehemenann
Der Sekretär ist entrüstet, als er erfährt, dass sein Minister mit der Sekretärin der Opposition… „Wie konnten Sie nur!?“ Der Staatsmann antwortet wahrheitsgemäß: „Ich konnte noch gar nicht.“ Der beinahe gehörnte Ehemann der Sekretärin droht dem Minister: „Wenn Sie mich anlügen!“ „Aber ich bitte Sie! Ich bin Mitglied der Regierung.“ Die knappe Antwort des noch Hornlosen: „Eben!“
Knappe zwei Stunden gibt das Junge Theater Vollgas, bevor sich im dritten Akt alles überraschend einfach, aber völlig anders auflöst, als der Zuschauer spekuliert. Nur eines ist schade: So eine rasante, witzig-unterhaltsame Aufführung ohne Netz und doppelten Boden – sie spielen ohne Souffleur – hätte wesentlich mehr Zuschauer verdient. Aber Sophie Behmenburg, Vereinschefin bei der Volksbühne, regt das mangelnde Interesse der Affinger an ihrem Bühnennachwuchs nicht auf: „Noch wichtiger als viel Besuch ist, dass die, die da sind, begeistert sind. Und das sind sie.“
WeitereSpieltermine für „Außer Kontrolle“ sind Freitag, 11. Mai, und Samstag, 12. Mai. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr. Kartenvorverkauf in der Sparkassenfiliale Affing und in der Augusta-Bank Mühlhausen.
Weitere Infos im Internet unter
theater-affing.de