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Kluftinger der nachdenklichen Art

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Kluftinger der nachdenklichen Art

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    André Stuchlik als Kultromanfigur "Kluftinger" beim Verzehren seiner Leibspeise Kässpätzle. Foto: Sigrid Wagner
    André Stuchlik als Kultromanfigur "Kluftinger" beim Verzehren seiner Leibspeise Kässpätzle. Foto: Sigrid Wagner Foto: Sigrid Wagner

    Ein kauziger Allgäu-Kommissar Kluftinger ist im Roman facettenreich und mit herrlich schrägen Gags belastet. Im Stück des Landestheaters Schwaben aus Memmingen kam dieser "Kultcharakter" in Gersthofen nicht recht zur Geltung. Die Mythologie und die recht eigentümlichen traditionellen Bräuche der "Rauhnacht" waren nur wenig erkennbar. Das Bühnenbild, die Empfangshalle des fünf Sterne Hotels "Alpenglück" mit Ausblick auf ein Alpenpanorama, war optisch gelungen.

    Die Allgäuer Tracht der Hotelbesitzerin König sowie Kluftingers vermittelten auch ansatzweise schwäbisches Lebensgefühl. Die anfänglich etwas hölzern wirkende Darstellung wurde im Verlauf des Stückes zunehmend geschmeidiger. Der erwartete Spannungsbogen wollte aber nicht recht aufkommen.

    Die schauspielerischen Charakterdarstellungen des Landestheaters Schwaben aus Memmingen waren allesamt gelungen. Die Lebensverbitterung der Witwe des Ermordeten, durch einen Unfall grässlich entstellt, war durch Katharina Puchner gut getroffen worden. Auch Fridtjof Stolzenwald als Assistent Kluftingers und in der Rolle des Dr. Langhammer zeigte schauspielerisches Können. Der trunksüchtige und spielsüchtige Ehemann der Hotelbesitzerin schwankte glaubwürdig mit vollen Weingläsern über die Bühne. Alle Bühnendarsteller waren ihren Rollen sehr nahe gekommen und gaben die unterschiedlichen menschlichen Eigenschaften zum Besten.

    Ob Eifersucht oder misslungene Berufskarrieren, Weyers Darstellung aller Figuren einer seltsam verdrehten und überspannten Gesellschaft war durchaus überzeugend herausgearbeitet worden. "Ein Abbild unserer Gesellschaft, so amüsant wie gruselig", so sein Ansatz der Inszenierung.

    "Allesamt unverbesserliche Egoisten, die zwanghaft Rollenspiele veranstalten", sein sozialkritischer Ansatz. Viele im Publikum hatten den Bestseller gelesen und waren mit einer gewissen Vorstellung in die ausverkaufte Stadthalle gekommen. Einen "Kluftinger" ohne Allgäuer Dialekt, so die Meinung einiger Besucher, fanden sie nicht gelungen.

    Das volkstümliche Theaterstück hinkte der Erwartungshaltung der Gäste hinterher. Die im Roman strapazierten Lachmuskeln waren beim Bühnenstück geschont worden, doch sollte Walter Weyers Theaterstück eben wohl nicht der amüsanten Unterhaltung dienen, sondern eher zum Nachdenken anregen.

    Termin Die nächste Aufführung der "Rauhnacht" ist am 24. Juni um 20 Uhr in der Stadthalle Friedberg. Karten gibt es unter Telefon (08 21) 7 84 90 00 und online: www.vh-ticket.de

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