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Vortrag: Lasst die Buben ruhig raufen

Vortrag

Lasst die Buben ruhig raufen

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    Peter Karl ging vor rund 80 Eltern in der Rehlinger Schule über zweieinhalb Stunden auf die Bedürfnisse von Buben ein.
    Peter Karl ging vor rund 80 Eltern in der Rehlinger Schule über zweieinhalb Stunden auf die Bedürfnisse von Buben ein. Foto: Martin Golling

    Rehling Sie raufen gern, mögen Wettkämpfe, vergleichen ständig, haben einen gesteigerten Gerechtigkeitssinn, können sich nur konzentrieren auf das, was sie interessiert. Dann aber sind sie super. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was rund 80 Eltern der Grundschulen Affing, Aindling und Rehling in der dortigen Schulturnhalle an Stichwörtern über ihre Söhne zusammentrugen. Peter Karl hielt dort einen Vortrag unter dem Motto „Was ist los mit unseren Jungs?“.

    Besondere Fähigkeiten, bedingt durch die Evolution

    Der Diplomsozialpädagoge konnte glaubhaft unser gleichmachendes Gesellschaftssystem für ein gefährliches Phänomen verantwortlich machen: „Viele Jungs sind an der Grenze der Beschulungsfähigkeit.“ Die Ursachen hierfür sieht der Familienberater aus Gersthofen im mangelnden Verständnis für die Biologie der Jungen, im Unterdrücken der durch die Evolution gewachsenen Verhaltensweisen, in der Vereinheitlichung der Erziehungsmethoden von Mädchen und Jungen und in der Gesellschaft an sich.

    Beispiel: „Früher hieß es: Es ist ein Mann da. Da kann nichts schiefgehen. Heute heißt es: Vorsicht, da ist ein Mann am Spielplatz“, brachte Karl die Verschiebung und die Klischees auf den Punkt.

    Wie konnte es so weit kommen? Mädchen haben zwei X-Chromosomen, Buben ein X- und ein Y-Chromosom in ihrer Zellstruktur. Letzteres steht für männlich, aggressiv und wild. „Ursprünglich war es rein positiv besetzt, denn es bedeutet, dass der Mann auf die Welt zugeht und anpackt“, machte Karl klar.

    Allein in der durch die Evolution bedingte Fähigkeit der Fokussierung könnten Jungs völlig abtauchen in ihre Welt und die Mutter komplett überhören. Karl rät zu Körperkontakt und Geduld: „Hand auf die Schulter und klare Ansage.“ Letztere beherrschten Väter besser, „sie reden weniger“. Inzwischen stellten Lehrerinnen fest, manche Schüler seien auf der Frauenfrequenz völlig taub, warnte Karl vor ständigem Redefluss der Mütter. Seine Überzeugung: „Nicht die Jungs sind das Problem, sondern unser Blick auf sie. Wir verlangen mädchenhaftes Verhalten von ihnen. Überall.“

    Gefährlich sei es, Buben die Spielkonsole oder den PC ohne Aufsicht zu überlassen. Einige der Spiele seien dafür konzipiert worden, um bei Soldaten die Tötungshemmschwelle zu senken. Karl forderte, Buben müssten raufen dürfen. Er zitierte einen Drittklässler: „Wenn wir mal raufen, werden wir sofort bestraft. Wie böse Mädchen manchmal sind, das merkt die Lehrerin gar nicht.“

    Der Referent warnte auch vor „verbotenen“ Fragen an Jungs. Zum Beispiel: Wie geht es dir? Karl: „Was soll er machen? Er will entweder kämpfen, davonlaufen oder sich tot stellen. Also sagt er: Passt schon.“ Sein Tipp: „Achten Sie beim Passt-schon auf die Melodie. Sie sagt viel mehr als die Phrase.“

    Wenig Erfahrung hätten Mütter mit der zweiten Seite ihrer Jungs, der X-Chromosom-Seite. Karl: „Da sind sie oft ängstlicher als Mädchen, wackelig und scheu, aber auch anhänglich.“ Ein Problem für Buben seien die „Helikopter-Mütter, über allem und überall dabei“. Der aus der Umgebung von Rain am Lech stammende Sozialpädagoge nannte den Lebensabschnitt im Alter von sieben bis 13 Jahren „die große Vater-Sohn-Zeit“. Die wenigen Väter im Raum rief er auf: „Genießen Sie diese Zeit.“ Bleiben wird Karls Vorwurf: „Lehrer sind wenig darauf ausgebildet, Jungs zu verstehen. Die Schulen brauchen insgesamt eine andere Orientierung.“ Nachhallen wird auch Karls Appell an alle bezüglich unserer jungen Jäger und Sammler: „Wir müssen umdenken, sonst verlieren wir sie.“ "Kommentar

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