Die Anonymen Alkoholiker Aichach leisten seit 25 Jahren anerkennenswerte Arbeit im Kampf um die Volksdroge Alkohol. Berührende Einblicke beim offenen Meeting

„Ich bin Peter (oder Petra) und bin Alkoholiker(in)“. Wer sich mit diesem Satz bei den Anonymen Alkoholikern (AA) vorstellt, hat einen ersten wichtigen Schritt getan. Dieses Bekenntnis im geschützten Raum einer auf absolute Anonymität bedachten Gemeinschaft ist gleichzeitig die Erkenntnis, dass man Hilfe braucht bei der Bekämpfung einer Sucht, derer man allein nicht mehr Herr wird. Die Aichacher AA bieten seit 25 Jahren diese Hilfe an. Dieses Jubiläum feierte die Gruppe am Samstagnachmittag mit einem offenen Meeting im Pfarrzentrum St. Michael.
Es hörte sich an wie ein schlechter Roman. Da fängt jemand mit 12 Jahren an zu trinken, zum täglichen Vollrausch kommen mit 14 Drogen hinzu, später Gefängnis, Therapien, Rückfälle, als Folge Magersucht und Diabetes. Ein anderer wird als Kind missbraucht, von der alkoholkranken Mutter geschlagen, setzt mit 15 selbst die Flasche an, überlebt nur knapp einen Suizidversuch. Ein Dritter erlebt trotz behüteter Kindheit und Sportlerkarriere den schleichenden Absturz in die totale Alkohol-Abhängigkeit. Begeht Straftaten, setzt die eigene Familie aufs Spiel. „Ich hatte nur noch eine Wahl: Ich musste etwas gegen das Saufen tun“, sagt ein Betroffener.
Drei Lebensläufe, die nur bruchstückhaft wiedergeben, was der Griff zur Flasche schlimmstenfalls anrichten kann. Drei Menschen, die zu den vielen andern gehören, die regelmäßig Hilfe und Rat bei den AA suchen. Und die vor den 120 Gästen mit berechtigtem Stolz verkündeten: „Wir sind seit Jahren trocken“. Das beinhaltet ein Umdenken und eine Neuorientierung im Geist und in der Seele, eine Sanierung des Körpers.
Helmut Treutlein, bis 2008 als ortsansässiger Psychiater und Psychotherapeut wertvoller Ansprechpartner der AA Aichach, hob als einer der Festredner den therapeutischen Stellenwert der Selbsthilfegruppe hervor. Zuvor hatte dritter Bürgermeister Karl-Heinz Schindler die AA Aichach als Teil der „Stadtfamilie“ mit besonderem Status gewürdigt. Sich zum Problem Alkohol zu bekennen heiße, es zu enttabuisieren und gleichzeitig die gemeinsame Verantwortung einzufordern. Dafür wolle die Stadt wie bisher ihren Beitrag leisten. Auch Stadtpfarrer Johannes Schmidt zollte den AA Respekt für ihre beeindruckende Arbeit.
Einen ausführlichen Bericht finden Sie in der Montagausgabe der Aichacher Nachrichten.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren