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Mädchen ohne Perspektive und Buben ohne Zeit

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Mädchen ohne Perspektive und Buben ohne Zeit

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    Gespannt lauschten die Grundschüler Pater Peter Balleis.
    Gespannt lauschten die Grundschüler Pater Peter Balleis. Foto: mgw

    Todtenweis Die Grundschule in Todtenweis ist immer noch wie neu, auch wenn Um- und Anbau schon wieder eine halbe Dekade zurückliegen. Beim Vortrag von Jesuitenpater Peter Balleis warf der Beamer jedoch das Bild einer ganz anderen Schule an die Wand der Aula.

    Nackte Wände aus unverputzten Natursteinen und getrockneten Ziegeln zeigten einen Raum, in dem unter dem blauen Wüstenhimmel die Schülerinnen ohne Dach über dem Kopf mindestens jeweils zu zweit in ein Buch schauten. Schnell hatten die Grundschüler die Unterschiede zu ihrer Schule aufgezählt.

    „Die Buben müssen arbeiten“, begründeten sie das Phänomen, warum nur Mädchen diese Schule im Tschad (Afrika) besuchten. Peter Balleis ging weiter: „Dass die Buben hier keine Zeit für Schule haben, ist ein Grund dafür, warum ihnen später – eben weil sie nichts gelernt haben – nur eine Zukunft bei den verschiedenen bewaffneten Gruppen beschieden sein wird.“ Balleis fuhr fort: „Ein 14-Jähriger ist fasziniert von der Macht, die er mit der Waffe in seiner Hand ausüben kann.“

    Der Jesuitenpater zeigte ein zerschossenes Haus 500 Kilometer südlich der gezeigten Schule. Hier in der zentralafrikanischen Republik wütete vor zwei Jahren der Krieg. Meist gehen hier Buben zur Schule, die Lehrer sind fast ausschließlich Männer. „Das ist gar nicht gut“, fand Balleis. Denn wenn die Mädchen von einer Frau unterrichtet würden, dann sähen sie eine echte berufliche Perspektive als Lehrerin.

    So werden sie mit 14 Jahren, oft schon mit zwölf, verheiratet. Schulen für insgesamt 250000 Kinder hat der Flüchtlingshilfsdienst der Jesuiten, den Balleis von Rom aus leitet, in den vergangenen Jahren weltweit errichtet. Ein zentrales Anliegen ist dem aus dem Aindlinger Ortsteil Hausen stammenden Mrdensmann die Bildung der Jugend.

    Am Ende des Vortrags prangt eine neue Schule im Bild an der Wand. Die Menschen wollen, dass ihre Kinder etwas lernen. Eine kleine Hütte voller Schüler vor der Schule zeigt, dass das erst kürzlich erbaute Haus schon wieder zu klein ist. Und die Lehrerin (!) unterrichtet mit einem Baby auf dem Rücken. Ein Hoffnungsschimmer für das geschundene Afrika – oder wie die Todtenweiser Schüler sangen: „Wenn viele kleine Leute viele kleine Schritte tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“ (mgw)

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