Freitagvormittag, 9.45 Uhr, in der Pöttmeser Volksschule: Im Besprechungszimmer im ersten Stock bricht Feuer aus. Von Victorine Jeanty



Pöttmes. Freitagvormittag, 9.45 Uhr, in der Pöttmeser Volksschule: Im Besprechungszimmer im ersten Stock bricht Feuer aus.
Starker Rauch verbreitet sich schnell in den Gängen, wo die Grundschulklassen untergebracht sind. Lehrerin Cornelia Geier der Klasse 4a schlägt den Feuermelder ein und sofort ertönt der hauseigene Alarm. Noch während die Schüler sich ordnungsgemäß in Zweierreihen aufstellen und das Schulgebäude verlassen, rückt die Pöttmeser Wehr mit 14 Mann und zwei Feuerwehrautos an. Der "Brand" ist im Nu "gelöscht" und nach gut 30 Minuten wird Entwarnung gegeben.
Die nicht angesagte Feuerwehrübung ist Teil einer umfangreichen Schulungseinheit für Lehrkräfte, die im Notfall rasch und effizient handeln müssen, so Kommandant Klaus Hartwig. Wie man sich bei einer Brandkatastrophe verhalten soll, das hatte Hartwig den Lehrern anlässlich einer "Trockenübung" im Pöttmeser Feuerwehrhaus bereits im letzten Jahr gezeigt. Nun gilt es, den Ernstfall zu bewältigen, und so waren außer der Rektorin Brigitte Beck nur noch das Hausmeisterehepaar sowie Peter Fesenmeir vom Bauamt vorab informiert. Unter Leitung von Richard Hammerl, der den Einsatz koordiniert, wird das Strahlrohr über den Pausenhof bis zum Brandherd verlegt. Zwei Atemschutzträger simulieren in voller Montur die Evakuierung von zwei Brandopfern, denen man eine Fluchthaube aufgesetzt hat. Damit wird das Einatmen giftiger Gase verhindert und mittels einer eigenen Vorrichtung wird Sauerstoff zugeführt, erklärt Manuela Steiger, die als einzige Feuerwehrfrau mit dabei ist. Im Einsatz ist auch ein großer Be- und Entlüfter, der am Eingang der Schule aufgestellt ist und der den Rauch aus dem Gebäude ins Freie blasen soll.
"Stimmt es, dass es im Lehrerzimmer brennt?", fragt eine Drittklässlerin, die einen direkten Blick auf die zwei großen Feuerwehrautos am Eingang hat, ganz aufgeregt. "Bekommen wir jetzt schulfrei oder gehen wir in eine Ersatzschule?" will ganz pragmatisch einer ihrer Schulkameraden wissen. "Da drüben weinen schon ein paar", berichtet ein anderer. Anna und Katarina aus der 1b nehmen es gelassen und essen bereits wieder ihr Pausenbrot.
Manöverkritik: Es geht noch besser!
Klaus Hartwigs Manöverkritik im Lehrerzimmer danach ist überwiegend positiv, auch wenn noch nicht alles vorschriftsmäßig über die Bühne gegangen ist. Fast problemlos verlief die Evakuierung der knapp 400 Schüler, die sich geordnet und ruhig mit ihren Lehrern zu den zugewiesenen Sammelplätzen begaben. Lediglich die Klasse 4a, die direkt durch die starke Rauchentwicklung betroffen war, hätte aufgrund der Gefahrenlage einen anderen Fluchtweg einschlagen müssen. Moniert wurde auch die Tatsache, dass die Gangtüren nicht zu waren, denn dadurch konnte sich der Rauch sehr schnell im Gebäude verteilen. Ein weiterer Schwachpunkt ist der hauseigene Feueralarm, der ausschließlich in der Schule anschlägt und keineswegs an die Zentrale weitergeleitet wird, was sich im Notfall fatal auswirken kann. Im Ernstfall muss also die Wehr eigens benachrichtigt werden, am leichtesten per Handy unter der 112.
Die Aufrüstung sowohl der Türen mit eingebautem Rauchmelder und die Umrüstung der Feuermelder ist eine kostspielige Angelegenheit, so Hartwig, der seinen Bericht sowohl an die Schule als auch an die Gemeinde weiterleiten wird. Richard Hammerl als Einsatzleiter sähe es gerne, wenn sofort nach Eintreffen der Wehr ein Ansprechpartner ihm die genaue Sachlage angeben könnte, auch um eine raschere Rettungsmaßnahme in Gang setzen zu können.
Die Lehrerschaft mit ihrer Rektorin nahm die Anregungen von Kommandant Klaus Hartwig sehr ernst und will bei der nächsten Übung auf jeden Fall "alles richtig machen", so Brigitte Beck. Von Victorine Jeanty
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