Aindling Die Raiffeisenbank Aindling hat ihre Aufwärtsentwicklung auch im Jahr 2011 fortgesetzt. Bei der Generalversammlung am Montagabend standen die aktuellen Zahlen aber im Schatten von anderen Meldungen. An der Spitze gibt es gravierende Veränderungen: Vorstandsmitglied Johann Glas wurde offiziell verabschiedet, Josef Beck, der Chef des Vorstands, ist krank und wird Ende Juli die passive Phase der Altersteilzeit erreichen. Künftig wird neben Anton Fürst, vor gut einem Jahr in den Vorstand berufen, auch Manfred Gerstner die Geschäfte führen; er wird zum 1. Juli einen Posten als Vorstand übernehmen.
Beck ist seit Anfang März krank. Sein Gesundheitszustand, so hieß es wiederholt bei der Versammlung im Gasthof Moosbräu in Aindling, habe sich in der Zwischenzeit gebessert. Bei Johann Glas hätten sich Ende 2010 die ersten Anzeichen seiner Krankheit bemerkbar gemacht. Am 29. Februar schied er aus, nachdem er 40 Jahre für die Raiba Aindling tätig war, vom Banklehrling bis zum Vorstand. Franz Reich, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, versicherte, die Zusammenarbeit sei immer „vertrauensvoll und von offener Art“ gewesen.
„Diese Themen Burn-out und Verschleiß werden immer heftiger“, berichtete Siegfried Drexl, Wirtschaftsprüfer des Genossenschaftsverbands Bayern, und zeichnete Glas mit der Ehrennadel des Deutschen Raiffeisenverbands in Gold und einer Urkunde aus. Glas bedankte sich bei den Mitarbeitern und Mitgliedern; er sprach von einem sehr gemischten Gefühl: „Ich habe viel in meine Karriere investiert.“ Daneben habe er auch Glück gehabt.
Manfred Gerstner wird am 1. Juli seinen Dienst bei der Raiffeisenbank Aindling antreten. Der 40-jährige Ehemann, Vater von sechsjährigen Zwillingen, lebt in der Nähe von Neuburg und ist in der Raiffeisenbank Donaumooser Land beschäftigt. Er schilderte die wichtigsten Stationen seines Lebens und seine Ausbildung zu einem hoch qualifizierten Banker. Erstmals informierte bei einer Generalversammlung Anton Fürst über die Entwicklung des Vorjahres. Der Vorstand betonte: „Unser Hauptziel ist es nicht, möglichst viel Geld zu verdienen, sondern Sie so zu fördern, dass Sie Ihre wirtschaftlichen Ziele erreichen.“ Er prangerte die „zunehmende Regulierung“ an, durch die „ein erheblicher Teil unserer Arbeitszeit gebunden“ werde.
Seit der Bankenkrise im Jahr 2008 habe die Politik Regulierungsversuche unternommen, die in erster Linie Sparkassen, Volksbanken und Raiffeisenbanken träfen, „also die Falschen“, wie Fürst folgerte: „Die Kasino-Mentalität internationaler Investmentbanken steht bislang viel zu wenig im Fokus der Aufseher und Regulierer.“ Fürst stellte klar, dass die neuen Eigenkapitalvorschriften nach Basel III seinem Unternehmen keine Probleme bereiten.
Der Vorstand kritisierte die Vorschriften, die bei Beratungsgesprächen zu beachten sind: „Kunden gehen nicht in eine Bank, um mit Tüten voll Papier nach Hause zu gehen. Und Berater wollen beraten, mit ihrem Gegenüber sprechen – und nicht noch mehr Formulare ausfüllen.“ Die Ausleihungen stiegen 2011 um 6,2 Millionen Euro auf 116,3 Millionen. Die Einlagen wuchsen um 4,2 Millionen Euro auf 162,7 Millionen. Erstmals hat die Bilanzsumme die Marke von 200 Millionen überschritten, sie belief sich auf 202,6 Millionen. Die Ertragssituation nannte Fürst „durchaus komfortabel“. Das Eigenkapital stieg auf 16,9 Millionen Euro. 40000 Euro wurden für Spenden und Sponsoring ausgegeben.
Franz Reich sprach für den Aufsichtsrat. Er erinnerte daran, dass die Vereinten Nationen 2012 zum „Internationalen Jahr der Genossenschaftsbanken“ erklärten. Bezogen auf die Raiba Aindling sagte er: „Wir können durchaus wieder optimistisch in die Zukunft schauen.“
Die Ertragslage sei 2011 leicht rückläufig gewesen, sagte Siegfried Drexl, „aber immer noch angemessen“. Jahresabschluss, Lagebericht und Verwendung des Jahresüberschusses wurden einstimmig gebilligt. Demnach erhält wieder jedes Mitglied eine Dividende von sechs Prozent. Isidor Held und Peter Haberl schieden aus dem Aufsichtsrat aus, sie wurden erneut in dieses Gremium gewählt. Vorstand und Aufsichtsrat wurden entlastet.