„Spiegel-TV“ griff den Fall auf – Staatsanwaltschaft und Kripo wenig amüsiert Von Harald Jung

Montagabend um 23 Uhr war ein Pflichttermin für viele Juristen und Polizeibeamte in Ingolstadt. „Spiegel-TV“ hatte den Mordfall Rudi Rupp aufgegriffen und als „Bayerischen Justizskandal“ tituliert.
Während die Rupp-Anwälte Klaus Wittmann und Regina Rick in dem halbstündigen Beitrag glänzende mediale Auftritte feiern konnten, kamen die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei Ingolstadt denkbar schlecht weg. Der geschickte Zusammenschnitt von Videoaufzeichnungen und Interviews aus verschiedenen Phasen dieses Kriminalfalles dürfte am Ende viele der bundesweiten Zuschauer davon überzeugt haben, dass die Ingolstädter Justiz ziemlich stümperhaft bei der Aufklärung des Falles zu Werke gegangen ist.
Die Geschichte vom Mord an Rudi Rupp ist in der weiten Region hinlänglich bekannt. Zwei Jahre nach dem spurlosen Verschwinden des Bauern aus Heinrichsheim wird die Familie verhaftet. Der Freund einer der beiden Töchter erzählt der Polizei eine abenteuerliche Geschichte von einem tödlichen Schlag mit einem Kantholz, der Zerstückelung der Leiche und im Anschluss die Verfütterung der menschlichen Überreste an die Hofhunde. Monate später spricht die Jugendkammer alle vier Angeklagten schuldig. Zwei Jahre danach wird Rudi Rupp in seinem Wagen in der Donau gefunden. Die Leiche weist keine Verletzungen auf, die beweisen lassen würden, dass sich der Tathergang so abgespielt haben kann, wie einer der Angeklagten geschildert hat. Die Justiz muss zurückspulen – im Wiederaufnahmeverfahren am Landgericht Landshut kommt es schließlich zum Freispruch – die Anwälte jubeln, Ingolstadts Justiz ist bundesweit blamiert.
„Spiegel-TV“ rollte den Fall jetzt auf und zeichnete den „Skandal“ nach. Im Zusammenschnitt älterer und neuerer Filmszenen ergibt sich für den unbedarften Zuschauer am Ende ein Bild, das den Titel des Beitrags abrundet.
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