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11. Mai 2011 00:06 Uhr

Urteil

Sohn provoziert Vater so sehr, dass dieser völlig ausrastet

Bei einem Familienstreit hat ein Vater seinen Sohn mit Schlägen und Tritten traktiert. Der Mann muss dennoch nicht ins Gefängnis.

Weil er seinen Sohn nach einem Streit so massiv mit Fäusten und Tritten attackiert hatte, wurde ein 45-Jähriger gestern vom Amtsgericht Aichach zu einer Geldstrafe verurteilt.
Foto: dpa

Eigentlich war es ein normaler Familienstreit zwischen Vater und Sohn im Sommer vergangenen Jahres. Was dann allerdings passierte, war ganz und gar nicht normal. Der 45-jährige Angeklagte fühlte sich so provoziert, dass er ausrastete und seinen damals 17-jährigen Sohn mit Schlägen und Tritten traktierte. Dennoch beließ es Richterin Elisabeth Walch am Amtsgericht Aichach gestern bei einer Geldstrafe.

Ausgelöst wurde die Familientragödie durch ein Telefonat des 45-jährigen Angeklagten mit seiner geschiedenen Frau, bei der der gemeinsame Sohn lebt. Nach Aussage des Vaters machte der junge Mann des Öfteren Ärger zu Hause, und auch an diesem Abend schlug er über die Stränge. Die Mutter klagte am Telefon, dass die Freunde des Sprösslings trotz mehrmaliger Aufforderung das Haus nicht verlassen würden. Der Vater fuhr daraufhin zum Wohnort seiner Exfrau in einer Gemeinde im östlichen Landkreis und setzte die Jugendlichen vor die Tür. Laut Aussage des Angeklagten habe sich dann sein Sohn vor ihm aufgebaut und die Fäuste geballt. „Da war bei mir der Ofen aus“, erklärt der 45-Jährige, „er hat mich so sauer gemacht. Dann habe ich zugeschlagen.“ Der weitere Verlauf kann nur aus den Schilderungen des Sohnes rekonstruiert werden, der Vater spricht von „einem Filmriss“.

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Der inzwischen 18-Jährige berichtet von mehreren Schlägen ins Gesicht. „Immer wenn ich weg wollte, hat er mich wieder zurück gerissen.“ Schließlich ging er zu Boden, sein Vater trat mehrmals auf ihn ein. Als der junge Mann keine Luft mehr bekam, soll der 45-Jährige nur ein verächtliches: „Brauchst du denn Luft?“ von sich gegeben und sofort wieder zugetreten haben. Die erste Gewalteskalation endete erst, als die Mutter dazwischen ging und der Sohn in das Badezimmer flüchtete.

Dort kam es zum zweiten Gewaltausbruch: Der Sohn provozierte den hinterhergeeilten Vater erneut mit einem Schimpfwort und der Aussage: „Du hast dich mein halbes Leben nicht gekümmert und jetzt willst du den Moralapostel spielen.“ Wieder kam es zu Schlägen, bis der 17-Jährige am Boden liegend seinem Vater die Beine wegzog und dieser in der Badewanne landete. Für den Sohn endete der Abend im Krankenhaus. Dort wurden Prellungen, Schürfwunden und Blutergüsse festgestellt. Für den Vater hatte die Auseinandersetzung ein gerichtliches Nachspiel, bei der er gestern gerade noch mit einem blauen Auge davonkam.

Während die Vertretung der Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten forderte, schloss sich Richterin Walch Verteidiger Tom S. Heindl an und verhängte eine Geldstrafe von insgesamt 5600 Euro. Vor allem die Reue und die Geständigkeit des Angeklagten waren dafür ausschlaggebend. Außerdem ging Walch davon aus, dass so etwas nicht mehr vorkomme. (nbr)

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