Von Christian Lichtenstern und Andreas Schmidt
Und dieses Hilfswerk unterstützt seit Jahrzehnten Menschen auch aus dem Landkreis, die unschuldig in Not geraten sind - ohne diese Hilfe an die große Glocke zu hängen. Die Kartei wirkt meist im Verborgenen. 2009 waren es rund 40 000 Euro für 64 Einzelfälle im Landkreis Aichach-Friedberg - für die Heizung der Wohnung, einen Ausflug mit Schulkameraden oder eine neue Bettmatratze. Dazu kommen aber auch größere Zuwendungen beispielsweise für die Typisierungsaktion in Pöttmes für Georg Kohlhaupt im Frühjahr, die vom Leserhilfswerk mit 5500 Euro unterstützt wurde.
Ellinor Holland war immer voller Begeisterung über die Spendenbereischaft der Menschen für die Kartei. Welche breite Unterstützung die Einrichtung hat, zeigte sich ganz besonders bei der Aktion "Schützenhilfe" im Jahr 2004. Allein im Sportschützengau Aichach wurden 15 400 Euro gesammelt. Im Verbreitungsgebiet der Aichacher Nachrichten mit drei Gauen nahmen 34 Vereine mit 1785 Schützen teil und spendeten so rund 16 000 Euro. Organisiert hatten die Schützenhilfe in der Region der im Dezember 2007 verstorbene Gauschützenmeister Nikolaus Wittmeir und die frühere AN-Redakteurin Brigitte Laske. In Schwaben und im angrenzenden Oberbayern kamen rund 460 000 Euro für die gute Sache zusammen - der Hauptgewinn ging an einen Schützen aus dem Wittelsbacher Land. Ellinor Holland gratulierte beim Finale in Mauerstetten im Allgäu dem überglücklichen Josef Weiß (Adlerhorst Sulzbach). Der traf damals mit einem 0,9-Teiler ins Schwarze und erhielt einen Ford Focus-C-Max im Wert von 30 000 Euro.
Ellinor Holland wurde - obwohl keine Friedbergerin - ungewöhnlicherweise mit der städtischen Bürgermedaille in Gold ausgezeichnet. Nach der Verleihung im Dezember 1985 im Rathaussaal sperrte der damalige Friedberger Bürgermeister Albert Kling noch extra in der Nacht sein Dienstzimmer auf. Denn der heutige Altbürgermeister nutzte die Gelegenheit, dass sich Ellinor Holland ins Goldene Buch der Stadt Friedberg eintrug. Die Ausnahme-Ehrung wurde damals mit dem "unermüdlichen Einsatz und Engagement" für die Kartei begründet.
Als "selten herzensguter Mensch" bleibt Ellinor Holland dem IHK-Ehrenpräsidenten Hans Haibel aus Friedberg in Erinnerung. Gerne blickt der Friedberger auf viele angenehme Gespräche mit der Herausgeberin und Verlegerin zurück: "Man konnte mir ihr über Gott und die Welt reden. Und sie war immer bestens informiert." Leider habe man diese "große Frau" in Augsburg nicht immer so behandelt, wie sie es verdient hätte, bedauert Haibel. Er verweist auf den Standort-Streit um die von Ellinor Holland gestiftete Aphrodite-Statue von Markus Lüpertz. Zuletzt war Ellinor Holland vor einem guten Jahr zu Gast in der Redaktion der Aichacher Nachrichten. Die gelernte Journalistin beeindruckte dabei mit ihrem Interesse und Humor. Ganz genau wollte sie wissen, was die Zeitungsleser im Wittelsbacher Land bewegt und interessiert. Deutlich zu spüren war aber auch, wie sehr ihr die Menschen in der Region am Herzen lagen.